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MADS Protest der Landwirte: Tausende Traktoren auf den Straßen Berlins
Mehr MADS Protest der Landwirte: Tausende Traktoren auf den Straßen Berlins
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08:00 11.12.2019
Ende November in Berlin: Zahlreiche Trecker stehen bei einer Protestaktion von Bauern auf der Straße vor der Siegessäule. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Berlin/Mölln

Die Berliner Straßen sind überfüllt. Trecker, soweit das Auge reicht. Keiner kommt mehr voran. Die etwa 8 600 Traktoren behindern jeglichen Verkehr. Alle haben ein Ziel: das Brandenburger Tor. Denn dort fand am Dienstag, 26. November, die Demonstration der Bewegung „Land schafft Verbindung“ statt, zu der etwa 40 000 Landwirte erschienen.

 Die Bewegung ist eine Verbindung aus Bauern und Unternehmen, die auf folgende Probleme aufmerksam machen wollen: Viele Landwirte fühlen sich zum Beispiel durch weitere Verschärfungen der Düngeverordnung in ihren Existenzen bedroht – so soll der Düngereinsatz in Gebieten mit zu viel Nitrat im Grundwasser um 20 Prozent reduziert werden. Brotweizen wird laut Initiative „Land schafft Verbindung“ unter diesen Bedingungen in den betroffenen Regionen nicht mehr zu produzieren sein, weil Brotbackqualitäten nur durch höheren Düngereinsatz garantiert werden können. Problematisch wird es auch – vor allem für kleinere Betriebe – durch die vorgesehene Reduzierung, die gesamte Gülle der auf dem Hof lebenden Tiere als Dünger auf dem Feld ausbringen zu können.

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Agrarpaket 2023 macht Bauern große Sorgen

Ein weiterer Grund für die Bauern, auf die Straße zu gehen, ist das Agrarpaket, welches ab 2023 den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat verbieten soll. Auch insektenschädliche Pflanzenschutzmittel sollen in Schutzgebieten nicht mehr verwendet werden dürfen. Das werde dazu führen, dass die Landwirte keinen Raps mehr anbauen könnten, weil der Rapsglanzkäfer und andere Insekten die Pflanzen auffressen würden.

Für diese neue Regelung sind unter anderem die Bundesagrarministerin Julia Klöckner sowie die Bundesumweltministerin Svenja Schulze verantwortlich, die beide bei der Demonstration eine Rede hielten.

Landwirte: Svenja Schulze ging nicht auf unsere Bedürfnisse ein

Ministerin Klöckner zeigte großes Verständnis für die Nöte der Bauern, betonte aber auch, dass Landwirte und die Gesellschaft sich gemeinsam den neuen Herausforderungen stellen müssten. Die sehr kurze Rede von Schulze empfanden die Landwirte dagegen als distanziert, kühl und überheblich. Viele äußerten, sie sei nicht auf die Bauern eingegangen, so wie sie es sich gewünscht hätten, obwohl alle Landwirte ihr still und leise zugehört hätten. „Ausgebuht wurde sie erst am Ende ihrer Rede, als klar wurde, dass sie keinen Schritt auf uns zu gehen will“, sagte der lauenburgische Landwirt Torben Hamester.

Die Rede von Ministerin Svenja Schulze (r.) empfanden viele Landwirte als distanziert. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Damit ist Hamester nicht allein. Viele der Demonstranten erzählen, dass sie sich oftmals nicht wahrgenommen und verstanden fühlen. Hubertus Schulz aus Qualitz sagte zum Beispiel, er erhoffe sich von dem Protest, von den Politikern irgendwann gehört zu werden: „Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr sachlich fundierte, nicht ideologische Entscheidungen getroffen werden und die Medien objektiver über die Landwirtschaft berichten.“

Bevölkerung über Höfesterben aufklären

Das Thema ist für viele Landwirte nach dieser Demonstration noch nicht abgeschlossen. Die von vielen kritisierte Rede der Bundesumweltministerin war für sie Provokation und Aufruf zugleich. Man wolle noch mehr mit der übrigen Bevölkerung ins Gespräch kommen, um über Nöte und Zwänge in der Landwirtschaft aufzuklären. Auch die Auswirkungen eines Höfesterbens auf die Verbraucher müssten deutlicher gemacht werden. Dem Motto der Initiative „Land schafft Verbindung“ folgend, planen die Landwirte in der nahen Zukunft, immer wieder Menschen an einen Tisch zu fachlich fundierten und sachlichen Diskussionen zu bitten.

Von Lisa, Sverre, Vincent und Bjarne aus der 8d des Marion-Dönhoff-Gymnasiums Mölln