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Kultur im Norden Gelungener Auftakt des 29. Kammermusikfestes
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16:59 31.05.2019
Bravorufe gab es für das Szamotuly-Quartett, die vier Herren aus Polen spielten das Klavierquartett F-Dur op. 37 von Xaver Scharwenka. Quelle: Foto: Agentur 54°
Lübeck

Zum 29. Mal bat Evelinde Trenkner die Freunde ihres Kammermusikfestes am Himmelfahrtswochenende ins Kolosseum. „International“ steht im Namen der Veranstaltung, und international ging es bereits beim Auftakt zu. Jürgen Feldhoff führte als Moderator durch einen Abend voller Abwechslung.

Der Auftakt gehörte auch dieses Mal der Leiterin und ihrer Duopartnerin. Prof. Trenkner und Sontraud Speidel hatten sich zwei Sätze aus Gustav Mahlers fünfter Sinfonie ausgesucht, den zweiten und dritten, „Stürmisch bewegt, mit größter Vehemenz“ und „Scherzo, kräftig, nicht zu schnell“ überschrieben. Natürlich ist eine Fassung für Klavier zu vier Händen nicht das Gleiche wie das große Orchester, das man beim Zuhören an etlichen Stellen deutlich erkannte. Die beiden Damen boten keinesfalls einen durchgehenden Tastendonner. Da wurde deutlich differenziert, blieb trotz vieler Kraftausbrüche Raum für die langsamen oder die düster-drohenden Passagen. Rhythmisch abwechslungsreich wurde das Scherzo mit seinen folkloristischen Anleihen ausmusiziert. Insgesamt ergab das ein intensives Miterleben von Gedanken aus Mahlers komplexer cis-Moll-Sinfonie.

Eines der Ziele des Kammermusikfestes ist die Pflege der Werke von Xaver und Philipp Scharwenka. Mit dem Klavierquartett F-Dur op. 37 wurde dieses Mal Xaver Scharwenka geehrt, der den Klavierpart oft selber gespielt hat. Gäste aus Polen saßen auf dem Podium, das Szamotuly-Quartett. Krzysztof Sowinski (Klavier), Bartosz Bryla (Violine), Michal Bryla (Viola) und Tomasz Lisiecki (Cello) hatten das hochromantische Werk gründlich erarbeitet, spielten kraftvoll im Tutti, elegant in den Einzelheiten. Schwelgerisch erklang der langsame Satz. An dritter Stelle stand im Programm nur die Satzbezeichnung „Allegro vivace“. Formal war es ein Scherzo mit deutlich abgesetztem Trio. Nach dem „Allegro con fuoco“ spendete das Publikum reichlich Beifall und Bravorufe.

Genrewechsel nach der Pause mit Solina & Friends. Das war anfangs ein reines Cello-Ensemble. Von den Gründungsmitgliedern saß lediglich Katrin Banhierl auf dem Podium, mit ihr spielten Felicia Graf (Violine) Antonia Miller (Klavier) sowie Benedikt Bader in mehreren Funktionen. Mozart und Haydn verzeichnete das Programmheft. Mozart war dabei nicht nur als Komponist zu erleben, sondern auch als Briefeschreiber. Benedikt Bader trug die Beispiele vor, mit Wiener Schmäh in der Stimme. Er war jedoch auch als Posaunist und Tenor angekündigt. Bei der Auftrittsarie des Tamino aus der „Zauberflöte“ schmetterte er den Hilferuf des Prinzen mit kräftigen Tönen in den Saal. Bei zarten Liedern von Joseph Haydn gelangen die Töne nicht so überzeugend. Aber nicht nur Heiterkeit lag über der Szene. Nach Mozarts Brief an den im Sterben liegenden Vater erzählte auch Haydns Lied „Es sang und sang ein Vögelein“ vom Todesschweiß des verendenden Tierchens. Zum Schluss wieder „Zauberflöte“: Die Sängerinnen flohen vor dem liebestollen Monostatos. Das erlebt man auch nicht alle Tage: Drei Damen nehmen Reißaus vor einem Tenor.

Heute geht das Kammermusikfest zu Ende mit dem Pianisten Joseph Moog, dem Ensemble „Passion du Saxophone“ und der Gruppe „Quattrocelli“. Beginn ist 19.30 Uhr.

Konrad Dittrich

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