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Kultur im Norden Annäherung an Beethoven
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18:10 26.06.2018
Patricia Friza und Aleix Martínez tanzen während der Hauptprobe zum Beethoven-Projekt in der Staatsoper.
Patricia Friza und Aleix Martínez tanzen während der Hauptprobe zum Beethoven-Projekt in der Staatsoper. Quelle: Foto: Dpa

Licht und Schatten dominieren die fast leere Bühne. Links steht ein schwarzer, glänzender Flügel; rechts sitzt ein junger Mann mit nacktem Oberkörper, schwarzer Hose und einem weißen Halstuch - der Komponist Ludwig van Beethoven (1770-1827). Als der Pianist die ersten Takte der „Eroica“-Variationen anstimmt, beginnt er zu tanzen. Später windet er sich voller Leidenschaft, er scheint zu ringen mit sich und der Musik, scheint eins zu werden mit dem Flügel, bis er sich am Ende mit den Füßen in das Instrument hängt und laut aufschreit.

Entstanden ist eine Mischung aus Handlungs- und sinfonischem Ballett, das von großen Gefühlen erzählt und ihnen nachspürt. Musikalisch bilden die „Eroica“-Variationen, das Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ und die Dritte Sinfonie den Rahmen. Am Ende spendete das Publikum stürmischen Applaus im Stehen.

In der Rolle von Ludwig van Beethoven glänzt Aleix Martínez. Der 26-jährige Spanier sprüht nur so vor Energie und wirbelt mit beachtlicher Sprungkraft über die Bühne. Genauso gelingen ihm aber auch die stillen Momente, wenn er voller Verzweiflung mit sich ringt – besonders dramatisch, als sein Gehör langsam nachlässt. Im ersten, biografischen Teil stehen ihm Patricia Friza, Anna Laudere und Edvin Revazov zur Seite. Sie schlüpfen in verschiedene Rollen, sind Mentor und Förderer, die Beethoven immer wieder aufrichten – oder Musen, die ihn zu neuen Werken inspirieren.

Borja Bermudez verkörpert wohl seinen Neffen, um den Beethoven ein Leben lang kämpfte.

Der zweite, sinfonische Teil ist der „Eroica“-Sinfonie gewidmet. Beethoven wird zum Zuschauer, der seine Geschöpfe nur noch beobachtet und ab und zu das Orchester dirigiert (musikalische Leitung:

Simon Hewett). Der zweite Satz, ein Trauermarsch im langsamen Tempo, gehört Anna Laudere und Edvin Revazov: Die beiden ersten Solisten, auch im wahren Leben ein Paar, tanzen ein ergreifendes Pas de deux – schöner und verzweifelter kann ein Liebespaar nicht zusammen tanzen. Vielleicht sollen sie an Beethoven und seine „Unsterbliche Geliebte“ erinnern.

Die Hamburger Ballett-Tage sind jedes Jahr Abschluss der aktuellen Spielzeit. Das zweiwöchige Festival bietet einen Streifzug durch das Repertoire, darunter John Neumeiers jüngste Kreationen „Anna Karenina“, „Turangalila“ und „Duse“. Zum Abschluss der Ballett-Tage gibt es wie jedes Jahr die international besetzte fünfstündige „Nijinsky-Gala“ am 8. Juli.

Infos unter www.hamburgballett.de

LN