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Kultur im Norden „Vom Glück geküsst“
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17:36 25.01.2019
Achim Reichel schreibt an seiner Autobiografie.
Achim Reichel schreibt an seiner Autobiografie. Quelle: dpa
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Hamburg

Er gilt als der erste Superstar der deutschen Rockmusik, tourt in den 1960er Jahren als Frontmann der Beat-Band „Rattles“ gemeinsam mit den Rolling Stones und den Beatles. Kurz vor einer geplanten US-Konzertreise mit den „Pilzköpfen“ wird Achim Reichel zum Militärdienst eingezogen. Doch seiner Karriere tut dies keinen Abbruch, er erfindet sich neu und begeistert seine Fans in den darauffolgenden fünf Jahrzehnten mit ganz eigenen Interpretationen verschiedenster Musik-Genres – ob mit rockigen Shantys, aufgepeppten Volksliedern, Vertonungen von Texten großer Dichter oder psychedelischen Sounds. Am Montag feiert Achim Reichel seinen 75. Geburtstag.

Er sei vom „Glück geküsst worden“, sagt der Musiker rückblickend. In eine Schublade stecken ließ sich Reichel nie. „Ich springe schon gern von Ast zu Ast“, erzählt der Hamburger Jung, der als ein Pionier der „Loop“-Technik, sich wiederholender Echos von Tonfolgen als Dauerschleife, und damit als Wegbereiter der elektronischen Musik gilt. Zu seinem umjubelten Konzert in der Elbphilharmonie 2017 kamen Fans aus aller Welt, um den experimentellen Sound seines Krautrock-Soloprojektes „A.R. & Machines“ live zu erleben – Musik, die er zuletzt 45 Jahre zuvor auf einer Bühne gespielt hatte.

Gibt es musikalisch noch Wunschträume? „Was soll ich den Leuten mit meinen 75 Jahren noch erzählen“, fragt der Künstler. St. Pauli, den Hamburger Stadtteil, in dem für Reichel alles begann, hat er längst hinter sich gelassen. Heute wohnt er im beschaulichen Hummelsbüttel. Im Erdgeschoss seines Hauses thront ein riesiges Mischpult, daneben eine ansehnliche Gitarrensammlung. An einer Lampe baumeln alte Backstagepässe, im Regal findet sich ein Bild von Reichel und Paul McCartney – Erinnerungen an das bewegte Leben des Seefahrersohns, der ursprünglich ebenfalls als Schiffssteward die Weltmeere befahren wollte.

Gerade ist das Album „Das Beste“ erschienen, eine Doppel-CD beziehungsweise Vierfach-Vinyl-Box mit all seinen großen Hits, darunter natürlich auch die Klassiker „Der Spieler“, „Aloha Heja He“ und „Kuddel Daddel Du“. Im Oktober geht es auf Deutschland-Tour, unter anderem sind Konzerte in Hamburg, Berlin und Köln geplant. Ob es seine letzte Tour sein wird, lässt der Künstler offen. „Danach werde ich in mich gehen und mich fragen: war’s das?“ Doch dem umtriebigen Musiker wird sicherlich nicht langweilig – bereits jetzt schreibt er an seiner Autobiografie, die 2020 erscheinen soll.

Wiebke Dördrechter

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