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Kultur im Norden 25 Jahre MuK – das sagt die Chefin Ilona Jarabek
Nachrichten Kultur Kultur im Norden 25 Jahre MuK – das sagt die Chefin Ilona Jarabek
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17:48 30.08.2019
Hat in Hamburg über Dittsches Imbiss gewohnt: MuK-Geschäftsführerin Ilona Jarabek. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Ilona Jarabek stammt aus Bonn-Bad Godesberg. Sie hat Grundschullehramt und danach Finnougristik und Volkswirtschaftlehre studiert. Seit 2007 ist sie Geschäftsführerin der MuK.

25 Jahre MuK, und Sie waren fast die gesamte Zeit dabei.

Ich war als Gast hier im Haus, als es am 1. Oktober 1994 eröffnet wurde. Am nächsten Tag war Tag der offenen Tür, da habe ich in das damalige Veranstaltungsbüro geschaut und überlegt, was die hier wohl machen. Ich war zu der Zeit noch Studentin in Hamburg – mit einer Wohnung über dem Imbiss von Dittsche. Dann habe ich hier im Juni 1995 als Praktikantin in der Kongressabteilung angefangen und fand es wunderbar.

Konzerte zum Jubiläum

MuK-Gesellschaftersind die Stadt Lübeck (90 Prozent) und der Norddeutsche Rundfunk (10 Prozent). Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr bei 210 000 Besuchern 4,3 Millionen Euro. Die laufende Sanierung kostet etwa 22 Millionen Euro und soll 2022 beendet sein. Das Haus hat neben Ilona Jarabek 27 Mitarbeiter, darunter fünf Auszubildende.

Zum Jubiläum gibt es zwei Veranstaltungen: Am 1. Oktober mit der NDR Bigband und dem „Watt about“-Filmkonzert in der Rotunde. Am 2. Oktober mit den Lübecker Philharmonikern und Max and Friends im Saal– ein Crossover-Abend mit Wagner, Smetana, Gershwin sowie Pop und Soul.

Und seit 2007 sind Sie Geschäftsführerin.

Mit allen Vor- und Nachteilen, wenn man aus den eigenen Reihen kommt.

Hätten Sie sich das vor 25 Jahren vorstellen können?

Ganz ehrlich: nein.

G7-Gipfel ein Höhepunkt

Was ist Ihre liebste Erinnerung aus dieser Zeit?

Der G7-Gipfel vor vier Jahren war sicher ein Highlight. Aber wir hatten so viele. Auch 1998 die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht mit Zeitzeugen hat mich sehr berührt. Es gibt Veranstaltungen, die gehen unter die Haut. Da ist man inhaltlich beteiligt, und das treibt uns an. Manchmal können wir auch selbst Impulse geben, gerade wenn es um Zukunftsthemen geht wie etwa bei dem Kongress „Symposium für industrielle Zelltechnik“ mit Professor Kruse vom Fraunhoferinstitut EMB, der am 5. und 6. September zum zehnten Mal stattfinden wird.

Zum Jubiläumsprogramm gehört auch ein Online-Gästebuch, in das sich jeder eintragen kann. Was hat es damit auf sich?

Es startet am 2. September, und wir fragen: Wie stellen Sie sich die Zukunft für die MuK im Jahr 2044 vor, wenn sie 50 wird? Bis zum 28. September kann man dort notieren, wen man gern in der MuK sehen würde, wie man künftig vielleicht zur MuK kommt, welche Kongresse stattfinden sollten oder wie man in einigen Jahrzehnten ins Konzert geht. Mein Zukunftsgedanke jedenfalls ist, dass man 2044 noch ins Konzert geht. Der Kern unseres Geschäfts hat sich ja in den vergangenen 2000 Jahren nicht verändert: Man kommt zusammen, um etwas zu erleben. Vielleicht ändern sich die Rahmenbedingungen. Vielleicht werden wir mit Virtual-Reality-Brillen im Konzert sitzen und so plötzlich die Perspektive des Dirigenten einnehmen. Aber das Konzerterlebnis wird bleiben. Wie die Kultur überhaupt bleiben muss. Sie ist wichtig fürs Überleben.

Tickets für die besten Ideen

Was passiert mit den Einträgen?

Aus den Einträgen werden die originellsten, zukunftsfähigsten, kreativsten und klügsten Statements auf der MuK-Homepage gepostet und auf social media veröffentlicht. Unter den besten Beiträgen werden wir eine Auswahl prämieren und mit Ehrenkarten für die beiden Festkonzerte beschenken.

Welchen Künstler würden Sie selbst gern in der MuK sehen?

Als ich Geschäftsführerin wurde, war mein Traum Anna Netrebko. Es hat dann leider nicht geklappt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als sie im vergangenen Jahr während des Schleswig-Holstein Musik Festivals hier gesungen hat. Vorher war Rolando Villazón bei uns – faszinierend. Er war so begeistert vom Klang im Saal, dass er eine Stunde lang außer dem Pianisten niemanden hineingelassen hat. Und ich mag Udo Lindenberg und die Toten Hosen total gerne. In der Tiefe meines Herzens bin ich doch eher ein Rockfan. Aber ich habe die Klassik sehr schätzen und lieben gelernt. Und vor allem den Jazz.

30 Millionen jährlich Stadt und Region

Derzeit haben Sie etwa 300 Veranstaltungen im Jahr in der MuK.

Mit einem Schwerpunkt auf der klassischen Musik. Aber wir setzen auf Vielfalt und neben der Kultur auch auf Kongresse und Tagungen.

Wie viel bringt das Haus der Stadt?

Laut einer Studie für das Jahr 2014 waren es knapp 30 Millionen Euro, die durch Veranstaltungen in Lübeck und der Region generiert wurden. Wir sind schon auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Und das mit einem Konzertsaal, der von der Akustik her zur Topliga nicht nur in Deutschland zählt. Wir scheuen ja auch nicht den Vergleich mit der Elbphilharmonie, obwohl der natürlich immer hinkt. Aber wir haben mehr Veranstaltungen und mehr Gäste, seit es sie gibt. Sie war uns eher ein Impuls, noch mehr zu machen. Konkurrenz belebt eben das Geschäft.

Lübeck als Standortnachteil?

Ist die geografische Lage zwischen Kiel, Rostock und Hamburg ein Nachteil für die MuK?

Ich glaube nicht, dass Künstler deswegen nicht zu uns kommen.

Macht Ihnen die Kulturwerft Gollan zu schaffen?

Es gibt schon Überschneidungen bei bestimmten Veranstaltungen. Aber wir ergänzen uns mehr, zum Beispiel bei großen Kongressen sind wir froh, dass wir Festabende dort veranstalten können. Und in der Umbaukrise konnten wir einige Messen an die Kulturwerft verweisen. Mit dem Ergebnis, dass einige dort blieben, aber das ist nicht schlimm. Und wer weiß, vielleicht machen wir irgendwann eine gemeinsame Veranstaltung. Vielleicht wenn es wirklich eine Brücke hinüber zum Gollan-Gelände gibt, was ich eine ganz charmante Idee finde.

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