60 Jahre "Katz und Maus": Katharina Thalbach liest aus Günter Grass' Novelle in Lübeck
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Kultur im Norden „Katz und Maus“ in Lübeck – Katharina Thalbach liest Günter Grass
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60 Jahre "Katz und Maus": Katharina Thalbach liest aus Günter Grass' Novelle in Lübeck

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14:38 24.08.2021
Im Großen Saal der Musikhochschule: Katharina Thalbach vor einem Bild von Günter Grass.
Im Großen Saal der Musikhochschule: Katharina Thalbach vor einem Bild von Günter Grass. Quelle: Thorsten Wulff
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Lübeck

In der konservativen Adenauer-Ära wurde Günter Grass nach dem Erscheinen seiner Novelle „Katz und Maus“ 1961 als Pornograph verunglimpft. Längst ist der Skandal restlos verdampft. Mit einer Lesung mit der Schauspielerin Katharina Thalbach zelebrierte das Günter Grass-Haus jetzt 60 Jahre „Katz und Maus“.

Katharina Thalbach – immer wieder ein Erlebnis

Thalbach, herausragende Schauspielerin, ist auch immer wieder bei Lesungen ein Erlebnis. Vor zwei Jahren, 60 Jahre nach dem Erscheinen der „Blechtrommel“, faszinierte sie das Publikum bei der Lesung zum Jubiläum. Im Großen Saal der Musikhochschule steht nun „Katz und Maus“ auf dem Programm.

Danziger Trilogie

„Katz und Maus“ ist Teil von Günter Grass’ Danziger Trilogie. Den Auftakt machte 1959 „Die Blechtrommel“, sein Debütroman und gleich einer von Weltrang. Dann folgte zwei Jahre später „Katz und Maus“ und 1963 „Hundejahre“. Sie markierten den „Beginn meiner Existenz als Schriftsteller“, so hat Grass das einmal genannt.

„Ein schmales Buch, aber eines von Gewicht“, sagt Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Grass-Hauses, in einer kurzen Einführung. Grass sei als Anarchist, Blasphemiker und Pornograph diskreditiert worden. Denn Literatur sollte damals unpolitisch sein und das Erhabene feiern – das Gegenteil dessen, was Grass tat. Er thematisierte Schuld und Scham, stellte dar, wie junge Menschen verführt werden.

Die Novelle spielt zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs in Grass’ Heimatstadt Danzig. Im Mittelpunkt steht der Jugendliche Joachim Mahlke, Halbwaise und Außenseiter. Auffallend an ihm ist ein übergroßer Adamsapfel. Erzählt wird die Geschichte von seinem Schulkameraden namens Pilenz. Der sucht immer wieder die Nähe Mahlkes, spielt ihm aber auch üble Streiche. So setzt er eine Katze auf den Hals des schlafenden Jungen. Die hält den Adamsapfel für eine Maus und packt zu, „. . . und Mahlke schrie, trug aber nur unbedeutende Kratzer davon“.

Auch die Onanierszene, die einst so viel Empörung ausgelöst hatte, trägt Thalbach vor – ein Spiel und sich Messen um Ausdauer und Größe, um protzende Männlichkeit. Rote Ohren kriegt da niemand mehr. Thalbachs Vortrag führt das Publikum mit viel Stimme und wenig Gesten hinaus aus dem Saal mitten in die Erzählung nach Danzig zu Zeiten des Krieges. Musikalisch untermalt wird er von Maxilimilan Riefer (Percussion) von der Musikhochschule Lübeck. Es sind schöne kleine Erholungspausen auch für das Publikum.

Ein verstörendes Ende

Das verstörende Ende aber bleibt ihm nicht erspart. Mahlke, der in den Krieg gezogen ist, kommt in den Heimaturlaub zurück, dekoriert mit dem Ritterkreuz. Aber er will nicht zurück an die Front und desertiert. Pilenz hilft bei der Flucht – und torpediert sie zugleich. Mahlke taucht nie wieder auf.

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Katharina Thalbach und Maximilian Riefer bekommen großen Applaus, als sie sich Hand in Hand verbeugen. Thalbach wird hoffentlich wiederkommen. 2023 feiert das Günter Grass-Haus 60 Jahre „Hundejahre“. Der Leiter des Museums: „Sie dürfen raten, wen wir einladen werden.“

Von Liliane Jolitz