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Kultur im Norden Oskar Kokoschka in Eutin
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17:45 28.02.2019
Museumsdirektorin Julia Hümme in der Ausstellung.
Museumsdirektorin Julia Hümme in der Ausstellung. Quelle: Ostholstein Museum
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Eutin

1965 hat Heinz Spielmann Oskar Kokoschka kennengelernt. In Hamburg war das, am Museum für Kunst und Gewerbe. Bald darauf fing er an, Kokoschka zu sammeln, und dann hat er damit nicht wieder aufgehört. Im Eutiner Ostholstein-Museum sind jetzt 140 Zeichnungen und Grafiken aus der Sammlung zu sehen. Am Sonntag, 3. März, wird die Ausstellung eröffnet.

Leinwand und Bühne

Oskar Kokoschka (1886-1980) war Maler, hat aber auch Dramen geschrieben und Bühnenbilder und Kostüme entworfen. Der Architekt Adolf Loos hat ihn gefördert, die Liaison mit Alma Mahler hat ihn fast verrückt gemacht. Er emigrierte 1938 nach England und lebte ab 1953 bis zu seinem Tod in der Schweiz. „Er ruhte völlig in sich“, sagt der Hamburger Sammler Heinz Spielmann (Foto), der am Sonntag, 3. März, bei der Ausstellungseröffnung (11.30 Uhr) anwesend sein wird.

Die Ausstellung läuft bis zum 16. Juni. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr (ab 1. April 11 bis 17 Uhr) Sonnabend, Sonntag und Feiertag 11 bis 17 Uhr. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

„Kokoschka auf Reisen“ ist sie betitelt und umfasst im Wesentlichen die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1974. In Griechenland ist er da gewesen, in Italien, Nordafrika, London und New York, in Hamburg und Berlin, zuletzt in Israel. Von all diesen Stationen werden Arbeiten gezeigt, schwarzweiß zumeist, aber auch einige farbige Blätter. Auf eine chronologische Ordnung habe man verzichtet, sagte Museumsdirektorin Julia Hümme.

Reise-Skizzen und Selbstporträts

Pferdestudien sind dort zu sehen, Szenen aus Apulien, der Kamelmarkt von Marrakesch. Die Hochhaus-Stalagmiten von Manhattan begegnen den Ruinen des klassischen Griechenland. Es gibt zahlreiche Selbstporträts, daneben hängt ein Butt, als hätte Günter Grass Hand angelegt, und in einer Vitrine liegen Skizzen von einem Besuch beim Zirkus Bonglione 1951 in Hamburg. In die Hansestadt war Kokoschka 1926 zum ersten Mal gereist, nach einer Visite bei seinem Freund, dem damaligen Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise, und dann ist er immer wieder gekommen.

1886 in Österreich geboren, hat Kokoschka nach der Wiener Kunstgewerbeschule zunächst eine Nähe zum Jugendstil gehabt, bevor er zu einem der wegweisenden Expressionisten wurde. „Ekstase als Stil“ hat die „Zeit“ einen Nachruf überschrieben, als er 1980 mit fast 94 Jahren starb. Aber davon ist in den ausgestellten Zeichnungen wenig zu spüren. Mit sicherer Hand sind diese Skizzen aufs Papier geworfen, oft reichen ihm wenige Linien, um mehr als genug gesagt zu haben. Trotzdem war seine Arbeit wohl von einiger Rasanz. „Er liebte es, sehr schnell zu zeichnen“, sagte Heinz Spielmann.

„Ich weiß nur von mir“

Der Kunsthistoriker, der unter anderem das Schleswig-Holstenische Landesmuseum Schloss Gottorf geleitet hat und Gründungsdirektor des Bucerius Kunst Forums in Hamburg war, hat Kokoschka über Jahrzehnte begleitet. Er hat dessen Werke gesammelt, er hat Kokoschka-Schriften herausgegeben, er war von ihm beeindruckt. „Er war von allen derjenige, der am meisten er selbst war“, hat er in einem Interview gesagt. „Kokoschka war ein großer Maler. Aber für mich war er in erster Linie nicht der geniale Künstler, sondern ein genialer Mensch. Jemand, der mit sich und der Welt völlig im Reinen war.“ Er habe sich an die Brust geschlagen und gesagt: „Ich weiß nur von mir.“

Aus der Sammlung des Ehepaars Spielmann, die weit mehr als nur Kokoschka umfasst und in die auch die Tochter eingebunden ist, ist eine Stiftung geworden. Die Werke werden in großen Häusern gezeigt, die Stiftung soll Kunst aber gerade auch in kleinere Städte bringen, sagte Heinz Spielmann. Die Eutiner Ausstellung sei so inzwischen die 21. Im Übrigen sei Kokoschka vor 30 Jahren schon einmal in Eutin gezeigt worden, seinerzeit noch von Schloss Gottorf aus und von Siegfried Lenz eröffnet. Kokoschka habe über alles die Freiheit geschätzt und sei jederzeit bereit gewesen, sie zu verteidigen. „Er dachte und er lebte über den Tellerrand hinaus.“

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Peter Intelmann