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Studium und Beruf Geisteswissenschaftler auf Jobsuche
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09:06 26.02.2018
Der Abschluss ist da. Und jetzt? Für Geisteswissenschaftler ist die Jobsuche oft schwierig - aber alles andere als unmöglich.
Der Abschluss ist da. Und jetzt? Für Geisteswissenschaftler ist die Jobsuche oft schwierig - aber alles andere als unmöglich. Quelle: Julian Stratenschulte

Nürnberg (dpa/tmn) – Wer durch das Treppenhaus der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen geht, passiert auf dem Weg eine Pinnwand, über der ein gelbes Schild hängt. „Später mal Taxifahrer“ ist darauf zu lesen. Aufgehängt hat dieses Schild die Fachschaftsinitiative der Politologen.

Die Initiative greift damit ein Dilemma auf, in dem viele Geisteswissenschaftler stecken: Sie können mit ihrem Studiengang beruflich alles Mögliche machen - wissen aber oft nicht, was.

Um diese Unsicherheit ins Positive zu wenden, ist vor allem seit der Bologna-Reform Anfang der 2000er Jahre immer wieder die Rede von Geisteswissenschaftlern als „Generalisten“. Sie sollen dank vielfältiger Fähigkeiten gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Geisteswissenschaftler

„Es gibt Schwerpunkte, wo sich Geisteswissenschaftler tummeln“, weiß auch Maria Kräuter, die vor einigen Jahren für das Institut für Arbeitsmarktforschung in Nürnberg das Thema untersucht hat. Das seien unter anderem der Medien- und Kulturbereich, Personalabteilungen, Verbände und Beratungs- oder Coachingstellen.

Den Begriff des Generalisten findet Kräuter, die inzwischen als Beraterin und Coach arbeitet, allerdings problematisch. „Geisteswissenschaftler haben viele Fähigkeiten, und zwar nicht nur Soft Skills, sondern echte Skills.“ So sieht das auch Mareike Menne, Beraterin und Buchautorin: „Die Idee, Geisteswissenschaftler seien Generalisten, entstand vermutlich aus der Not heraus, definieren zu müssen, worin die Transferfähigkeit geisteswissenschaftlicher Studiengänge liegt.“

Dabei entstehe schnell der Eindruck der Beliebigkeit. „Es gibt Geisteswissenschaftler, für die das gilt, die gut und schnell lernen und anpassungsfähig sind“, sagt Menne. Aber genau wie in anderen Zweigen gebe es auch hier Spezialisten. „Hochspezialisierte Absolventen haben es schwerer als Gesellschaftswissenschaftler oder Politologen“, beobachtet Susanne Wenzl, Arbeitsvermittlerin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur in Wiesbaden.

Geisteswissenschaftler

Umso wichtiger ist es, diese Fähigkeiten zu kennen und hervorzuheben. Dann müsse man auch nicht hundertprozentig auf eine Stellenausschreibung passen, sagt Wenzl. Wer seine Chancen erhöhen will, sollte über Zusatzqualifikation wie Fremdsprachen- und Softwarekenntnisse oder betriebswirtschaftliche Grundlagen verfügen.

Also doch wieder spezialisieren? In gewissem Sinne ja – zumindest, was die Zusatzqualifikationen angeht. „Die meisten Geisteswissenschaftler, die ein Problem mit dem Berufseinstieg haben, wollen sich zu viele Türen offenlassen“, sagt Menne. Sie rät zum Beispiel, zwischen sogenannten Orientierungs- und strategischen Praktika zu unterscheiden: „Meiner Erfahrung nach haben Studierende Probleme, wenn sie zu lange Orientierungspraktika aneinanderreihen.“

26.02.2018
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