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Kultur im Norden Alex Christensen: „Ich bin total schmerzfrei“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Alex Christensen: „Ich bin total schmerzfrei“
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17:24 09.11.2019
Alex Christensen hier bei einem Besuch in Travemünde – er liebt den norden und kommt am 21. November zum Konzert nach Lübeck. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Gerade ist das dritte Album von Alex Christensen mit Hits der Neunziger auf dem Markt, mit dem im kommenden Jahr auf große Tour geht. Seine Idee, Melodien und Harmonien von Dance-Hits der 90er-Jahre mit dem Klangkörper eines Orchesters neu und zeitlos zu beleuchten, schlug ein - nicht nur in den Charts, auch bei den Live-Konzerten.

Herr Christensen, warum lieben Sie die Hits der Neunziger?

Wenn man in den Neunzigern aufgewachsen ist, hört man die Musik immer noch gern, erinnert sich an damals. Und das waren doch auch ganz gute Songs. Ich hatte meinen ersten großen Hit in den Neunzigern - „Das Boot“, die Technoversion der Filmmelodie von Klaus Doldinger war ein Riesenerfolg. Ich hätte das damals schon gern mit echten Streichern aufgenommen, aber ich hatte nicht das Geld und Know How.

Sie waren sehr früh sehr erfolgreich. Was geht in einem vor, wenn man seine eigenen Songs im Radio hört?

Das ist schon sehr eigenartig. Und es gibt keinen, der sich dadurch nicht verändert.

Am 21. November in Lübeck

„Classical 90s Dance“heißt das Programm, das Alex Christensen am Donnerstag, 21. November, zusammen mit dem Berlin Orchestra in der MuK präsentiert. Tickets gibt es in den LN-Geschäftsstellen.

In der ZDF-Show„Willkommen bei Carmen Nebel tritt er am 4. Dezember auf.

Am 22. April 2020 beginnt seine Deutschlandtour in Hamburg

Inwiefern?

Ich denke, mit dem Erfolg ist es wie mit dem Geld. Wenn man ein guter Mensch ist, verstärkt Geld diese Eigenschaft, man bleibt großzügig. Wenn man ein böser Mensch ist, wird man noch geiziger. Wenn ein böser Mensch erfolgreich ist, kann man ihn noch weniger ertragen als vorher.

Sie sind gut zu ertragen?

Ich hoffe es.

Wie groß ist die Versuchung, den Erfolg zu wiederholen, indem man etwas ähnliches noch mal abliefert?

Die ist natürlich groß. Als ich den Erfolg mit „Das Boot“ hatte, kam der Plattenfirmenboss und wollte, dass ich jetzt alle Filme auf Techno mache. Im Prinzip hatte er ja Recht, das wäre sicher sehr gut gelaufen. Aber dazu hatte ich keine Lust.

Hatten Sie denn eine Wahl?

Klar, die hat man immer, man kann ja Nein sagen. Ich glaube, der Mensch, der oft Nein sagt, ist der erfolgreichste.

Aber Plattenfirmen haben eine große Macht.

Ja, in der Musikbranche wird mit harten Bandagen gearbeitet. Das Positive daran ist: In der Musikwelt gibt’s keinen numerus clausus. Der Mozart darf was machen, aber auch der Zuhälter, oder die talentierte Sängerin. Das heißt auch, dass die Manieren komplett durcheinandergehen. Für die Plattenfirmen gilt: Der Erfolgreiche ist der Gute, egal wie er sich benimmt.

Gelernter Spediteur

Der MusikproduzentAlex Christensen (52) ist gelernter Speditionskaufmann aus Hamburg.

1987 veröffentlichte er seine erste Musikproduktion: „Drums in your House“. Die erste Goldene Schallplatte gab’s 1990 für den Titel „Ritmo de la Noche“.

Als Produzentund Komponist arbeitete Christensen u. a. für Right Said Fred, Tom Jones, Oli.P, Marianne Rosenberg

Aber Sie sind nach dem ersten Erfolg auf Risiko gegangen.

