Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kommentar Griff nach dem letzten Strohhalm
Mehr Meinung Kommentar Griff nach dem letzten Strohhalm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:35 27.04.2014
Von Kai Dordowsky

Zwei Mal sind private Betreiber gescheitert, das Unternehmen ist pleite, die Mitarbeiter sind seit zwölf Tagen ohne Geld, es gibt nur noch eine Handvoll Flugziele und es ist ein gigantischer Imageschaden entstanden — was spricht da für‘s Weitermachen? Doch nach einer Woche mit Not-Geschäftsführer, Insolvenzantrag und staatsanwaltschaftlicher Vorprüfung wegen Insolvenzverschleppung stellt sich die neue Führung hin und redet von einer neuen Ära und dass man in fünf Jahren schwarze Zahlen schreiben könnte.

Das hat man schon so oft gehört und es hat sich als Irrtum herausgestellt. Gleichwohl: Was sollen ein Insolvenzverwalter und ein Not-Geschäftsführer mit der Verantwortung für rund 100 Beschäftigte machen? Sie greifen natürlich nach jedem Strohhalm und machen gut Wetter in der Hoffnung, dass irgend jemand den Laden übernimmt. Wer aber soll das sein? Wer bindet sich ein Unternehmen ans Bein, das Jahr für Jahr 6,3 Millionen Euro Miese macht und dessen Geschäftsmodell sich ohne Subventionen einfach nicht rechnet?

Das letzte, europaweite Bieterverfahren hat gezeigt, dass es ein paar Interessenten gibt. Die aber wollen Geld von der Stadt und nicht zu wenig. Der einzige, der viel Geld mitzubringen versprach, hat sich aus dem Staub gemacht. Das Land hat unmissverständlich klar gemacht, dass es in den Betrieb von Flughäfen keinen Cent investiert.

Das gleiche Signal kommt von der Stadt. Die hat den Airport verkauft, weil sie ihn sich nicht mehr leisten konnte. Selbst die glühendsten Verfechter des Airports sagen zu Recht, dass es nicht mehr Aufgabe der finanziell ausgebluteten Kommune sein kann, hier Geld hineinzustecken. Anderswo betreibt die regionale Wirtschaft den Flughafen. In Lübeck sind die Unternehmen über Lippenbekenntnisse nicht hinausgekommen.

Anfang dieser Woche nehmen Insolvenzverwalter und Not-Geschäftsführer Gespräche mit Interessenten auf. Man möchte ihnen im Sinne der Arbeitsplätze viel Glück wünschen. Realistisch ist das Unterfangen nicht.

Von Kai Dordowsky