Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Tatort-Blitzkritik Das passt zur Ibiza-Affäre: Politiker mit Dreck am Stecken
Mehr Blogs Tatort-Blitzkritik Das passt zur Ibiza-Affäre: Politiker mit Dreck am Stecken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:42 02.06.2019
Eine Rezension von unserem in Wien lebenden Autor Uwe Nesemann. Quelle: dpa/LN
Lübeck/Wien

Honi soit qui mal y pense (zu deutsch: beschämt sei, wer schlecht darüber denkt): Da kauert die politische Elite Österreichs im richtigen Leben noch angeschlagen in der Ecke und leckt sich die Wunden, die das Ibiza-Video geschlagen hat, und just in dem Moment präsentiert der ORF eine Tatort-Folge, in der erneut ein zwielichtiger Spitzenpolitiker ordentlich Dreck am Stecken hat. Das ist natürlich Zufall, hat aber in diesen turbulenten Tagen hat halt alles rund um die Hofburg und das Parlament ein Geschmäckle.

Das Drehbuch kann sich sehen lassen

Dabei war „Glück allein“ für sich gesehen eigentlich eine durchaus gelungene Produktion, vielleicht sogar ein kleines Highlight. Die Episode hatte alles, was es für einen guten „Tatort“ braucht. Das Drehbuch konnte sich sehen lassen, spannend, verwirrend und mit kleinen Sticheleien gegen jene gespickt, die an den Hebeln der Macht sitzen. Eine exzellente Kamera-Führung, gelungene Regie und Dialoge, die mal ernst, mal heiter und oft nur allzu menschlich waren. („Ich nehme auf keinen Fall Nikotin-Pflaster. das juckt erbärmlich. Und schaut auch deppert aus.“)

Cornelius Obonya als Fiesling mit schwerer Psychose

Last but not least: Wie gewohnt herausragende Darsteller, wie so oft bediente sich der ORF auch diesmal bei der ersten Garde seiner Schauspieler, allen voran Cornelius Obonya als Nationalratsabgeordneter Raoul Ladurner. Der Enkel von Paula Wessely und Attila Hörbiger zählt nicht umsonst zur Elite unter Österreichs Mimen, jahrelang spielte er den Jedermann bei den Salzburger Festspielen, und auch in diesem „Tatort“ wusste er als Fiesling mit schwerer Psychose zu überzeugen.

Sturm auf den Dienstwagen einer Prostituierten: Kommissar Manfred Schimpf (Thomas Stipsits, vorn links) und seine Kollegin Julia Soraperra (Gerti Drassl), vorn rechts sowie das Ermittler-Duo Bibi Fellner (Adele Neuhauser, 2.v.r) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer, r) in einer Szene aus «Tatort: Glück allein». Quelle: Hubert Mican/ARD Degeto/ORF/dpa

Das SEK stürmt das Wohnmobil einer Prostituierten

Der einzige kleine Wermutstropfen, wenn man denn überhaupt einen finden will: Die Szene, in der die Polizei mit großen SEK-Aufgebot das Wohnmobil einer Prostituierten auf der Donauinsel stürmt, wirkte doch etwas überzogen. Für derlei Operationen genügen in der Realität ein paar Zivilbeamte, dafür braucht man keine Kavallerie. Nicht mal in Wien.

Hier geht’s zu allen „Tatort“-Blitzkritiken.

Uwe Nesemann

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Tatort-Blitzkritik Tatort-Blitzkritik Nr. 316 „Die ewige Welle“ (München) - Wieder im Bett mit der Liebe von damals

Es ist ein eher leiser „Tatort“, der ohne Knalleffekte auskommt. Die Tragödie eines Menschen, der sich an seinen Jugendtraum vom Leben ohne Zwänge krallt – und an der brutalen Wirklichkeit zugrunde geht.

26.05.2019
Tatort-Blitzkritik Tatort-Blitzkritik Nr. 315 „Anne und der Tod“ (Stuttgart) - Die Mordverdächtige macht die Zuschauer zu Komplizen

Die Kommissare treten in den Hintergrund. Die Rolle der Altenpflegerin wird glänzend gespielt, meint unser Kritiker. Er fragt sich, wann der SWR den umweltschädlichen Porsche des Kommissars stilllegt.

19.05.2019
Tatort-Blitzkritik Tatort-Blitzkritik Nr. 314: „Das Monster von Kassel“ (Frankfurt) - Dieser Tatort war unglaubwürdig

Mit Schockbildern jenseits der Schmerzgrenze wartet dieser „Tatort“ auf. Auch starke Schauspieler können nicht über die schwache Handlung hinweghelfen, findet unser Autor.

12.05.2019