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Kultur im Norden Wincent Weiss singt über das Leben ohne Vater
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08:18 28.03.2019
Wincent Weiss ab Freitag mit neuem Album. Quelle: ZB
Berlin

Mit seinem Debütalbum schaffte Wincent Weiss vor zwei Jahren einen Charthit, Songs wie „Musik sein“ oder „Feuerwerk“ liefen in Dauerschleife im Radio. Jetzt legt der 26-jährige Stockelsdorfer nach. Auf der Platte „Irgendwie Anders“, die morgen erscheint, zeigt sich Weiss nicht nur von seiner poppigen Seite, sondern auch zutiefst verletzt und persönlich.

Die 13 Lieder, darunter bereits veröffentlichte wie „An Wunder“ oder „Hier mit dir“, sind zunächst gut gemachter Pop. Eingängig, unpolitisch, radiotauglich. Mal blickt der Schleswig-Holsteiner in eine glückliche Zukunft voraus („Kaum erwarten“), mal auf eine unglückliche Beziehung zurück („Zeichen“).

Vom Platzen der großen Liebe

Am Ende stechen dann aber zwei Songs heraus, die vom üblichen Popschema abweichen. Die Single „Pläne“ handelt von einer Liebe, die während seiner Musikerkarriere in die Brüche gegangen ist. Das unerwartete Platzen der großen Liebe ist nichts spektakulär Neues. Weiss verpackt es aber derart emotional-verletzlich, dass viele (vor allem junge weibliche) Fans im Internet berichten, beim ersten Hören geweint zu haben.

„Du wolltest doch meinen Ring an deinem Finger, wir wollten doch ein Haus und zwei Kinder“, schmachtet der 26-Jährige in Rio-Reiser-Manier seiner Ex hinterher. „Bis zum Schluss hatten wir Pläne und davon so viel. Wir kannten die Wege. Jetzt geh ich ohne dich.“

Klicken Sie hier, um zahlreiche Bilder vom Musiker Wincent Weiss zu sehen, der in Bad Oldesloe geboren wurde und nun in Stockelsdorf lebt!

Mal kratzig, mal extrem hoch, mal sanft, mal kräftig

Die Ballade, auf der Weiss nur von einem Klavier begleitet wird, war für ihn der Startschuss für Album Nummer Zwei. „Damals war das ein ganz aktuelles und für mich wichtiges Thema. Ich bin beim Singen automatisch emotional geworden. Das hat mir so gut gefallen, dass ich das fürs weitere Album weitergeführt habe.“

Mal kratzig, mal extrem hoch. Mal sanft, mal kräftig: Die Stimme des Norddeutschen, der den Durchbruch erst Jahre nach seiner Teilnahme an der Show „Deutschland sucht den Superstar“ schaffte, hat jedenfalls Wiedererkennungswert. Noch emotionaler als „Pläne“ dürften seine Fans die Ballade „1993“ aufnehmen. Das Geburtsjahr des Sängers kommt im Lied nicht einmal vor, dafür rechnet Weiss mit seinem Vater ab, den er nach eigenen Worten nie kennenlernte.

„Danke für Nichts“

„Kenn dich nur aus Geschichten. Noch nicht mal deinen Namen. So’n Typ da auf den Fotos, der nie nach Hause kam. Und alles, was bleibt, ist irgendein Gesicht. Und ein Danke. Danke für Nichts“, heißt es in der ruhigen Klavier-Ballade. Und weiter: „Ich hab eins von dir gelernt, das geb ich gerne zu. Wenn ich mal Vater werde, werd ich nie so sein wie du.“ Er habe den Song bereits für sein Debütalbum verfasst, sagt Weiss. Damals habe dieser aber nicht gepasst. Mit einem kleinen Team aus befreundeten Songwritern bespreche er die Themen. Daraus entstünden dann die Lieder. Das R&B-lastige „Jemanden vermissen“ schrieb Weiss zusammen mit Sängerin Sarah Connor.

Wincent auf Instagram

Ein erneuter Charterfolg dürfte Weiss, der seit eineinhalb Jahren in Hotels, im Tourbus oder bei der Mutter lebt, sicher sein. Zusätzlich Schub dürfte ihm die Teilnahme an der erfolgreichen Musikshow „Sing meinen Song“ geben, die ab Mai auf Vox ausgestrahlt wird. Dabei singen Künstler wie Michael Patrick Kelly, Jeanette Biedermann und Álvaro Soler Songs der jeweils anderen. Dass sich dabei jemand an das persönliche „1993“ wagt, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Wincent zu Besuch in der Grundschule Cleverbrück

Thomas Bremser

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