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Kultur im Norden Sturm und Drang – Kulturtage an der Hafenkante.
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17:59 21.08.2019
Alexandra Seils und Raimund Pallusseck legen letzte Hand an ihre Ausstellung, die am 22. August im Schuppen 6 eröffnet wird. Quelle: Foto: Lutz Roeßler
Lübeck

Gut eine Woche lang waren die Künstler Alexandra Seils und Raimund Pallusseck an der Nordseeküste unterwegs. Die Tour führte das Paar von Friedrichskoog bis Niebüll. Ihr Kombi war bepackt mit Keilrahmen und Farben. Bei Wind und Wetter haben die beiden draußen gemalt. Ihre farbigen Skizzen auf Leinwand mündeten in ein Projekt, das sie ab dem 22. August sechs Tage lang unter dem Titel „Von Musen und Mächten“ im Schuppen 6 präsentieren – Malerei, Sprache und Musik verbinden sie zu einem spannenden Gesamtkunstwerk.

Ausstellung und Programm

Die Ausstellung„Von Musen und Mächten“ mit Werken von Alexandra Seils und Raimund Pallusseck wird am 22. August um 20 Uhr im Schuppen 6 eröffnet. Sie ist bis Dienstag, 27.8. täglich von 11 bis 19 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet, ausgenommen ist der Sonntag, geöffnet nur von 10 bis 15 Uhr.

Das Programm: Freitag, 23.8., 20 Uhr Rilke-Abend; Sonnabend, 24.8. , 20 Uhr Live-Malerei; Sonntag, 25.8., 16 Uhr Dichterlesung; Montag, 26.8., 11 bis 18 Uhr Druckgraphische Mappenwerke; Dienstag, 27.8. 20 Uhr, Uraufführung der Vertonung „Gesang der Geister über den Wassern“.

Tickets sind erhältlich an der Abendkasse, an allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.kunst-in--luebeck.de (zwischen 10 und 25 Euro, ermäßigt 5 bis 15 Euro).

Zum Auftakt werden rund 100 Werke, Bilder und Grafiken, von Alexandra Seils und Raimund Pallusseck im Mittelpunkt stehen. In den vergangenen zwei Jahren haben die Künstler die Eindrücke ihrer Küstentour verarbeitet: Wolken, Watt, Wasser, Weite und Blumen. Vehemente Erinnerungen an vergangene Sturmfluten.

„Scharfe Linien in schwarzer Nacht“

Was daraus im malerischen Prozess im Atelier entstanden ist, ist auf großen Formaten zwischen gegenständlich und abstrakt zu sehen: dramatische Farbexplosionen von Alexandra Seils in Öl, subtile farbstarke Schicht-über-Schicht-Bilder von Raimund Pallusseck, der Eitempera bevorzugt. Die gebürtige Ditmarscherin Seils und der aus Cuxhaven stammende Pallusseck geben ihre starken Verbundenheit mit ihrer Heimat, der innigen Nähe zu den rauen Elementen an der Küste Ausdruck. Pallusseck ist häufig zur See gefahren, Seils sagt: „Die Natur ist meine Muse.“ Beide sind leidenschaftliche Segler. „Der eisige Nord-West schreit scharfe Linien in die schwarze Nacht“ lautet das Motto zur heutigen Vernissage um 20 Uhr.

Experimentelle Musik

„Vom Dunkel zum Licht“ ist der Lyrik-Abend am Freitag überschrieben. Ungegenständliche Mezzotinto-Radierungen von Raimund Pallusseck werden an die Wand projiziert, dazu wird der Bariton Yannick Debus, Absolvent der Lübecker Musikhochschule, Rilke-Gedichte rezitieren. Die Performance wird in einen Teppich aus analogen und digitalen Klängen eingewoben: Sascha Sauerborn von der Musik- und Kunstschule Lübeck untermalt mit seiner experimentellen Musik die Radierungen und Gedichte.

Als „großes Abenteuer“ verstehen die beiden Künstler ihre Aktion, wenn sie am Sonnabend auf einer Bühne mit „großer Geste“ und Bühnenbesen eine zwei mal sechs Meter große Leinwand live parallel zur Musik nach Benjamin Brittens „Sturm“ aus der Oper „Peter Grimes“ bemalen. „Für uns eine absolute Premiere“, sagt Alexandra Seils; „das wird schon eine dramatische Geschichte“, ergänzt Raimund Pallusseck. Im Anschluss an die Action-Malerei unter dem Titel „Sturm kommt auf die Bühne“ werden sechs Bilder aus der großen Fläche im Format 50 mal 70 Zentimeter herausgelöst und versteigert.

Sprache, Malerei, Musik

Am Sonntagnachmittag („Frei wie das Meer“) werden ausgewählte großformatige Bilder von Alexandra Seils den Bühnenhintergrund zum Vortrag von Gedichten von Ute Olk bilden. Die Hamburger Lyrikerin lässt sich ebenso wie die Malerin von der Natur, insbesondere von Meer, Felsen und Sand inspirieren. Zur Sprache und Malerei kommt als dritte Dimension Musik dazu: Hajo Troch, Musiker aus Hamburg, begleitet die Dichterlesung auf seiner Gitarre.

Neben Malerei gehören Holzschnitte und Radierungen zum künstlerischen Schaffen von Raimund Pallusseck. Während der Öffnungszeiten im Schuppen 6 (11 bis 18 Uhr) wird er am Montag Besucher immer zur vollen Stunde durch eines seiner ausgelegten Mappenwerke führen: „Das Totenschiff“ nach B. Traven (Farbholzschnitte), „Die Winterreise“ - Wilhelm Müller und Franz Schubert (Farbradierungen), „Peter Grimes“ - Benjamin Britten (Kaltnadelradierungen), Nachtgedichte - Rainer Maria Rilke (Mezzotintoradierungen) und „Jenseits des Tweet“ - Theodor Fontane (Steindrucke).

Goethe, gesungen

Einen dramaturgischen Schluss- und Höhepunkt zu den Kunsttagen „Von Musen und Mächten“ setzt am Dienstag eine Uraufführung der Lübecker Komponistin Michèle Groß, ihr Vater ist der in der Schweiz lebende Komponist Klaus Cornell. Die Lübeckerin hat das Goethe-Gedicht „Gesang über den Wassern“ vertont, es singt die Sopranistin Jasmin Delfs, begleitet von Bo Boj Klupp am Klavier, beide von der Lübecker Musikhochschule.

Parallel zur Musik wird Raimund Pallusseck eine Glasplatte bemalen. Das wird von einer Kamera unter der gläsernen Fläche installierten Kamera gefilmt, die Bilder werden auf eine Leinwand projiziert. Das Gedicht, die Vertonung und die Malerei verbinden sich und interpretieren jedes auf seine Weise und doch im Einklang den Kreislauf des Lebens.

Von Dorothea Kurz-Kohnert

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