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22:18 03.12.2015

Der Schnee fiel in dichten Flocken zur Erde herab, die Soldaten, die den Sarg trugen, waren in blaue Wintermäntel mit goldgelben Kordeln gehüllt, es erklang schwere Musik. Die Beisetzung des russischen Kampfjet-Piloten Oleg Peschkow am Mittwoch in Lipezk, gut 400 Kilometer von Moskau entfernt, erinnerte in der Art der Inszenierung an das alte Zarenreich, an „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi.

Doch wir sind (leider) nicht im großen Roman der Weltliteratur, sondern in einem Konflikt mit weltpolitischem Atem: Daran ließ Russlands Präsident Wladimir Putin keinen Zweifel, als er gestern in Moskau seine Rede an die Nation hielt und die Türkei wissen ließ, sie werde den Abschuss der russischen Maschine vom 24. November bitter bereuen: „Vielleicht weiß nur Allah, warum sie das gemacht haben. Allah beschloss, die regierende Clique in der Türkei zu bestrafen, und hat sie um den Verstand gebracht.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirkte noch ganz gut bei Sinnen, als er gestern in Katar eine Ehrendoktorwürde entgegennahm. Aber es dürfte ihm nicht nur einmal leid getan haben, dass seine F-16-Jets den russischen Flieger vom Himmel holten. Auch wenn die Russen über türkischen Luftraum geflogen sein sollten, war es völlig überzogen, sie abzuschießen.

In Syriens Luftraum, in den nun auch noch deutsche Tornados entsendet werden, tummeln sich schon 14 Luftstreitkräfte. Unter ihnen Israel, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Damit man nicht versehentlich ins Kreuzfeuer gerät, hat Tel Aviv eine Hotline nach Moskau eingerichtet.

Man kann ja miteinander reden, und eigentlich liegen Putin und Erdogan in ihren Ansichten, wie man einen Staat lenken muss, gar nicht so weit auseinander. Dem Türken wird vom Westen meist nur mehr nachgesehen — die Verfolgung der Kurden, die Inhaftierung von Journalisten, die Unterdrückung der Opposition.

Im Fall des abgeschossenen russischen Kampfjets prallen zwei starke Machthaber aufeinander. Man kann nur hoffen, dass sie nicht die Nerven verlieren. Aus Sicht der Russen geht es nicht nur um einen toten Soldaten, sondern um die Demütigung eines großen Landes, das sich gerade mit Weltmachtambitionen im globalen Spiel unserer Zeit zurückmeldet. Putin ließ gestern offen, wie Moskaus Antwort auf die erlittene Schmach genau aussehen wird, aber die Formulierung der „Mord“ werde nicht „mit Tomaten ... quitt zu machen“ sein, deutet darauf hin, dass es nicht bei Handelssanktionen bleibt.

Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu sprach von „sowjetischer Propagandamaschinerie“ und „Lügen“. Der Abschuss ist ein Fakt. Und die schmutzigen Ölgeschäfte der Terrormiliz IS via türkische Grenze werden von westlichen Militärs, Wissenschaftlern und Politikern zumindest nicht mehr ausgeschlossen . . .

LN