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Gesundheit Rollator: Der richtige Umgang will geübt sein
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07:30 11.09.2019
Der Rollator ist Ende der 1970er Jahre erfunden worden. Heute sind in Deutschland bereits drei Millionen Rollatoren im Einsatz, die Tendenz ist steigend. Quelle: imago images / photothek

Schätzungen zufolge sind in Deutschland bereits drei Millionen Rollatoren im Einsatz, die Tendenz ist steigend. Dass die Gehwagen heute so allgegenwärtig sind, hat Vorteile: „Rollatoren sind nicht mehr mit einem Stigma behaftet“, sagt Joachim Dung von der Deutschen Seniorenliga. Manche Mediziner warnen aber davor, die Hilfsmittel vorschnell und unkritisch einzusetzen.

Erfunden wurde der Rollator Ende der 1970er Jahre von der schwedischen Sozialwissenschaftlerin Aina Wifalk. Sie litt in Folge von Kinderlähmung an einer Gehbehinderung und fand die damaligen Gehhilfen so unbefriedigend, dass sie selbst Hand anlegte. Inzwischen gibt es ein großes Angebot verschiedenster Modelle, sogar solche mit zusätzlichem Elektroantrieb sind auf dem Markt. „Grundsätzlich sind Rollatoren eine gute Sache, da dadurch die Mobilität erhalten bleibt. Die richtige Nutzung ist aber das A und O“, betont Dung.

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Rollator-Anschaffung erst nach Rücksprache mit Arzt

Einen Rollator sollte man nicht auf eigene Faust anschaffen, sondern erst nach Beratung durch den Arzt. Nicht immer ist dieses Hilfsmittel die richtige Wahl. So können zum Beispiel Menschen, die auf längere Sicht unsicher beim Gehen sind, davon profitieren. Sind sie aber – zum Beispiel nach längerem Liegen - sehr geschwächt, bietet ihnen der Wagen zu wenig Stabilität. Dann kann ein Gehbock sinnvoller sein. In anderen Fällen – etwa nach einer Hüftoperation – benötigen Patienten möglicherweise bloß für kurze Zeit eine Gehhilfe. „Nur wer einen Rollator braucht, sollte ihn benutzen. Denn wer sich zu früh daran gewöhnt und daher bestimmte Fähigkeiten wie das Gleichgewicht nicht ausreichend trainiert, kann dies möglicherweise durch den Gebrauch des Rollators verlieren“, heißt es in dem Ratgeber „Rollator“ des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP).

Rudolf Siegert von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie hält diese Befürchtungen für unbegründet. „Das Gleichgewicht wird dadurch trainiert, dass man sich bewegt“, sagt er. Da der Rollator es Menschen ermögliche, längere Strecken zu gehen, trage er zur Schulung des Gleichgewichts bei. „Auf der Straße sehe ich allerdings schon manchmal Menschen, bei denen ich mich frage: Brauchen sie den Rollator wirklich?“, berichtet der Experte für mobile geriatrische Rehabilitation. „Aber man muss mit Urteilen vorsichtig sein, da man die Patientengeschichte nicht kennt.“ Seiner Erfahrung nach sei es auch nicht so, dass Patienten vorschnell einen Gehwagen haben wollten: „Vielmehr muss man sie oft motivieren. Viele schrecken vor Rollatoren zurück, weil sie befürchten, damit als alt und gebrechlich abgestempelt zu werden.“

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Rollator: Gehen sollte geübt sein

