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Kultur im Norden Abschied vom Lübecker Dom
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18:10 23.02.2018
Lübeck

Nach Lübeck kam der gebürtige Sachse auf Umwegen. Geboren wurde Hartmut Rohmeyer in Oberwiesenthal im Erzgebirge, er wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus auf. „Die Kirche, in der mein Vater Pastor war, verfügte über eine romantische Orgel. Der weiche Klang dieses Instrumentes hat mich schon als Kind fasziniert. Zunächst habe ich Klavier gelernt – da war der Weg zur Orgel nicht weit“, erinnert er sich. In Leipzig studierte Hartmut Rohmeyer dann Kirchenmusik, aufgrund seines vorzüglichen Klavier- und Orgelspiels wurde er 1977 mit 25 Jahren zum Lehrbeauftragten berufen. Sechs Wochen nach dieser Berufung durfte er zu Konzerten nach Italien fahren und nutzte die Gelegenheit zur Flucht aus der DDR. „Die Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 hat in mir die Überzeugung reifen lassen, dass die DDR kein Staat war, in dem ich alt werden möchte. Dazu kam die künstlerische Neugier, denn zeitgenössische oder auch nur moderne Musik wurde in der DDR weder gespielt noch gelehrt.“

Am Lübecker Dom war Hartmut Rohmeyer dann bei einem Orgelwettbewerb erfolgreich, mit dem gewonnenen Stipendium konnte er sich seinen Traum erfüllen und ein zweites Studium in Freiburg und Paris absolvieren. Nach einer knapp gescheiterten Bewerbung als Organist am Bremer Dom wurde Hartmut Rohmeyer dann Professor an der Fachakademie für Kirchenmusik in Bayreuth. Zehn Jahre blieb er an dieser Hochschule, neun Jahre war er zudem Kantor an einer evangelischen Gemeinde in der fränkischen Stadt. „Es war mir immer wichtig, Lehre und praktische Arbeit als Kirchenmusiker miteinander zu verbinden. So habe ich es mein ganzes Berufsleben lang gehalten, beide Bereiche haben sich stets befruchtet“, sagt Rohmeyer.

Der Wechsel an den Lübecker Dom 1990 veränderte dann den Schwerpunkt seiner Tätigkeit: „In Lübeck war ich hauptamtlicher Kirchenmusiker, dazu kam dann bald eine Orgelklasse an der Musikhochschule.

Hier hatte ich auch die Möglichkeiten, große Oratorien aufzuführen, für solche Projekte war die Gemeinde in Bayreuth zu klein.“ Der Lübecker Domchor blühte unter Rohmeyers Leitung auf, später übernahm er dann auch noch die Leitung des Lübecker Sing- und Spielkreises. „Es fügte sich dann auch sehr schön, dass es in Lübeck ein großes Reservoir an ausgezeichneten Musikern gibt“, sagt Rohmeyer weiter. „Mir standen so immer gute Orchester zur Verfügung.“

Weihnachtsoratorium, Bachs Passionen, aber auch Werke von Dieterich Buxtehude und Giuseppe Verdis Requiem standen immer wieder auf dem Programm. Zum finanziellen Desaster wurde Hartmut Rohmeyers Versuch in den späten 1990er Jahren, das Repertoire seiner Chöre zu erweitern: „Wir haben Honeggers Oratorium ,Le Roi David’ aufgeführt – die Kirche war leer und ich saß auf einem Berg von Schulden.“

In den Ruhestand geht Hartmut Rohmeyer nach seiner Éntpflichtung noch lange nicht. Er übernimmt am 1. März die Position des Kantors an der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem. „Dazu ist es durch persönliche Kontakte gekommen, und mir ist das auch sehr recht. Von jetzt auf gleich überhaupt nicht mehr zu arbeiten, wäre mir wohl sehr schwer gefallen. Die Erlöserkirche verfügt über eine sehr gute Orgel, die im selben Jahr wie das wunderbare Instrument im Lübecker Dom gebaut wurde. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich 28 Jahre lang fast jeden Tag an der Marcussen-Orgel spielen durfte.

Es war eine fabelhafte Zeit in einer fabelhaften Stellung.“

Der feierliche Abschiedsgottesdienst für Hartmut Rohmeyer beginnt morgen um 15 Uhr im Lübecker Dom. Es erklingen unter anderem Kantaten und Motetten von Bach.

Ab 11. März in Lübeck

Klaus Eldert Müller (51) ist der neue Kantor am Lübecker Dom. Im Gottesdienst am 11. März um 10.40 Uhr wird der Kirchenmusiker begrüßt, seine offizielle Einführung findet nach der sechsmonatigen Probezeit statt. Geboren und aufgewachsen ist Müller auf der Nordseeinsel Borkum. Während des A-Studiums sammelte er erste hauptamtliche Erfahrungen auf einer B-Stelle in Reinbek. Von dort zog er nach Oberhausen, acht Jahre später nach Dortmund an die Evangelische Stadtkirche St. Reinoldi.

Jürgen Feldhoff