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Kultur im Norden Film ab: Minigolf in Bad Oldesloe
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12:05 01.11.2019
Seit 51 Jahren Chefin auf der Anlage: Karla Burmester (Foto von 2014). Quelle: Susanna Fofana
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Lübeck

Karla Burmesters erster Mann war Alkoholiker. Der zweite ging zu einer Sekte. Der dritte musste vierzehn Jahre warten, bis sie Ja sagte. Wolfgang heißt er, mit ihm betreibt sie eine Minigolf-Anlage in Bad Oldesloe. Und Julius Dommer (31) hat darüber einen Film gedreht.

Er kommt aus Ratzeburg, hat in Mölln Abitur gemacht und kennt sich aus mit der Bahn. Er hat da früher oft selbst gespielt, an Sonntagnachmittagen meist mit seinem Vater. Sie haben sich irgendwann auch eigene Schläger und Bälle gekauft, es war nicht ohne Ehrgeiz. Und 21, 22 Schläge bei 18 Bahnen, das muss man erst mal schaffen.

Aber heute spielt er kaum noch. Er lebt in Köln, hat dort voriges Jahr an der Kunsthochschule für Medien sein Studium abgeschlossen und ist mal gespannt, wie „Ascona“ bei den Nordischen Filmtagen ankommt (1. November, Cinestar). „Ein Heimspiel“, sagt er.

Klemmbrett und Schöller Eiscreme

Es ist ein leiser Film. Einer, der diese besondere Atmosphäre auf den Plätzen einfängt. Klemmbrettchen, vertäfelte Buden und weiße Plastikgartenstühle. Dosen mit Süßkram, Schöller Eiscreme und die Schläger bitte am Fenster abgeben. Alles ausgeruht und lakonisch erzählt, als wäre es ein frühes Werk von Detlev Buck. Dazwischen hat er alte Schwarzweißbilder geschnitten, Männer in kurzen Hosen mit ernsten Blicken und Pokalen in der Hand. Es ist eine Welt, in der kleine Bälle über kleine Bahnen rollen, bei der Landesmeisterschaft wird gegrillt, und die Schiedsrichter kommen aus Trappenkamp oder Brunsbüttel. Glamour findet man hier keinen, Bodenhaftung umso mehr.

Mehr zu den Nordischen Filmtagen lesen Sie hier:

„Um dem Verein eine Heimat zu geben, hab’ ich das Ding mal gekauft“, sagt Karla Burmester im Film. Sie kam aus Berlin, wo sie Landesmeisterin war und Vize-Europameister mit der Mannschaft. 1966 war das, die Damen durften zum ersten Mal Hosen tragen. Und in Kiel bei den Landesmeisterschaften hat sie auch noch gewonnen. Heute ist sie 80 Jahre und musste den Schock verkraften, als jetzt im Sommer ihre Bude brannte.

Julius Dommer hat einige Filme gedreht, kurze Dokumentationen meist. „Berta“ zum Beispiel, eine Rinderschlachtung auf 16 Millimeter. Oder „Rebar“ über einen Autisten. Sein erster Langfilm wird jetzt gerade fertig, eine Studie über ein Atomkraftwerk auf Kuba, das kurz vor der Vollendung stand, als es von den Trümmern der zusammenbrechenden Sowjetunion begraben wurde. Ein weltgeschichtlicher Kollateralschaden, sozusagen. Er hat sich dort umgesehen, auch in der kleinen Nuklearstadt, die eigens für die Reaktorarbeiter gebaut wurde und wo heute immer noch Menschen leben. Jetzt soll dort ein Endlager für Giftmüll aus Lateinamerika entstehen.

„Ambitionierter Trash-Film“

„Irgendwie wollte ich immer zum Film“, sagt er. Schon seit der Schulzeit, als er im Kunst-Leistungskurs „einen ziemlich ambitionierten Trash-Film“ gedreht hat. Jetzt ist er Regisseur, arbeitet aber vorerst noch beim Film als Oberbeleuchter. „Ein Brotjob.“ Dokumentationen sind das, was ihn interessiert. Damit geht er über die Festivals und hat auch schon einige Preise gewonnen. „Rebar“ lief im WDR-Fernsehen. Und er zieht am liebsten alleine los oder in kleinen Teams, „da ist man maximal flexibel“.

Und Minigolf? Diese Bahn mit der Rampe und dem Netz, auf der man mit dem ersten Schlag trifft oder nie? Dieser Berg- und Tal-Kurs mit dem Loch in der Mitte, der einen in die Verzweiflung treiben kann und darüber hinaus? „Man kann immer eine 18 spielen“, sagt er. „Theoretisch. Ist eine Kopfsache.“

Von Peter Intelmann