2000 habe ich mir überlegt: Ich muss etwas machen, das ein Alleinstellungsmerkmal hat. Dann habe ich angefangen, Swing und Jazz-Orchesteralben zu machen, mit Paul Anka, Michael Bolton und Tom Jones zum Beispiel. Dann sind die Leute zu mir gekommen und haben angefragt. 2014 kam Helene Fischer wollte ein Weihnachtsalbum machen mit einem Orchester. Das haben wir dann in London in den Abbey Road Studios aufgenommen.

Wo früher die Beatles gespielt haben. Wie geht man da durch?

Das hat schon was Heiliges. Eine Patina. Da steht dann das Klavier, auf dem John Lennon gespielt hat, und man kann es selbst nutzen. Leider macht Universal, denen die Studios gehören, jetzt auch Führungen für Touristen, da geht das Besondere ein bisschen verloren.

Sind die Studios teurer als andere?

Ja, aber diese Freude gönne ich mir.

Wie war die Zusammenarbeit mit Helene Fischer, ist sie wirklich so gut?

Ja, absolut herausragend. Weit vor den anderen. Die ist jenseits jeder Kritik und hat internationales Niveau. Sie ist opferbereit und leidenschaftlich. Alles, was sie erreicht hat, hat sie verdient. Und eine großartiges Frau ist sie außerdem, lustig und total geerdet, ohne Allüren.

Sie glänzt dann mit dem Album, Sie bleiben als Produzent im Hintergrund. Was macht eigentlich genau ein Produzent?

Alles um den Künstler herum. Ich berate den Künstler, nehme die Songs auf, organisiere die Produktion, suche die Songs mit aus, kümmere mich um das Technische.

Wie viel ist Organisation und Kreativität?

Fünfzig-Fünfzig. Ideen hat man viele, aber entscheidend ist, diese dann umzusetzen. Da hängt total viel Arbeit dran.

Wie lange brauchen Sie für ein Album mit allem Drum und Dran?

Etwa ein Jahr.

Haben Sie eine Zielgruppe vor Augen, wenn Sie Musik produzieren?

Nein, letztlich macht jeder Künstler Musik in erster Linie für sich selbst. Und mein Geschmack ist offenbar sehr durchschnittlich. Was ich gut finde, finden meistens ganz viele andere auch gut. Die letzten Alben hatten wieder Gold, 100 000 Alben verkauft heute kaum noch jemand.

2009 sind Sie aber mal wieder auf die Bühne gegangen, beim ESC zusammen mit dem Sänger Oscar Loya als „Alex swings, Oscar sings“. Sie sind ziemlich schmerzfrei, oder?

Ich bin total schmerzfrei.

Warum haben Sie das gemacht?

Wie viele Menschen aus Deutschland haben die Chance, daran teilzunehmen? Außerdem war es in Moskau. Ich liebe Russland, das ist ein total spannendes Land. Und wenn man die Chance hat, in der größten Show Europas teilzunehmen, dann ist das keine Frage. Außerdem wusste ich, dass ich per Satellitenübertragung zur Talk-Ikone Ophra Winfrey geschaltet werde. Das war für mich als Produzent total wichtig, um in Amerika Fuß zu fassen.

Sie kamen auf Platz 20 und wurden mit Häme überschüttet.

Ach, da muss man drüberstehen und lächeln.

Auch sonst gehen die Musikkritiker nicht gerade zimperlich mit Ihnen um.

Ich finde das witzig. Ich glaube, das ist der reine Neid, und das ist für mich die höchste Anerkennung. Ich stell mir vor, dass der Redakteur, der mich kritisiert, vielleicht auch mal Musik machen wollte und es nicht geschafft hat. Im Land der Nivellierung, wo alle gleich sein sollen, darf keiner herausstechen. Der kriegt dann gleich was auf den Deckel.

Sie ärgern sich nicht, wenn Sie einen Verriss ihres Albums im „Musikexpress“ lesen?

