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Digital Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie auf keinen Fall Dr. Google
Nachrichten Digital Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie auf keinen Fall Dr. Google
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12:00 06.10.2019
Googlen oder nicht googlen? Bei unbestimmtem Leibreißen das Internet zu konsultieren, ist nicht ratsam. Quelle: StratfordProductions - stock.adobe.com

Angesichts eines unbestimmten Leibreißens habe ich jüngst Dr. Google konsultiert. Das war ein Fehler. Dr. Google hat sich in ärztlichen Fragen stets als untauglich erwiesen. Er hat nicht studiert, er kann eine Zyste nicht von einem Currywurstzipfel unterscheiden, aber er hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf dem Gesundheitsmarkt: Er empfängt Patienten rund um die Uhr ohne Termin. Und man muss sich noch nicht einmal eine Hose anziehen.

Gefangen in der Angsthölle

Als Hypochonder mit leichtem Hang zur Wehleidigkeit landet man beim Googlen von Krankheitssymptomen innerhalb weniger Minuten verlässlich in der Angsthölle. In einschlägigen Foren gibt es von Paranoia durchsuppte Debatten zu einfach jeder Krankheit, die die Spezies Homo Sapiens in den vergangenen 20.000 Jahren jemals befallen hat. Im Kern sind dort immer dieselben beiden Ratschläge zu holen. Der erste lautet: "Das klingt komisch, geh' mal besser zum Arzt." Der zweite lautet: "Das hatte mein Onkel auch. Du bist so gut wie tot." Noch nie in der Geschichte des Internet hat ein Mensch auch nur ein einziges Mal auf eine Frage zum Beispiel bei gutefrage.net eine vernünftige, brauchbare, von Expertise durchzogene, sinnfällige Antwort erhalten. Es heißt ja auch gutefrage.net, nicht guteantwort.net.

Was sind das für Leute, die bei gutefrage.net als Antwort schreiben: "Ich weiß auch net, müsste ich googeln"? Es sind dieselben Leute, die bei Amazonprodukten unter "Kundenfragen und -antworten" auf Fragen wie "Ist die Bratpfannenbeschichtung kratzresistent?" antworten: "Keine Ahnung, ich hab die Bratpfanne nicht".

Da gibt's nur zweierlei: Notaufnahme oder Testament

Es gibt Leute, die fühlen sich von Fragen grundsätzlich reflexhaft zum Antworten aufgefordert - selbst wenn sie nicht die geringste Ahnung von der Materie haben. Es ist wie bei Stubenfliegen: Die müssen brummen, sonst fallen sie tot von der Decke.

Mit schreckgeweiteten Augen las ich, was zum Stichwort "Bauch links drückt" zu finden war. Dr. Google ging ohne weitere Diagnostik davon aus, das in meinem geschundene Leib mindestens Magen, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse, Milz, Niere, Harnleiter und/oder Dickdarm von tödlichen Fäulnisbakterien befallen, bereits teilverrottet, vom Gift südamerikanischer Ameisen zerstört oder praktisch nicht mehr vorhanden sein müssen. Als möglich galt auch, dass sie nach ungünstigen Körperbewegungen allesamt blutig und zerrissen in meinem Rumpf herumbaumeln. Man riet mir, sofort in die Notaufnahme zu fahren oder mein Testament zu machen. Oder beides.

Leiden und googeln: Nur bei einer Geburt können Frauen ansatzweise nachvollziehen, was magenkranke Männer für Schmerzen aushalten müssen. Quelle: baranq - stock.adobe.com

Bei Google geht's immer um Leben und Tod

Männer können sehr gut leiden. Mit kranken Männern ist es wie mit Stinktierbabys: Die sind ganz niedlich, aber man will die nicht im Haus haben. Aber ich sage: Nur bei einer Geburt können Frauen ansatzweise nachvollziehen, was magenkranke Männer für Schmerzen aushalten müssen.

Es ist mir emotional nicht gegeben, mich nach einem Besuch bei Dr. Google selbst zu deeskalieren. Denn bei Dr. Google gibt es keine harmlosen Krankheiten. Es geht immer um Leben und Tod. Denn die Menschen, die sich bei Dr. Google ehrenamtlich gegenseitig in den Wahnsinn treiben, sind Menschen wie ich. Es sind Menschen, die einen roten Fleck auf dem Arm für Ellenbogenkrebs halten. Es sind Menschen, die ein Zucken im Auge als erstes Anzeichen eines Herzinfarkts deuten. Es sind Menschen, die niemals auf die Idee kämen, dass ein Mittagsschläfchen, eine Tasse Kaffee und ein frisches Blümchen auf dem Tisch ihr Problem möglicherweise schon lösen würden. Denn wir Hypochonder denken so: Wenn es nicht auszuschließen ist, dass es etwas Schlimmes ist, dann ist es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit etwas Schlimmes.

Ich einigte mich also mit mir selbst auf die Diagnose "alles kaputt", als mein Bauchleiden nach einem tonlosem Abwindevorgang plötzlich nachließ. So sehr ich auch versuchte, dem Schmerz nachzuspüren - es war vorbei. Ich bin dem Tod also noch einmal von der Schippe gesprungen.

Aber was ist das für eine komische Druckstelle am Hals?

Von Imre Grimm/RND

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