Für alte Menschen, die auf längere Sicht deutliche Gangunsicherheiten haben, haben Rollatoren Siegert zufolge viele Vorteile. „Dadurch, dass sie die Gehfähigkeit erhalten, ermöglichen sie körperliches Training. Und davon profitieren sowohl der gesamte Bewegungsapparat, als auch Kreislauf, Herz und Lunge.“ Zudem verringerten die Gehhilfen das Sturzrisiko und sorgten für mehr Mobilität. „Wichtig ist aber, dass man das richtige Rollator-Modell wählt und dieses auch richtig benutzt“, erklärt Siegert. Ebendas ist ein kritischer Punkt: Der Rollator werde oft „völlig falsch“ verwendet, bemängelt Klaus-Michael Braumann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. „Die meisten Leute gehen vornübergebeugt und schieben den Rollator vor sich her anstatt aufrecht dicht an dem Gerät zu gehen. Das bedeutet eine starke Belastung für die Wirbelsäule, was längerfristig zu Schmerzen führt.“ Wichtig ist nämlich, den Rollator nah am Körper zu führen und nicht wie einen Einkaufswagen vor sich herzuschieben. „Der Körperschwerpunkt sollte sich senkrecht über dem Becken befinden“, sagt Braumann. Da Rollatoren eine unphysiologische Haltung geradezu provozierten, seien sie oftmals kontraproduktiv. „Trotzdem ist es natürlich besser, wenn Menschen mit Rollator gehen, als dass sie sich gar nicht bewegen“, räumt er ein. In jedem Fall sollte das Gehen mit diesem Hilfsmittel aber unter fachkundiger Anleitung geübt werden.

Beim Rollator-Kauf gibt es einiges zu beachten

Auch andere Experten halten ein solches Training für wichtig. „Wenn der Arzt den Rollator verordnet, sollte er auch ein Rezept für eine Physio- oder Ergotherapie ausstellen, damit Sie eine fachgerechte und individuelle Einweisung erhalten“, heißt es dazu im ZQP-Ratgeber. Wer das Gerät in der Klinik bekommt, wird von den Therapeuten dort geschult. Dazu gehört unter anderem, dass der Rollator eingestellt, der Umgang damit geübt und das Gehen trainiert wird. Aber wie findet man angesichts der großen Auswahl das passende Modell? „Grundsätzlich raten wir von Billig-Rollatoren aus dem Discounter oder gar aus dem Internet ab“, betont Dung. Stattdessen empfiehlt er, sich im Fachhandel beraten zu lassen. Es gilt nämlich viele Faktoren zu berücksichtigen: Neben der Körpergröße und der Beweglichkeit des Patienten kommt es darauf an, wo und wie der Rollator eingesetzt werden soll. Je nachdem, ob er für Straße oder Wohnung gedacht ist, empfehlen sich unterschiedliche Modelle. Siegert sagt: „Ganz entscheidend ist, dass die Bremsen gut funktionieren und dass man mit ihnen auch umgehen kann.“ Sonst könnte es zu Stürzen kommen. Er fügt hinzu: „Ich kenne aber keinen Patienten, der mit seinem Rollator gestürzt wäre.“

Rollator: Darauf kommt es an

  • Auswahl: Bevor man sich für ein Modell entscheidet, sollte man sich gut beraten lassen. Wichtig sind Fragen wie: Ist der Rollator nur für draußen gedacht oder auch für die Wohnung? Will man ihn transportieren? Möchte man damit einkaufen? Sich ab und zu darauf ausruhen? Kleine Räder sind zwar wendiger, größere Räder mit griffigem Profil erleichtern aber das Gehen auf unebenem Boden.
  • Kosten: Verschreibt der Arzt einen Rollator als Hilfsmittel, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten für ein Standardmodell. Meist kann man auch eine teurere Ausführung wählen, muss den Aufpreis aber selbst zahlen. Es ist ratsam, sich vorher bei der Krankenkasse nach den Konditionen zu erkundigen. Die Preise für Neuanschaffungen variieren stark: Sie liegen ungefähr zwischen 50 und 600 Euro.
  • Einstellung: Wenn die Arme gerade herabhängen, sollten sich die Griffe etwa auf Höhe der Handgelenke befinden. Steht man zwischen den Hinterrädern und fasst die Griffe, sollten die Ellbogen leicht gebeugt sein. Außerdem: Bremsen testen!
  • Körperhaltung: Ein möglichst aufrechter Gang ist wichtig, um Rückenprobleme zu vermeiden. Man sollte daher nicht hinter, sondern im Rollator laufen. Die Füße sind also auf einer Höhe mit den Hinterrädern.
  • Training: Die richtige Gehweise sollte man gezielt üben. Eine fachkundige Anleitung können Ergo- oder Physiotherapeuten geben. Daneben bieten Verkehrswachten, Verkehsbetriebe, Gemeinden und Vereine gelegentlich Aktionstage an, bei denen man das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben kann.

Von Angela Stoll/RND

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