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Kultur im Norden 1919 – was vor 100 Jahren geschah
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17:23 20.03.2019
Der Kommunist Karl Liebknecht (1871-1919) spricht im Januar 1919 in der Siegesallee in Berlin zu der Menge – kurz darauf wird er ermordet. Quelle: epd
Lübeck

Was ist eine Fiktion? Laut Brockhaus „als bestimmendes Element von Literatur und Dichtung das Erdachte, Erfundene, Erfundene, Vorgestellte, Erdichtete, das so nicht in der tatsächl. Wirklichkeit existiert, aber so dargestellr wird, als ob es wirklich wäre.“ Um diesen etwas verschwurbelten Satz auf den Punkt zu bringen: Fiktion ist das, was Literatur ausmacht. Welchen Sinn macht es also, ein Buch mit dem schlichten Titel „1919“ mit dem Untertitel „Fiktion“ zu versehen? Wohl nur den darzustellen, dass dieses Buch keine dokumentarische Darstellung dieses deutschen Schicksalsjahres ist, sondern ein literarisches Werk. Und um auch diese etwas langatmige Definition greifbarer zu machen: Der Autor Herbert Kapfer hat ein Stück Literatur über das Jahr 1919 geschaffen. Ein Stück ganz besonderer Literatur sogar.

Denn auf den 440 Seiten des Buches stehen kaum mehr als 50 Wörter, die Kapfer selbst geschrieben hat. Der Rest des Textes besteht aus Fragmenten, die der Autor, oder besser: der Wort-Monteur, anderen Werken entnommen hat. Diese Methode ist nicht neu, sie ist noch nicht einmal sonderlich originell. Walter Kempowski hat sie benutzt, um sein gewaltiges „Echolot“ zu konstruieren, an dem sich seinerzeit ja die literarischen Geister schieden. Kempowski ist es mit seinem „Echolot“ gelungen, Gedanken, Ereignisse und Gefühle zusammenzuschmieden, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatten. Und genauso arbeitet Herbert Kapfer in seiner Fiktion „1919“.

Denn jenes Jahr war derart reich an Ereignissen der verschiedensten Art, dass eine bloße chronologische Darstellung Tausende von Seiten benötigen würde. Herbert Kapfers Weg, sich den Ereignissen vor 100 Jahren zu nähern, ist der weitaus besser gangbare. Ob Kapfer Literatur geschaffen hat, bleibe dahingestellt, was er geschaffen hat, ist ein Kaleidoskop des Jahres 1919. Die Ereignisse von der Niederschlagung der Münchener Räterepublik bis zu den Freikorps-Kämpfen im Baltikum , vom Spartakus-Aufstand in Berlin bis zu den verzweifelten Versuchen ehemaliger Offiziere, im Zivilleben Fuß zu fassen: Es findet sich fast alles in diesem Buch, was damals für Schlagzeilen sorgte.

Herbert Kapfer hat literarische Quellen zusammengefügt mit Zeitungsartikeln, Tagebücher mit offiziellen Verlautbarungen, in seinem Buch ist zusammengewachsen, was auf den ersten Blick nicht zusammengehört. Und dennoch bildet diese Textsammlung in ihrer Vielfalt eine Einheit. „1919“ ist ein faszinierendes Kompendium der Zeitgeschichte, lehrreich und spannend zu lesen zugleich. Handelt es sich dabei um Literatur oder nicht? Das mag ein jeder Leser für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall gib es weitaus schlechtere Bücher als „1919“.

„1919“ von Herbert Kapfer, Kunstmann, 440 Seiten, 25 Euro

Jürgen Feldhoff

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