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Kultur im Norden 100 Exponate erzählen Lübecker Stadtgeschichte
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17:07 06.09.2018
Der historische Brunnen des Burgklosters ist in der langen Halle des Burgklosters zu besichtigen. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Wie stellt man 875 Jahre in einer Ausstellung dar? Am besten, indem man Geschichte in Geschichten erzählt, die an einer begrenzten Zahl von ausgestellten Gegenständen festgemacht sind. So präsentiert die große Schau zum Stadtjubiläum im Museumsquartier St. Annen und im Hansemuseum 100 unterschiedlichste Relikte aus den vergangenen 875 Jahren – ein gelungener Ansatz.

Es ist die Kunst des Weglassens, die diese Ausstellung auszeichnet. „Wir haben sehr lange gebraucht, um uns auf die 100 Objekte zu einigen“, sagte gestern Hans Wißkirchen, Leiter der Kulturstiftung der Hansestadt. „Das Ergebnis aber zeigt, dass wir den richtigen Weg gegangen sind.“ Zusammengearbeitet an dieser Ausstellung haben sämtliche Lübecker Kultureinrichtungen, aber auch Firmen wie Possehl oder Dräger, die Stücke aus ihren Sammlungen und Archiven beigesteuert haben. Insgesamt 600000 Euro kostet die Ausstellung, 200000 Euro hat die Stadt beigetragen – gut investiertes Geld.

Diese Geburtstags-Schau ist sinnlich ein Erlebnis, sie ist kurzweilig und lehrreich zugleich, was für sich schon eine Kunst ist. Empfangen wird der Besucher im Foyer der Kunsthalle vom berühmten und frisch restaurierten Eskimo-Kajak aus der Schiffergesellschaft. Dieses Kajak hat man zwar schon oft gesehen, aber nicht so aus der Nähe. Im dritten Stock der Kunsthalle ist ein schwarz umwalltes Kabinett aufgebaut, in dem sich ein Nachttopf befindet. Ein besonderer allerdings, denn innen auf dem Boden des Nachtgeschirrs ist eine Napoleon-Karikatur aufgedruckt. So konnte der Benutzer des Nachttopfes sicher sein, dem verhassten Korsen einen Segen von oben zu erteilen. Ausgehend von diesem skurrilen Stück wird die leidvolle Geschichte Lübecks in der Franzosenzeit erzählt: Geschichte in Geschichten eben.

Schlendert man weiter durch die Ausstellung, dann erlebt man den Wandel der Stadt vom Handelszentrum zum Industriestandort mit. Vom Mittelalter an, als Lübeck die zweitgrößte Stadt des Reiches war, bis in die NS-Zeit und zum Fall der Mauer reicht der Bogen, ein Ausstellungsgegenstand ist interessanter als der nächste. Die Werkspfeife der Metallhütte steht etwa für den industriellen Niedergang der Stadt, in der nach 700 Jahren plötzlich keine Schiffe mehr gebaut wurden, weil die letzte Werft dicht machte.

Den Dichtern und Schriftstellern Lübecks ist ein eigener Bereich der Ausstellung gewidmet. Emanuel Geibel, Thomas Mann, Günter Grass, sie stehen stellvertretend für die kulturelle Substanz der Stadt. Sogar Geibels Schreibtisch hat den Weg ins Museumsquartier gefunden – den von Thomas Mann hat man ja oft genug gesehen. Der letzte Brief von Erich Mühsam an seine Frau aus dem KZ Oranienburg gehört auch zu den Ausstellungsstücken – wem bei dieser Lektüre nicht die Tränen kommen, hat die Welt nicht verstanden.

Dieses Ausstellungskonzept ist aufgegangen, auch weil es nicht im Vergangenen stehen bleibt. In einer „Zeitkapsel“ genannten Installation machen sich Lübecker in Videos Gedanken über die Zukunft ihrer Stadt, die Erwartungen, Hoffnungen, aber auch die Befürchtungen sind sehr differenziert.

Auch didaktisch ist die Schau gelungen. Zu jedem gezeigten Objekt gibt es eine Infokarte, im Eintrittspreis enthalten ist eine Klammer, mit der man dann die 100 Karten bündeln kann. Oder man kauft sich gleich den gut gemachten Ausstellungskatalog, der auf durchschnittlich drei Textseiten noch genauere Auskunft gibt. Man kann diese Ausstellung im Museumsquartier St. Annen und in der Langen Halle des Burgklosters immer wieder besuchen, sich auf bestimmte Epochen konzentrieren oder sein ganz persönliches Lieblingsobjekt küren. Lübecker Geschichte einmal ganz anders, aber sehr zu empfehlen.

Zu sehen bis Januar 2019

Geöffnet bis Januar 2019 im Museumsquartier St. Annen Di–So 10 bis 17 Uhr (ab Januar 11- 17 Uhr und im Hansemuseum tgl. 10 bis 18 Uhr (außer 24. Dezember)

Preise: Erwachsene 12, erm. 10, Kinder 6 Euro.

Der Katalog ist für 19,80 Euro in den Museumsshops erhältlich.

Jürgen Feldhoff

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