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Tatort-Blitzkritik Bauerntheater in Münster
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21:42 17.03.2019
Eine Kritik von Michael Berger. Quelle: hfr
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Lübeck

Den Machern des „Tatorts“ aus Münster geht offenbar die Phantasie aus. An dieser Stelle stand schon zur vorigen Folge im Mai 2018, das Format diene nur noch als Kulisse für Gags, die mehr oder weniger gut zünden. Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Boerne (Jan Josef Liefers) haben einen eingespielten Rhythmus wie ein altes Ehepaar, Drehbuchautoren und Regisseure scheinen zu hoffen, dass dieses Duo ein Selbstgänger ist und keine ausgefeilten Geschichten mehr braucht, um als Publikumsliebling zu funktionieren.

Man weiß von Anfang an, dass eine schmale Frau die Mörderin ist

Der aktuelle Fall „Spieglein, Spieglein“ jedenfalls ist haarsträubend: Da wird täglich eine Doppelgängerin oder ein Doppelgänger des Stammpersonals erschossen, und das in einer verschnarchten Universitätsstadt wie Münster. Man weiß von Anfang an, dass die Morde von einer schmalen Frau ausgeführt werden, der man ansonsten nicht einmal den Gebrauch einer Fliegenklatsche zutrauen würde. Aus Liebe natürlich, wie sich später herausstellt, zu einem inhaftierten Mörder, den Thiele und Boerne vor langer Zeit überführen konnten.

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Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, r.) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) an der JVA Münster in einer Szene des Tatorts „Spieglein, Spieglein“. Quelle: Thomas Kost/WDR/dpa

Liefers und Prahl agieren in Doppelrollen

Viel ist vorhersehbar – zum Beispiel, dass nach den Morden an den Personen, die der Staatsanwältin Klemm, der Rechtsmedizinerin Haller und „Vadder“ Herbert Thiele ähnlich sehen, auch Ebenbilder von Boerne und Frank Thiel dran sein sollten. Selbstverständlich werden diese Gewaltdelikte von den Originalen verhindert. Dass Liefers und Prahl dabei Doppelrollen spielen müssen, macht das Szenario nicht glaubwürdiger. Im Gegenteil: Es gerät unversehens auf Bauerntheaterniveau, wenn sich die Doppelgänger gegenüberstehen.

Frank Thiel (Axel Prahl, l.) und Prof. Karl-Friedrich Börne (Jan Josef Liefers) beim Rasieren nach einer durchgearbeiteten Nacht. Quelle: Bild: WDR/Thomas Kost

Merkwürdig auch: In dieser Folge rückt die Staatsmacht immer in Kompaniestärke, dramatisch hochgerüstet und mit der Artillerie im Anschlag an, wenn ein kleines Kommando zur Hausdurchsuchung reichen würde. Das ist umso absurder, als dass die Besatzung der Mordkommission mit Hauptkommissar Thiele und seinem Hilfskommissar Mirko Schrader (Björn Meyer) eher bescheiden ausfällt. Die „Tatort“-Komparserie wird ja meist mit Mitarbeitern der örtlichen Polizei bestückt. Wollten auch niedere Ränge der westfälischen Polizei einmal mitspielen?

Verbale Mobilmachung mit Dialog-Scharmützeln

Was beim „Tatort“ aus Münster auf keinen Fall fehlen darf, sind die Dialog-Scharmützel zwischen Thiel und Boerne. In der Folge „Spieglein, Spieglein“ bemühen sich Regisseur Matthias Tiefenbacher und Drehbuchautor Benjamin Hessler wenigstens darum, diese Erwartung einzulösen. Ein schönes Beispiel für die verbale Mobilmachung bietet Professor Doktor Doktor Karl-Friedrich Boerne: „Nur weil ich narzisstisch bin, heißt das noch lange nicht, dass sich nicht alles um mich dreht.“ Diese Selbstbezüglichkeit reicht nicht für einen amüsanten und spannenden Sonntagabendkrimi.

Hier finden Sie alle „Tatort“-Blitzkritiken.

Michael Berger

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