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Kultur „Haus der Ewigkeit“: Bildband zu jüdischem Friedhof in Stockelsdorf
Nachrichten Kultur „Haus der Ewigkeit“: Bildband zu jüdischem Friedhof in Stockelsdorf
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10:30 13.08.2019
„Haus der Ewigkeit“ – so lautet der Titel des Buchs zum jüdischen Friedhof Stockelsdorf. Quelle: Doreen Dankert
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Stockelsdorf

Kaum jemand weiß, wo der jüdische Friedhof in Stockelsdorf ist. Direkt an der Segeberger Straße. Mitten im Ort. Mitten im Leben. Wie ein Kokon umgeben von einer hohen und üppig grünen Mauer aus Blättern. Kaum jemand ahnt, was sich dahinter verbirgt. „Wenn man diesen Friedhof betritt“, so beschreibt es der Stockelsdorfer Künstler René Blättermann, der das Buch kunstvoll in Szene setzt, „dann ist das so, als betritt man eine andere Welt.“

Friedhof birgt Geheimnisse

Der Friedhof selbst, auf dem fast auf den Tag genau vor 100 Jahren die letzte Beisetzung stattfand, ist kein Geheimnis. Doch er birgt Geheimnisse, die der Bildband „Haus der Ewigkeit“ ans Licht befördern wird. „Alles wollen wir jetzt noch nicht verraten“, erklärt Kreispräsident Harald Werner (CDU), der als Stockelsdorfer und langjähriger Bürgervorsteher von Stockelsdorf die Entstehung der Buches mit seinen Kontakten gefördert hat – und Appetit darauf machen will, mehr über ein besonderes Kapitel Stockelsdorfer Geschichte zu erfahren.

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Zu dieser Geschichte gehört auch das Mitglied der damaligen jüdischen Gemeinde von Fackenburg: Bertha Horwitz, geborene Rosenberg. Im Alter von 71 Jahren verstarb sie am 19. August 1919 – und fand ihre letzte Ruhestätte auf dem jüdischen Friedhof. Bertha Horwitz wurde als letzte Person jüdischer Herkunft auf diesem kleinen Friedhof mit insgesamt 36 Grabsteinen bestattet. Dass die Buchpremiere genau am 100. Todestag von Bertha Horwitz fällt, ist kein Zufall.

36 Grabsteine, aber 38 Bestattungen

Aber dass es überhaupt ein solches Buch über diesen jüdischen Friedhof von Stockelsdorf gibt, ist in erster Linie dem Autor Rolf Verleger zu verdanken. Rolf Verleger, von Beruf Psychologe und Forscher an der Uni Lübeck, hat sich über Jahrzehnte für den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinschaft in Schleswig-Holstein stark gemacht. Und irgendwann ist er dabei auch über den jüdischen Friedhof in Stockelsdorf gestolpert. Im Sommer 1999 nahm sich Rolf Verleger zwei Tage Urlaub, einen Klappstuhl, Papier und Stift und entzifferte die hebräischen Inschriften auf den Grabsteinen. 36 an der Zahl. Doch es gab 38 Bestattungen – eines der Geheimnisse.

„Vulkanischer Gruß“ mit jüdischem Hintergrund

Ein anderes Geheimnis ist das Symbol auf einem Grabstein mit den gespreizten Fingern – genau die gleiche Begrüßungsgeste, die die Star-Trek-Fans vom Vulkanier Mister Spock kennen. „Auch das ist kein Zufall“, sagt Rolf Verleger. Dass die Juden von Stockelsdorf sich seinerzeit diesen „Vulkanischen Gruß“ nicht von Mister Spock abgeguckt haben können, ist einleuchtend. Rolf Verleger schmunzelt und erklärt: „Leonard Nimoy, der Mister Spock gespielt hat, war Jude.“ Der Vulkanier-Gruß hat also in Wirklichkeit einen jüdischen Hintergrund. „Spannend, was man hier auf diesem Friedhof alles entdecken kann“, sagt Pastorin Almuth Jürgensen, die das Buchprojekt organisatorisch begleitet hat.

Als versierter Fotograf hat der Stockelsdorfer Jörn Schiessler jeden Grabstein optisch in Szene gesetzt. Er hat die Grabsteine nicht einfach nur fotografiert, sondern porträtiert. Nathanja Hüttenmeister, die Judaistik, Arabistik, Islamwissenschaften und Mittelalterliche Geschichte studiert hat, kam 2014 von Duisburg nach Stockelsdorf und beseitigte mit ihrem Fachwissen alle Unklarheiten in den Erkenntnissen, die Rolf Verleger gesammelt hatte.

Jüdische Gemeinde war illegal, aber vorteilhaft

Zum Autorenteam gehört schließlich auch noch Stefan Eick, der Verleger des Buches mit dem Solivagus-Verlag. Als promovierter Historiker konnte Eick im Kapitel „Juden in Fackenburg“ Hintergrundwissen beisteuern. Fackenburg und ein Teil von Mori gehören zum heutigen Stockelsdorf. Eicks Ausführungen im Buch dürften ebenfalls für die eine oder andere Überraschung bei der Buchpremiere sorgen. So viel hat Stefan Eick schon mal verraten: „Das Besondere an dieser jüdischen Gemeinde war, dass sie illegal war. Aber es gab ein gutes Miteinander zwischen Juden und Nichtjuden, weil die Juden für florierende Geschäfte in dem Gebiet sorgten, das heute Stockelsdorf ist.“ Zu jener Zeit waren Juden in Lübeck nicht geduldet. Zum Handeltreiben und Einkaufen kamen die Lübecker deshalb über die Stadtgrenzen in Richtung des heutigen Stockelsdorf.

Premiere des Buches

Im großen Rathaussaal von Stockelsdorf findet am Montag, 19. August, um 18 Uhr die öffentliche Präsentation des Bildbandes „Haus der Ewigkeit“ statt. Neben Vorträgen zu den Grabsteinen und der Geschichte der Juden in Stockelsdorf wird es eine musikalische Darbietung von Ekaterina Tumanova und Ivan Tumanov geben.

Eine Ausstellung wird es im Rahmen des Buchpräsentation für die Fotografien von Jörg Schiessler und die Grafiken von René Blättermann geben.

Einen geführten Spaziergang über den jüdischen Friedhof gibt es im Anschluss an die Buchpremiere.

Von Doreen Dankert