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Kultur im Norden Zwischen Schrift und Malerei
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17:24 27.06.2019
„Als die Worte noch Zeit hatten“: Heidi Niehaus stellt ihre aktuellen Arbeiten zum ersten Mal in Lübeck aus. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Wenn es gut läuft, ist Heidi Niehaus für eine Weile nicht zu erreichen. Dann ist sie so in ihrer Kunst aufgehoben, dass sie das Außen nicht mehr wahrnimmt. Sie hat diese Zeiten neben der Zeit als Musikerin kennengelernt wie als Malerin und Kalligraphin. Die Ergebnisse dieser Versunkenheit kann man in der Lübecker Galerie K70 betrachten. „BLAU – kann Spuren von ROT enthalten“ heißt ihre Ausstellung.

Heidi Niehaus hat zu Beginn der 2000er Jahre zur Kalligraphie gefunden. In der Zeit nahe Bethlehem, wo ihr Mann Hans drei Jahre an einer Schule unterrichtete, hat sie mit dem Kalligraphen Yasser Saymeh gearbeitet. Grundlage für „Jiddarija“ waren Gedichte des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish. Auch jetzt geht sie in ihren Bildern von Text aus, aber sie haben einen anderen Charakter.

Fundsachen im Heft

Der Text, das kann eine Zeile sein, ein Wort oder ein Gedicht. Eine Passage wie „als die Worte noch Zeit hatten“ etwa. Oder Texte der Lyrikerin Rose Ausländer, die sie besonders schätzt. Etwas jedenfalls, das sie bewegt oder beschäftigt. Sie hat Hefte, in denen sie solche Fundsachen festhält. Dann legt sie bereit, was sie braucht, und macht sich ans Werk.

Sie arbeitet mit Tusche und Tinte. Sie lässt die Pinsel liegen und nimmt statt dessen eine feine Feder, den starken Karton von Passepartouts, ihr altes Oboenrohr oder zugeschnittenes Miscanthus-Gras. Sie schaut, welches Papier es sein soll: gestrichenes, das die Farben leuchten lässt, aber sie auch auseinander hält, kräftigeres oder gar eine Leinwand. Und dann überlässt sie sich ihren Vorstellungen und dem Zufall.

Augenblicke der Stille

Es ist eine intuitive Malerei, sagt sie und nennt es freie oder abstrakte Kalligraphie. Es halte sich jedenfalls „im Zwischenbereich“ auf. Sie schreibt die Zeilen oder Wörter wieder und wieder auf große Bögen und arbeitet sich so langsam vor zu dem, von dem sie oft genug noch gar keine rechte Vorstellung hat. Manchmal nimmt sie nur einen Ausschnitt davon, manchmal finden sich später allenfalls Spurenelemente von Text in den fertigen Bildern. Und fertig sind sie nicht unbedingt, wenn sie sie aus der Hand legt. Manchmal holt sie sie nach zwei Jahren wieder hervor, setzt etwas Orange dazu und ist erst dann zufrieden. Manchmal aber erinnert sie sich auch an den Satz Rafik Schamis, wonach die leeren Räume einer Kalligraphie „Augenblicke der Stille“ sind, und hält sich zurück. Signiert werden die Arbeiten dann mit Nikal, was Niehaus und Kalligraphie verbindet.

Jeden Tag Geschenke

Es geht bei den Texten nicht darum, was sich der Autor gedacht hat, sagt sie. Jedenfalls nicht nur. Mindestens genauso wichtig ist das, was sie selbst dabei empfindet oder erlebt. Es ist beides. Und dabei lässt sie sich gern vom Zufall und dem geheimen Eigensinn des Prozesses an die Hand nehmen. „Natürlich könnte ich es steuern“, sagt sie. „Aber es fällt mir so viel zu. Das ist doch schön, wenn man offen ist für das, was da kommt. Da wird mir doch jeden Tag etwas Neues geschenkt.“

Info: Die Ausstellung im K70 (Engelsgrube 70) wird am 5. Juli um 18 Uhr eröffnet und läuft bis zum 27. Juli. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 16 bis 19 Uhr, Sonnabend 11 bis 14 Uhr.

Peter Intelmann

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