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Tatort-Blitzkritik Durchgebrannt mit blonder Lolita
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21:46 10.03.2019
Eine Rezension von Uwe Nesemann. Quelle: LN/dpa
Lübeck/Freiburg

Manch einer hat sich schon daran versucht, das „Lolita“-Thema – reifer Mann liebt junges Mädchen und brennt mit ihm durch – in literarischer oder cineastischer Form zu verarbeiten. Wenn man ganz ehrlich ist, gelang es letztlich nur Vladimir Nabokov, den Stoff gleichermaßen erotisch und spannend wie lebensnah niederzuschreiben; vieles, was danach kam, scheiterte entweder an dem einen oder an dem anderen Anspruch. Und nun also der „Tatort“ – zumindest der Titel „Für immer und dich“ verrät literarischen Anspruch. Der Rest indes verirrt sich allzu oft im Klischee oder in düsteren Fantasien.

Der Mann und das Mädchen: Emily (Meira Durand) füttert Martin (Andreas Lust) in einer Szene des „Tatort: Für immer und dich“. Quelle: Benoit Linder/SWR/ARD /dpa

Allzu viel psychische und körperliche Gewalt

Sagen wir es gleich vorneweg: Es war kein reines Vergnügen, sich diese 90 „Tatort“-Minuten anzusehen. Oft genug spürte man den unwiderstehlichen Drang, wegzuschauen. Manchmal, weil es eklig war, und dann wieder, weil man den Kopf schütteln mochte vor allzu viel psychischer oder körperlicher Gewalt. Negativer Höhepunkt: Die Szene, in der Martin Nussbaum (Andreas Lust) seinen Hund mit einem Schraubenschlüssel erschlägt, hätte man sich sparen können; vielleicht sogar müssen.

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Was verbindet den Mann und das Mädchen (Meira Durand und Andreas Lust), die da Kilometer um Kilometer durch den Schwarzwald fahren? Quelle: SWR/Benoit Linder

Die Protagonisten liefern eine schauspielerische Glanzleistung ab

Andererseits aber ist es auch so, dass dieser Beitrag zu viel künstlerische Substanz hatte, um einfach abgeschaltet zu werden. Festmachen kann man das an den beiden Protagonisten, Andreas Lust und der jungen Meira Durand. Die erst 19 Jahre alte Darstellerin der Emily musste eine schauspielerische Glanzleistung vollbringen, um die Rolle des weltfremden, gequälten und gleichzeitig geliebten Teenagers glaubhaft darstellen zu können. Das gelang nicht immer, aber sehr oft. Und der Österreicher Andreas Lust, der schon zum siebten Mal in einem „Tatort“ zu sehen war, machte die Verzweiflung eines in aussichtslose Enge getriebenen Menschen beinahe körperlich spürbar. Am Ende wusste man nicht, ob man diesen Menschen hassen oder einfach nur Mitleid mit ihm haben sollte.

Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) hat nicht mehr damit gerechnet, dass das verschwundene Mädchen nochmal auftaucht, aber jetzt haben er und Franziska Tobler (Eva Löbau) tatsächlich Spuren von ihr gefunden. Szene des „Tatort: Für immer und dich“. Quelle: Benoit Linder/SWR/ARD /dpa

Schwere Kost: Kaum etwas wirkte versöhnlich

Eine Ambivalenz, die indes ohnehin dem gesamten Plot anhing. Es war schwere Kost, und vieles erschien seltsam bis unwirklich, kaum etwas wirkte versöhnlich. Die Frage nach einem „Warum“ begleitete die Handlung vom Anfang bis zum Schluss.Und doch hätte man sich fast gewünscht, dass es irgendwie noch weitergehen möchte. Vielleicht gerade deshalb.

Hier finden Sie alle „Tatort“-Blitzkritiken.

Uwe Nesemann

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