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Kultur im Norden „Das Wunder der Heliane“ in der MuK
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Das Wunder der Heliane“ in der MuK
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16:56 25.03.2019
Geradezu Wagnersche Anforderungen: die Solisten mit Chor und Orchester beim sechsten Sinfoniekonzert in der MuK.
Geradezu Wagnersche Anforderungen: die Solisten mit Chor und Orchester beim sechsten Sinfoniekonzert in der MuK. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Konzertante Opernaufführungen haben ihren eigenen Reiz. Man kann sich ganz auf die Musik konzentrieren und Feinheiten wahrnehmen, die einem im Trubel einer szenischen Umsetzung oftmals entgehen. Erich Wolfgang Korngolds „Das Wunder der Heliane“ ist ein dankbares Objekt für eine konzertante Aufführung, die Premiere am Sonntag, 24. März, in der fast ausverkauften Musik- und Kongresshalle erhielt lebhaften Beifall.

Zweifacher Oscar-Gewinner

Erich Wolfgang Korngold, 1897 in Brünn geboren, war eine ebenso frühe wie große musikalische Begabung. Nach Erfolgen an der Oper wurde er in Hollywood zu einem der führenden Filmkomponisten, zwei Oscars inklusive. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte er sich wieder klassischer Orchestermusik zu. Er starb 1957 in Los Angeles.

Am Dienstag, 26. März, beginnt um 19 Uhr die zweite und letzte Aufführung in der MuK.

Szenisch kann man eigentlich nur scheitern mit diesem seltsamen Mysterienspiel, das seine eigenen Ansprüche nicht erfüllt. Ein aus der Zeit gefallenes Libretto, wie ebenfalls aus der Zeit gefallene Musik, der jeglicher Bezug zur Moderne der späten 1920er Jahre fehlt – die aber auf das vorausweist, womit sich Korngold ab Mitte der 1930er Jahre beschäftigte: Filmmusik. Das Vorspiel zum zweiten Akt der „Heliane“ , einer der musikalischen Höhepunkte des dreistündigen Werkes, kann man sich wunderbar als Untermalung einer Sturmszene in „Der Herr der sieben Meere“ vorstellen, um nur ein Beispiel zu nennen. Malerische Musik, in der immer wieder Anklänge an Wagner, Puccini, Mahler und sogar Richard Strauss zu finden sind, feinsinnig und äußerst geschickt instrumentiert: „Das Wunder der Heliane“ ist musikalisch ganz großes Kino.

Gewaltiges Unternehmen

Fragt sich nur, ob sich der betriebene Aufwand für nur zwei Aufführungen lohnt. Das Orchester ist mehr als nur üppig besetzt, so sind im letzten Akt allein acht Schlagzeuger gut beschäftigt. Zum Groß-Orchester kommen dann noch Chor und Extrachor, Sängerinnen und Sänger, die diese selten gespielte Oper in ihrem Repertoire haben, sind auch nicht leicht zu finden. Ein gewaltiges Unternehmen also, an das sich das Theater gewagt hat.

Das Orchester begann den Abend unter Leitung von Andreas Wolf etwas zögerlich, fand sich aber schnell in der Partitur zurecht und zelebrierte Korngolds Klangmassen geradezu. Vor allem die kammermusikalischen Passagen waren von berückender Innigkeit geprägt, sodass die Inhalte dieser Oper fassbar wurden, obwohl man den Text nicht verstand. Mit etwas gutem Willen hätte man in der MuK zumindest eine provisorische Übertitelungsanlage installieren können. Andreas Wolf hatte manches Mal Mühe, den Apparat zusammenzuhalten. Das mag auch an den knappen Probenzeiten gelegen haben, immerhin fehlten die bei szenischen Opern gängigen Bühne-Orchester-Proben.

Stimme hielt bis zur Himmelfahrt

Die sechs Solisten des Abends hatten sich geradezu Wagnerschen Anforderungen zu stellen. Cornelia Ptassek in der Titelrolle schaffte es mit scheinbarer Leichtigkeit, sich gegen den riesigen Orchesterapparat durchzusetzen. Ihre Stimme ist wandlungsfähig und raumfüllend. Zurab Zurabishvili als der Fremde hatte seine mörderische Partie stets im Griff, er erwies sich als ein Heldentenor allererster Güte. Bis zum seligen Ende und der Auffahrt in den Himmel hielt die Stimme Zurabishvilis, allein das war eine große Leistung. Aris Argiris als Herrscher beeindruckte mit seinem dunkel timbrierten Bariton, der ebenso stark wie auch grausam klang – eine Art stimmliches Psychogramm dieser bösartigen, unglücklichen Gestalt. In den Nebenrollen überzeugten Katerine Hebelkova als Botin, Taras Konoshchenko als Pförtner und Hojong Song als Schwertrichter. Der wenig beschäftigte Chor (Einstudierung: Jan-Michael Krüger) bot ebenfalls eine solide Leistung.

Nach der Pause gab es einige Lücken im Publikum, ein Hinweis im Programmheft auf die Pause nach dem zweiten Akt wäre hilfreich gewesen. Stattdessen findet sich im Programmheft der Text des Schlagers „Kann denn Liebe Sünde sein“ – warum auch immer.

Jürgen Feldhoff

25.03.2019