Man muss wissen, woher man Applaus haben möchte. Ich möchte meinen Applaus nicht von Kollegen oder Kritikern, sondern von jedermann, als den ich mich auch empfinde. Von den Leuten, die Musik einfach hören ohne Vorurteile. Ob es nun gehaltvoll ist oder nicht.

Sie sagten mal, dass Sie mit jedem Sänger einen Hit machen könnten.

Ja, das glaube ich auch. Einen Hit kriegt man hin, aber konstant erfolgreich zu sein, das ist schon eine Aufgabe, und da muss man auch echt viel opfern.

Zum Beispiel?

Familie, Freizeit, das kommt zu kurz. Ich sehe es in meinem Umfeld, dass viele eine Baustelle haben, weil sie eben zu viel für die Karriere machen. Mein Sohn interessiert sich Null für meinen Beruf, Musik ist zu Hause kein Thema. Bei anderen ist es anders, da geht es nur um Musik.

Mit wem würden Sie gerne noch mal ein Album aufnehmen?

Eigentlich gar nicht mit Prominenten, die sind sehr festgelegt und nehmen das nicht mehr so ernst. Ich würde lieber jemanden entdecken.

Wie entdecken Sie einen guten Künstler?

Gut reicht nicht mehr. Gut ist der größte Feind von herausragend. Das war früher anders. Der Mensch muss ein Alleinstellungsmerkmal haben. Er muss verrückt sein und ungewöhnlich.

So wie Sie? Sie haben mit 17 Jahren als DJ angefangen in Hamburg und dann sind um die Welt gejettet.

Ja, außer in Südamerika habe ich überall aufgelegt.

Warum haben Sie dann noch Spediteur gelernt?

Ich war ja so gut in der Schule, dass mir die Lehrerin gesagt hat, ich könnte vorzeitig gehen. Ich sollte aber irgendwas lernen, haben meine Eltern gesagt, und dann habe ich mich bei der Firma beworben, bei der schon mein Vater gelernt hatte. Aber nebenbei hatte ich als DJ gearbeitet und bin dann zu meinem Papa gegangen und hab gesagt: Am Wochenende verdien’ ich mehr als du im ganzen Monat. Ich glaub, es macht Sinn, wenn ich das öfter mache.

Haben Sie die Lehre geschmissen?

Nein, die sollte ich zu Ende machen. Im Nachhinein ist es gar nicht so schlecht, kaufmännische Grundlagen zu haben.

Wenn Sie heute die Partys mit den angesagten DJs sehen wie Felix Jaehn etwa, sind Sie ein bisschen neidisch?

Nein, alles hat seine Zeit. Ich find’s toll, aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Ich hätte keine Lust mehr, so viel zu reisen. Meine Reise geht ja weiter, jetzt bin ich mit Orchester unterwegs auf Konzerttour.

Zwei Alben mit 90er Hits haben Sie aufgenommen, wie muss man sich die Aufführung vorstellen?

Etwa 30 klassische Musiker sind auf der Bühne, ich spiele selbst als Beatmaker, DJ und Dirigent auf der Bühne. Es ist eine Mischung aus elektronischer Musik und Klassik. Wir spielen nur Hits, wer da nicht mitgerissen wird, der hat Kopfhörer auf. Vielleicht bringe ich junge Leuten ja dazu, klassische Musik zuhören.

Wer kommt zu diesen Aufführungen?

Familien. Leute, die in den Neunzigern groß geworden sind.

Im Oktober soll das dritte Neunziger-Klassik-Album erscheinen. Sind die Neunziger dann durch?

Für mich ja, dann fehlt mir auch irgendwann die Lust. Dann habe ich die 45 Songs, die ich wirklich gut finde, neu aufgenommen.

Und danach?

Kommt wie immer was Neues.

Die Songs der 2000er?

Nein, das ist mir zu berechenbar, so bin ich ja nicht. Mir wird schon was einfallen.

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