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Kultur im Norden Als die Migranten Deutsche waren
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12:00 07.07.2019
Sie sind die Nachfahren von deutschen Auswanderern – ihre Porträts sind jetzt Teil der Ausstellung im Auswanderermuseum Ballinstadt in Hamburg. Quelle: Fotos: Marion Hahnfeldt
Hamburg

Wenn man an Stapeln von Koffern und anderem Reisegepäck vorbei, über Stege um einen eisernen Schiffsrumpf herum den altdeutsch anmutenden Flüchtlingsgruppen entkommen ist (es sind nur Puppen!), stößt man auf ein Zitat des rastlosen Musikers Franz Liszt: „Glücklich, wer mit den Verhältnissen zu brechen versteht, ehe sie ihn gebrochen haben.“

Hier geht’s zur Ausstellung

Das Auswanderermuseum Ballinstadt am Veddeler Bogen in Hamburg wurde 2007 eröffnet am Ort, an dem der Hapag-Reeder Albert Ballin 1901 Hallen für Auswanderer hatte errichten lassen. Die neuen Gebäude sind Kopien der alten Massenunterkünfte.

Geöffnet täglich von 10 – 18 Uhr; www.ballinstadt.de

Der Satz steht an einer Wand des Hamburger Auswanderermuseums Ballinstadt, und damit ist klar: Er ermutigt Menschen, aus Notlagen zu fliehen, zu migrieren. So wie es zurzeit 258 Millionen tun. Der Staat mit der höchsten Zahl an Migranten sind immer noch die Vereinigten Staaten, 50 Millionen Menschen geben dort an, nicht im Land geboren worden zu sein, etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Und selbst diejenigen, die seit Generationen auf dem nordamerikanischen Kontinent leben, sind sich ihres Migrantenstatus noch bewusst.

Wissen, was die Geschichte mit einem macht

Marion Hahnfeldt, Journalistin und ehemalige LN-Redakteurin, hat einige der Nachfahren der fünf Millionen Deutschen, die zwischen 1850 und 1930 in die USA ausgewandert sind, besucht und sie gefragt, was sie über ihre familiären Wurzeln wissen. Ein Teil der Auskünfte, die Hahnfeldt von ihrer dreimonatigen Reise in den Mittleren Westen mitgebracht hat, kann man seit dieser Woche in einem Raum des Museums Ballinstadt sehen, lesen und auch hören.

Zum Beispiel John Schmidt, Sänger und Mennonit aus Ohio, dessen Urahnen vor fünf Generationen in die USA kamen. „Mir kenna Dutch schwätza“, versichert er. Und dass diese Sprache, das sogenannte „Pennsylvania Dutch“, „frozen in time“ sei, also konserviert seit langem. Das sagt auch Don Zamzow (82) aus Berlin in Wisconsin, seine Familie ist 1856 aus Deutschland herübergekommen. Er bewahrt deutsches Kulturgut, indem er gemeinsam mit seinem Sohn Bier braut, „German Lager“.

Auch in den Lübecker Nachrichten hat die Reporterin Marion Hahnfeldt über die Amerikaner mit deutschen Wurzeln berichtet: „New Holstein: Als Deutsche den American Dream erfanden“.

„I am somebody. I belong“

„Wissen, woher man kommt, wissen, was die Geschichte mit einem macht, das sind so die Dinge, die diese Leute umtreiben“, sagt Marion Hahnfeldt. John Schmidt habe ihr gesagt, mit welchen Gefühlen er das erste Mal am Grab seines Ur-Ur-Großvaters im Badischen stand: „I am somebody. I came from some­where. I belong.“ Er habe eine Herkunft, also sei er auch ein zu achtender Mensch.

Hören kann man auch die 90 Jahre alte Betty Naftzinger aus Pennsylvania. Sie hat sich das Jodeln beigebracht, und auch wenn die Stimme brüchig geworden ist, singt sie mit Leidenschaft und leuchtenden Augen. Manche berichten aber auch von Anfeindungen, dass sie als „little Nazis“ beschimpft worden seien, dass Nachbarn, die keine deutschen Vorfahren hatten, ihnen lange mit Vorurteilen begegneten.

Langsame Annäherung an die Neue Welt

Marion Hahnfeldt hatte ihre Expedition ins deutsche Amerika mit dem Frachtschiff von Bremerhaven aus gestartet, die langsame Annäherung an die Neue Welt war ihr wichtig. Ihr Interesse: „Migration erlebbar machen. Persönliche Schicksale erzählen. Wege nachzeichnen.“ Der Raum, den die Ballinstadt nun ihren Fotos, Filmen und Audioaufnahmen widmet, ist begrenzt. Eine Art Kiosk ist Hörstation, Projektionsstand und Halterung von Texttafeln. Ihre gesamte Ausbeute an „German Heimat“ hat Hahnfeldt im Internet platziert. Unter der Adresse https://threemonths.de/blog/ lässt sich ein ganzer Kosmos an Geschichten über deutsche Migrationserfahrung und das Leben der Nachkommen erforschen. Sie alle eint, dass sie sich trotz macher Widrigkeiten in neue Verhältnisse einleben konnten und – in Sinne Franz Liszts – in der neuen Heimat nicht gebrochen wurden.

Michael Berger

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