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17:05 28.05.2019
Hochbau-Vorarbeiter Dimitri Reiswich (34, li.) mit Azubi Paul Rosenau (22) von Gollan auf der Baustelle Lübscher Mühlenberg in Neustadt. Quelle: Nina Gottschalk
Neustadt

Neustadt. Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend Nachwuchs. Ausbildungen in diesen Bereichen scheinen bei jungen Leuten immer weniger gefragt zu sein. „Die Motivation, sich die Hände schmutzig zu machen, ist nicht besonders hoch“, sagt Thore Oldach, Betriebsleiter bei der Firma Gollan. Der gelernte Maurer kann das nicht verstehen. „Als Handwerker kann ich mir alleine mein eigenes Haus bauen.“ Okay, nicht ganz alleine. Auf der Baustelle am Lübschen Mühlenberg arbeiten mehrere Gewerke zusammen: Tiefbauer, Hochbauer, Tischler und Zimmerer – quasi von unten nach oben.

Auf der Baustelle Lübscher Mühlenberg in Neustadt arbeiten alle Baugewerke zusammen, um ein Wohngebiet entstehen zu lassen. MADS hat die Handwerker besucht.

Neues Zuhause für 2000 Menschen

Wo vor ein paar Jahren noch ein Feld war, ist wie von Geisterhand eine richtige Siedlung entstanden. 200 verschiedenfarbige Häuser, sowohl Ein- als auch Mehrfamilienhäuser sind hier am Ostring – überwiegend von der Firma Gollan – gebaut worden. Nach Ende des 3. Bauabschnittes werden hier rund 2000 Menschen ein neues Zuhause gefunden haben. Geplant ist, noch weitere 32 Hektar zu bebauen.

Geister sind es allerdings nicht, die hier am Werke sind. An einem der Einfamilienhäuser am Rand des zweiten Bauabschnittes herrscht emsiges Treiben. Klopfen und Hämmern ist zu hören, eine Säge, dazu Rufe, dann ein Lachen. Hier stehen schon die Wände, der Dachstuhl ist bereits aufgestellt. Das Haus ist in Teilen eingerüstet. Vor dem Rohbau steht ein Bagger. Mit dessen Hilfe wurde das Fundament ausgehoben. Daneben liegen noch einige Pakete mit Kalksandsteinen. Seit acht Wochen wird hier gewerkelt, rund ein halbes Jahr braucht eine solche Wohneinheit bis zur Fertigstellung, erklärt Thore Oldach. Er ist vor allem für die technischen Abläufe und deren Koordination zuständig.

Hinter den Häusern liegen sattgrüne Wiesen mit hohen Bäumen darauf, etwas weiter weg sind Felder und ein Ausguck zu sehen.

Tief- und Hochbau

Die Arbeit der Tiefbauer ist fast nicht mehr zu sehen und doch der Grundstein für den Hausbau. Geselle Patrick Hardt (24) und Azubi Jens-Julian Jensen (23) haben den Boden „ausgekoffert“ und eine Kiessandplatte gelegt. Außerdem sind sie für die Pflasterarbeiten zuständig und haben die Rohre für die Abwasserleitungen gelegt.

Die Dämmung der Wände ist Aufgabe des Hochbaus. Spezielle Auflagen müssen dabei beachtet werden. Paul Rosenau, der im 2. Jahr bei Gollan lernt, fachsimpelt mit seinem Vorgesetzten. „Die Trennwände sind zweimal 17,5 Zentimeter dick und bieten damit gleichzeitig Schallschutz“, sagt der 22-Jährige. Die größte Herausforderung sei es für ihn jedoch gewesen, die große Sohle zu glätten – die Betonplatte über den Fundamenten. Das Gerät dafür heißt „Patsche“.

Lernen von Grund auf

Immer zwei bis drei Personen aus einem Bereich bilden ein Team. Meist sind ein Altgeselle, ein Junggeselle und ein Auszubildender dabei. „Die Azubis machen alles mit, so lernen sie alles von Grund auf“, sagt Tischler Marcel Fröbisch (39). Und das manchmal fast unbemerkt. „Man kriegt so im Alltag oft gar nicht mit, was man alles schon kann“, sagt sein Azubi Lars Schubert. „Das kriegt man dann erst in der Retrospektive mit, wenn man sieht, was man geschafft hat“, erzählt der 23-Jährige. Das Duo macht sich an den unteren Fenstern gerade daran, die Flügel einzusetzen. Sie müssen den Rahmen so vorbereiten, dass alles ganz dicht abschließt. Lars Schubert findet es gut, dass ihm alles gezeigt werde und er so selbstständig arbeiten lerne. Dass die Fenster, Schall und Wärme im Raum lassen, die Rahmen im Lot und waagerecht eingebaut werden müssten.

Vier Gewerke auf einer Baustelle

Bis zu 15 Leute aus vier Gewerken sind es, die gleichzeitig an einem Projekt beteiligt sind. Hin und wieder müssen sie aufpassen, sich nicht in die Quere zu kommen. „Die Zimmerer stehen immer im Weg“, Hochbau-Vorarbeiter Dimitri Reiswich (34) lacht seinen Kollegen zu. Die grinsen gutmütig zurück. Die Tischler dagegen witzeln, dass die Tiefbauer immer weggeschickt werden. „Das ist das typische Konkurrenzdenken und ist im Grunde dem Termindruck geschuldet“, sagt Fröbisch. Wenn sie mit den Fenstern kämen, stünde das Gerüst noch im Weg.

Tatsächlich können die Hochbauer gerade nicht an die oberen Wände, weil dort die Zimmerer damit beschäftigt sind, die Konterlatten am Dachstuhl anzubringen. Die Balken werden ausgemessen, Schwellen werden verlegt und die Gebinde im Dreieck zusammengestellt, so dass der Dachstuhl ausgerichtet werden kann. „Darauf werden dann später von den Dachdeckern die Dachpfannen aufgebracht“, sagt Henning Paulsen.

Die Atmosphäre ist locker und freundschaftlich. „Viele der heutigen Gesellen oder Meister haben hier gelernt und arbeiten schon jahrelang bei uns – und miteinander“, erklärt Thore Oldach. „Da kennt man sich eben.“ Nicht selten würden sich Azubi und Ex-Azubi in einem Team wiederfinden. Und schon wird weiter geklopft, gehämmert und gescherzt. Bis ein weiteres Haus fertig ist. Und damit ein weiteres Zuhause.

Bei der Gollan Unternehmensgruppekönnen junge Leute im Baubereich folgende Berufe erlernen: Tiefbauer, Maurer, Betonbauer (beides zählt zum Hochbau), Zimmermann, Tischler und Bauzeichner.

Nina Gottschalk

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