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Gesundheit Im Namen der Wissenschaft: Zum Check in die Kieler Uni
Mehr Gesundheit Im Namen der Wissenschaft: Zum Check in die Kieler Uni
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21:10 11.06.2015
Prof. Dr. Wolfgang Lieb.
Kiel

Tausende von Schleswig-Holsteinern bekommen in diesen Wochen und Monaten mit der Post die Einladung, an der „Nationalen Kohorte“ (Nako) teilzunehmen. Unter dem wohl eher abschreckenden Begriff verbirgt sich die größte Gesundheitsstudie, die es je in der Bundesrepublik gegeben hat. 200000 Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 69 Jahren sollen sich beteiligen. Die Probanden werden nach einem Zufallsprinzip von Einwohnermeldeämtern ausgesucht. Die Teilnahme ist freiwillig. Sie verlangt vor allem eines: Man muss Zeit mitbringen.

10000 Schleswig-Holsteiner, vornehmlich aus der Umgebung von Kiel, sollen sich auf Herz und Nieren — und nicht nur darauf — durchchecken lassen. „Die ersten 700 Schleswig-Holsteiner sind untersucht“, berichtet Studienärztin Marie Tempel von der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel, die neben 17 weiteren Studienzentren für Schleswig-Holstein federführend ist. Mit der Rücklaufquote beim ersten Schub der angeschriebenen Bürger ist man dort wenig zufrieden. Sie liegt unter 20 Prozent. „Es könnten mehr sein. Wir freuen uns über jeden, der mitmacht“, wirbt Wolfgang Lieb, Leiter des Instituts für Epidemiologie, für eine höhere Akzeptanz. Dabei liefert die Langzeitstudie den Teilnehmern unentgeltlich wissenschaftlich exakte Ergebnisse über ihren Gesundheitszustand. „Stellen wir erhöhte Werte bei Probanden fest, werden diese unverzüglich darüber informiert“, erläutert Tempel. „Der Erfolg der Studie hängt maßgeblich von einer hohen Teilnahmebereitschaft ab“, trommelt Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) dafür, eine Einladung zur „Nationalen Kohorte“ nicht gleich ins Altpapier wandern zu lassen. Die Ergebnisse leisteten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit aller. Ziel der Studie: herauszufinden, woher die großen Volkskrankheiten kommen, Krebs zum Beispiel, Alzheimer oder Diabetes. Am Ende steht eine gigantische Datenbank.

Los geht‘s für die Teilnehmer der Studie mit einem kurzen Gespräch, in dem sie über ihre Lebens- und Krankheitsgeschichte berichten. Danach werden Blut- und Urinproben abgegeben. Zu den Untersuchungen gehören auch Seh- und Hörtests. Auch die Zähne werden inspiziert. Tests zum Gedächtnis und anderen kognitiven Fähigkeiten schließen sich an. Aufwand: rund drei Stunden. Die Probanden erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung von zehn Euro. „Außerdem gibt es am Büfett etwas zu essen“, wirbt Uni-Professor Lieb.

Im weiteren Verlauf müssen die Teilnehmer regelmäßig online ein Ernährungsprotokoll ausführen. Nach fünf Jahren werden die Untersuchungen wiederholt und mit den alten Proben abgeglichen.

Angeschrieben werden Bürger aus dem Großraum Kiel. „Wir wollen ausdrücklich auch die Landbevölkerung erfassen“, sagt Epidemiologe Lieb.

„Wir sind nicht vollständig glücklich, was die Sammlung hochsensibler Daten angeht“, sagt Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert, „akzeptieren das laufende Verfahren aber.“ Eine hinreichende Pseudonymisierung der Teilnehmer, die Vertraulichkeit der Daten und ihre Zweckgebundenheit ausschließlich zu Forschungszwecken müsse gewährleistet sein. Weichert hatte lange für Nachjustierungen an der „Nationalen Kohorte“ gekämpft. Eine kommerzielle Auswertung der Daten, wie einmal vorgesehen, sei vom Tisch. „Das wären Vertraulichkeitsverletzungen gewesen, die das System hätten zusammenbrechen lassen.“ Curd Tönnemann

LN