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Digital Mann in Stuttgart getötet: Gewalt-Video auch Stunden später noch online
Nachrichten Digital Mann in Stuttgart getötet: Gewalt-Video auch Stunden später noch online
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14:19 01.08.2019
Der Tatort in Stuttgart ist mit einem Band der Polizei abgesperrt. Quelle: Sven Kohls/SDMG/dpa
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Stuttgart

Im Süden Stuttgarts wird ein Mann auf offener Straße erstochen und nur wenig später taucht ein Video von der Tat im Internet auf. In dem kurzen, 22-sekündigen Clip ist zu sehen, wie der Täter mindestens drei Mal auf sein Opfer einsticht. Das Video verbreitet sich rasch durch die sozialen Netzwerke.

Es habe sich nach der Tat in den sozialen Medien regelrecht verselbstständigt, sagt ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Auch Stunden später ist es beispielsweise noch auf Youtube zu sehen, auf Twitter wird darauf verlinkt und bei Facebook lässt sich das Video ebenfalls leicht finden. Laut Polizei wurde es auch über Whatsapp geteilt.

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Facebook und Co. haben ein Problem mit Gewaltvideos

Der Vorfall erinnert stark an das grausame Attentat in Christchurch – und zeigt abermals, wie viel Probleme es den großen sozialen Netzwerke bereitet, grausame Gewaltinhalte schnell und effektiv zu löschen. Der Christchurch-Attentäter, der im März 51 Menschen tötete, hatte seine grausame Tat in einem 17-minütigen Livestream in die Welt gesendet.

Um Gewalt-Videos aus dem Netzwerk zu entfernen, setzt Facebook derzeit auch auf künstliche Intelligenz, die zum Beispiel auch Kinderpornografie erkennen soll. Im Fall von Christchurch war sie aber nicht in der Lage, die Gewalt in dem Livestream zu erkennen und zu reagieren. So habe die Software zum Beispiel Probleme, echte Gewalt von der Übertragung von Videospiel-Szenen zu unterscheiden, erklärte das Online-Netzwerk damals.

Auch mit den zahlreichen Kopien des Videos hatte Facebook seine Mühen: Allein in den ersten 24 Stunden nach dem Attentat löschte Facebook rund 1,5 Millionen Videos. Davon wurden 1,2 Millionen beim Hochladen blockiert. Rund 300.000 Videos entwischten der Software also. Sie war zum Teil nicht in der Lage, von Nutzern neu hochgeladene Kopien des Christchurch-Videos zu entdecken, wenn etwas verändert worden war.

Internetfirmen wollen mehr gegen Gewalt und Terror unternehmen

Auf dem „Christchurch-Gipfel“ im Mai in Paris hatten Internetgiganten wie Amazon, Facebook, Twitter oder Google angekündigt, mehr konkrete Schritte gegen Terror-Inhalte im Netz zu unternehmen. So kündigte Facebook unter anderem an, in einem 7,5 Millionen Dollar teuren Forschungsprojekt gemeinsam mit Wissenschaftlern die Bilderkennung in Videoaufnahmen zu verbessern.

Lesen Sie hier:
Ist es strafbar, die Aufnahmen des Christchurch-Attentäters zu teilen?

Von RND/asu/seb