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Kultur im Norden Annette Dasch: Erst Wotersen, dann Bayreuth
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Annette Dasch: Erst Wotersen, dann Bayreuth
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16:37 08.08.2019
Sie braucht den Vergleich nicht zu scheuen: Die Sopranistin Annette Dasch springt für Anna Netrebko in Bayreuth ein. Am Sonnabend singt sie in Wotersen. Quelle: Foto: Klaus Weddig/SHMF
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Bayreuth

Irgendwie scheint das Publikum so recht ohnehin nicht daran geglaubt zu haben. „Habe es genau so kommen sehen“, schreibt eine Frau auf der Facebook-Seite der Bayreuther Festspiele. „Hat jemand wirklich geglaubt, dass Frau N. singt?“ fragt ein anderer. Frau N. singt nicht. Anna Netrebko hat ihr Debüt auf dem Grünen Hügel kurzfristig abgesagt. Sie sei zu erschöpft und folge mit der Absage „dringlichem ärztlichen Rat“.

Anna Netrebko sagt Auftritt in Bayreuth ab

Die Elsa im „Lohengrin“ in der Inszenierung von Yuval Sharon hätte die berühmte Sopranistin singen sollen – vor einem blauen Bühnenbild des Malers Neo Rauch. Es ist ein Part, für den die Festspiele sie schon seit längerem auf den Hügel holen wollten. Dazu kam es nicht.

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Dabei hatte sie kurz vorher – wenn auch mit Hilfe eines Teleprompters – als Elsa in Dresden debütiert. „Christian Thielemann hatte es mir eingebläut, dass es auf die Worte ankommt. Er sagte, er wolle keine musikalischen Linien von mir hören, er wolle Tttexssssttt hören! Vokale! Konsonanten! Elsa war wirklich hart.“ Mit Thielemann, dem Musikdirektor der Festspiele, sollte sie auch in Bayreuth zusammenarbeiten – und der hatte sich schon gefreut: „Sie ist eine hoch-professionelle Frau und eine sehr angenehme Kollegin. Ich sehe der Sache mit großer Freude entgegen.“

Bayreuth: Ein Heimspiel für Annette Dasch

Jetzt wird statt Netrebko die Sopranistin Annette Dasch bei den beiden Aufführungen am 14. und 18. August als Elsa auf der Bühne stehen. Für die 43-jährige Sängerin, die bereits von 2010 bis 2015 im Neuenfels-Lohengrin unter Dirigent Andris Nelson den Part der Elsa sang, ist das ein Heimspiel. „Ich habe hier viel Unterstützung. Große Teile des Orchesters und des Chors kennen mich. Es ist auch aufregend, ich habe die Rolle jetzt ein Jahr nicht gesungen – aber es fühlt sich gut an“, sagt Annette Dasch mit hörbarer Vorfreude. Den Vergleich mit Weltstar Netrebko braucht sie dabei nicht zu scheuen.

Annette Dasch ist eine der ganz großen Opernstimmen ihrer Generation. Die Tochter einer Gesangspädagogin und eines Gefängnisdirektors wuchs in einer musikalischen Familie auf, sang als Kind in Vokalensembles, lernte Klarinette, wollte erst Dachdeckerin, dann Rockstar werden – und entschied sich dann doch für ein klassisches Gesangsstudium. Auch ihre drei Geschwister sind Musiker. Im Jahr 2000 katapultierte sie sich mit dem Sieg in drei wichtigen Gesangswettbewerben, dem Maria-Callas-Wettbewerb, dem Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb und dem Concours de Genève, in die Weltklasse. Und war nicht mehr zu bremsen.

Gastspiel in Wotersen

Nur wenige Tage vor ihrem so kurzfristig anberaumten Gastspiel auf der großen Opernbühne in Bayreuth macht Annette Dasch beim SHMF Station. Das erste Mal seit zehn Jahren. Zusammen mit ihrer Schwester, der Pianistin Katrin Dasch, ist sie am Sonnabend zu Gast in Wotersen – im Programm „Matthias Schorn & Friends“ – mit Liedern von Spohr, Schumann und Schubert. Es sei Musik, die ihr in der Seele liege, sagt sie, Schuberts „Der Hirt auf dem Felsen“ habe sie auf der Klarinette gespielt, während ihre Mutter dazu gesungen habe. Matthias Schorn ist Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker. Die beiden kennen sich von einem Überraschungscoup, den ein TV-Team vor gut zehn Jahren für Annette Dasch inszeniert hatte: Sie sollte bei einer Probe der Wiener Philharmoniker Klarinette spielen, seitdem ist sie mit Schorn befreundet.

Konzert & Karten

Nach zehn Jahren wird die Sopranistin Annette Dasch am Sonnabend erstmals wieder beim SHMF zu Gast sein. „Matthias Schorn & Friends“ heißt das Programm am 10. August, 20 Uhr, beim Musikfest in Wotersen. Zu den Freunden, mit denen der Klarinettist in der Reithalle auftritt, gehören die Sopranistin Annette Dasch und die Pianistin Katrin Dasch.

Tickets zu 20 Euro sind erhältlich unter www.shmf.de und in den LN-Geschäftsstellen.

Damals habe sie erstmals Christian Thielemann erlebt, mit dem sie nun beim „Lohengrin“ in Bayreuth zusammenarbeitet, erzählt die Sopranistin. „Es war für mich ein fantastisches Erlebnis zu spüren, wie Thielemann das Orchester zu absoluter Aufmerksamkeit zwingt. Man fühlt sich getragen.“ Die Rolle der Elsa hat Annette Dasch längst verinnerlicht. Eine Herausforderung bleibt sie dennoch: „Gleich im ersten Akt singt Elsa ihre Arie. Man muss sofort ganz da sein und die allerschönsten Töne abliefern.“

Von B. Schultejans und R. Ley

07.08.2019
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