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Tatort-Blitzkritik Polizistin auf Rachefeldzug: Fast alles ganz normal
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21:52 10.06.2019
Eine Kritik von Michael Berger. Quelle: hfr
Lübeck/Köln

Endlich mal wieder ein normaler Krimi am Sonntagabend. Der „Tatort: Kaputt“ von Regisseurin Christine Hartmann und Drehbuchautor Rainer Butt versucht erst gar nicht, außergewöhnliche Personen in außergewöhnliche Geschichten zu verwickeln. Da sind die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), durchschnittliche, wenig neurotische Männer. Beide sind schlecht gelaunt angesichts des Falles – ein Streifenpolizist wurde in einem Einfamilienhaus erschlagen, seine Kollegin verletzt –, beide sind auch leicht erregbar, weil sie in Polizistenkreisen herumstochern müssen. Dann ist da ihr Faktotum Jütte (Roland Riebeling), ein normal störrischer Beamter, der auch mal Feierabend haben will. Und zwar täglich. Und dem die Kandidatur für den Personalrat wichtiger ist als die Recherche am Telefon.

Ballauf und Schenk zaubern nicht, sie ermitteln

Freddy Schenk (Dietmar Bär, M.) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.) stehen an dem Ort, wo Kollegen in ihrer Dienststelle an den getöteten Beamten erinnern. Quelle: Thomas Kost/WDR/dpa

Ganz nebenbei wird auch noch ein prominenter Film- und Theaterschauspieler aufgeboten: Götz Schubert spielt den Dienststellenleiter Schäfer als mit allen Wassern des Rheins gewaschener Polizeiveteran – so knorrig und so normal, wie solche dem Rechtsstaat verpflichtete Figuren nun einmal sein können.

Konventionell erzählt, aber spannend bis zum Schluss

Das Kunststück des Regieteams: Obwohl der Fall konventionell erzählt wird, bleibt die Geschichte spannend. Man will einfach wissen, wie sie zu Ende gebracht wird. Wenn Ballauf am Schluss entgeistert auf dem Asphalt sitzt, hat der Film allerdings seine Bodenhaftung verloren. Die Zuspitzung, dass der Kommissar die Polizistin Sommer mit einem „finalen Rettungsschuss“, wie das im Fachjargon heißt, von einem dritten Mord abhält, gehört in eine andere Kategorie von Krimi, die nicht in Köln, sondern in der New Yorker Bronx oder in Chicago spielt, wo nach landläufiger Vorstellung nie Normalität herrscht.

Hier finden Sie alle Tatort-Blitzkritiken.

Michael Berger

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