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Kultur Ian Anderson in Lübeck: Der alte Meister kann’s noch
Nachrichten Kultur Ian Anderson in Lübeck: Der alte Meister kann’s noch
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11:32 25.11.2019
Ian Anderson – hier mit Gitarrist Florian Opahle – begeistere die Fans in der Lübecker Gollan-Kulturwerft. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck

Er ist ein lebendes Relikt aus einer anderen Ära: Ian Anderson, der Gründer und Kopf von Jethro Tull, gab sich am Sonntagabend in Lübeck die Ehre. In der ausverkauften Kulturwerft Gollan präsentierte er seinen eigenen Rückblick auf nunmehr 51 Jahre (!) Jethro Tull – einer Band, die vor allem durch Andersons Flötenspiel einen ganz eigenen und unverkennbaren Klang hat und sich in all den Jahren immer wieder neu erfand.

Hits und Überraschendes von Jethro Tull

Mit vier großartigen Musikern spielte Anderson rund zwei Stunden lang viele alt-bekannte Songs –aber auch einige, die selbst wahre Tull-Fans vielleicht nicht unbedingt auf dem Zettel gehabt hätten. Zu ersteren gehörten das fantastisch interpretierte „Bourée“ (1972), ein kurzer Ausschnitt aus „Thick as a Brick“ (1972), „Too Old to Rock’n’Roll: Too Young to Die!“ (1976), „Songs from the Wood“ (1977), „Heavy Horses“ (1978) und natürlich zum Abschluss des Abends „Aqualung“ und „Locomotive Breath“ (1971). Daneben gab es unter anderem das schöne „Warm Sporran“ aus dem Album „Stormwatch“ (1979) oder ein ganz klassisches Blues-Stück aus dem ersten Album der Band „This was“ (1968), in dem Anderson, begleitet vom Gitarristen Florian Opahle, zeigte, dass er auch auf der Mundharmonika ein Meister seines Fachs ist.

Lübeck: Ian Anderson spielte Songs aus 51 Jahren Jethro Tull. Klicken Sie hier, um weitere Fotos vom Konzert zu sehen.

Ian Anderson tobte über die Bühne

Überhaupt „Meister“: Anderson ist auch mit seinen 72 Lebensjahren ein Quell der Freude auf der Bühne. Sein mitunter anarchisches Flötenspiel ist immer noch hervorragend, dann stellt der die Querflöte weg, schnallt sich die kleine Akustikgitarre um, dann wieder holt er die Mundharmonika raus und präsentiert begeisternde Blues-Riffs. Dabei nutzt er die große Bühne in der Gollan-Werft voll aus, läuft hin und her, zappelt zur Musik, gestikuliert wild, um dann immer wieder in seiner bekannten, einzigartigen typischen Pose zu verharren –auf dem rechten Bein stehend, das andere angewinkelt, die glänzende Querflöte nur mit der linken Hand spielend, den rechten Arm zur Decke gereckt. Das ist Ian Anderson, wie ihn seine Fans lieben und bejubeln.

Anekdoten und Grüße von „Ehemaligen“

Eingeleitet wurden die meisten Songs durch Anekdoten von Anderson und Video-Botschaften ehemaliger Jethro-Tull-Musiker, zum Beispiel Bassist Jeffrey Hammond-Hammond (1971–1975), Gitarrist Toni Iommi (1968, später Black Sabbath) oder Keyboarder John Evan (1970–1980). Video-Glückwünsche gab’s zudem von Joe Bonamassa und dem Guns-’N-Roses-Gitarristen Slash, der „Aqualung“ als „einen der größten Songs des Rock’n’Roll“ ankündigte. Zurecht, übrigens.

Andersons Stimme ist nicht mehr wie früher

Doch es gibt auch einen bitteren, fast traurigen Aspekt: Andersons Stimme macht nicht mehr mit. Kaum noch eine Spur von seinem druckvollen, intensiven Gesang, die viele Jethro-Tull-Songs ausgemacht haben. Mitunter tut es fast weh zu hören, wie schwer er sich tut, hohe Lagen zu erreichen. Und er weiß es selber; teils greifen Mitglieder der Band ein, teils singen, wie bei „Heavy Horses“ und „Aqualung“, andere Sänger, die per Video auf der großen Leinwand im Hintergrund eingespielt werden.

Standing Ovations für den Gründer von Jethro Tull

Trotzdem: Es war ein großartiger Abend, der perfekt in die Szenerie der Gollan-Werft passte. Am Ende gab es langen Applaus im Stehen für Anderson und seine Band (Florian Opahle aus Rosenheim an der Gitarre, der nunmehr Andersons Band verlassen wird, Scott Hammond am Schlagzeug, John O’Hara mit Gesang und Keyboards sowie David Goodier mit Bass und Gesang). Anderson ist eindeutig nicht „Too Old to Rock’n’Roll“ – und „Too Young to Die“ ist er sowieso!

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