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Kultur im Norden BER: Flughafen-Kunst ohne Publikum
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15:57 14.01.2020
Der „Magic Carpet“ (Magischer Teppich) von Pae White hängt unter der Decke der Check-in-Halle des künftigen Hauptstadtflughafens. Quelle: NADINE PENSOLD
Schönefeld

Über den Check-in-Schaltern in der Abflughalle des künftigen Hauptstadtflughafens BER schwebt ein riesiger roter Teppich. 37 mal 27 Meter misst die Installation, die die US-amerikanische Künstlerin Pae White entworfen hat. Der 4,5 Tonnen schwere „Magic Carpet“, der an 150 Seilen befestigt wurde und aus rund 500 Einzelelementen besteht, soll ein schwebender Willkommensgruß für Reisende sein, die Schwelle zwischen dem Drinnen und Außen markieren.

Einsames Dasein im Terminal

Nur wenige konnten bisher einen Blick auf das imposante Objekt werfen, denn so lange der Flughafen nicht eröffnet ist, fehlt das Publikum für die große Kunst. Bis zum Herbst 2020 fristen die Werke also noch ein einsames Dasein an ihren Standorten im Terminal. Zwei Millionen Euro wurden beim Bau des BER für Werke nationaler und internationaler Künstler ausgegeben. Warum? In Deutschland gibt es eine Verpflichtung, dass bei öffentlichen Bauwerken auch in Kunst investiert werden soll. In der Regel bemessen sich diese Ausgaben auf 0,5 bis 1,5 Prozent der Gesamtbausumme. Ein entsprechendes Kunst-am-Bau-Verfahren wurde 2009 von der Flughafengesellschaft initiiert, Wettbewerbe für verschiedene Bereiche des BER wurden ausgelobt.

An der Fluggastbrücke, die einmal zum A 380 führen soll, befindet sich das Kunstwerk „Gadget“ des in Berlin lebenden Künstlers Olaf Nicolai. Quelle: NADINE PENSOLD

Heute verteilen sich sechs Installationen über den Großflughafen. Eines eint sie: Thematisch beschäftigen sie sich mit den Komplexen Luft und Land. Der in Japan geborene und in Berlin lebende Künstler Takehito Koganezawa verbindet die beiden Sphären in seiner „Open Sky Box“, die sich in den Durchgängen zwischen dem Security-Bereich und der Markthalle befindet. Diese Lichtbox wird nach dem Zufallsprinzip beleuchtet und soll auf abstrakte Weise die Reise vorwegnehmen. Die Installation „Gadget“ von Olaf Nicolai hat sich bereits den Beinamen Perlenarmband eingebracht. Sie schmückt die Fluggastbrücke, an der einmal der A 380 andocken soll. Eine Vielzahl von wechselnd leuchtenden Kugeln soll verschiedene Stationen markieren – von der Ankunft des Flugzeugs über das Boarding bis hin zum Take-off.

Das namenlose Kunstwerk des New Yorker Kunstschaffenden Matt Mullican werden Flughafennutzer nach der Eröffnung an den verglasten Teilen zweier Treppenaufgänge bewundern können. Die beiden Pavillons befassen sich mit der Symbolik von Himmel und Kosmologie einerseits und andererseits mit Objekten, die einen Bezug zu Berlin und Brandenburg haben.

Wer den „Sterntalerhimmel“ des Künstlerduos STOEBO entdecken will, der wird seinen Blick nach unten richten müssen. Denn für dieses Werk wurde jede Menge Geld im Boden des Flughafens versenkt. Auf zwei Flächen wurden insgesamt 5000 Münzen aus aller Welt in die Bodenfliesen eingearbeitet. Um so die Sternbilder der Nachthimmel der südlichen und der nördlichen Hemisphäre nachzuzeichnen.

Von einem Flughafen-Kunstwerk wird man lediglich Spuren am BER entdecken können. Denn bei „Gate X“ handelt es sich um eine virtuelle Parallelwelt, die Björn Melhus erschaffen hat. Eintauchen kann man dort mit Hilfe einer App. Dazu muss man allerdings aufmerksam durch das Terminal schreiten, um die QR-Codes zu finden, die Einlass in diesen digitalen Teil des Flughafens gewähren sollen.

Kunst am Bau am Flughafen BER, Gate X von Björn Melhus. Quelle: NADINE PENSOLD

Seit der Installation der Kunstwerke sind nicht nur einige Jahre ins Land gezogen, sondern auch die geschätzten Baukosten erheblich gestiegen. Aus den ursprünglich einmal kalkulierten zwei Milliarden Euro sind mittlerweile mehr als sieben Milliarden geworden. Würde von der Differenz nur 0,1 Prozent für Kunst verwendet werden, es wären weitere fünf Millionen Euro für kreative Elemente am Airport. Doch das wird nicht passieren. „Die Ausgaben für Kunst am Bau orientieren sich an den ursprünglichen Baukosten des Projekts“, erklärt Daniel Tolksdorf, Sprecher der Flughafengesellschaft. Während das Hauptterminal mit unterschiedlichsten Kunstwerken ausgeschmückt wurde, wird es im gerade im Bau befindlichen Terminal 2 überhaupt keine Kunst am Bau geben, bestätigt er auf Nachfrage.

Dauerbaustelle BER

Seit 2006wird er gebaut, 2011 sollte er ursprünglich in Betrieb gehen. Daraus wurde nichts. Die Geschichte vom Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER schien mitunter als Never-ending-Story.

Am 31. Oktober 2020, mit neun Jahren Verspätung, soll es nun endlich soweit sein und der BER in Betrieb gehen. In dieser Zeitspanne ist ein teil der verbauten Technik des als „modernster Flughafen Europas“ gepriesenen Baus schon wieder veraltet. Dafür sind die Kosten ninzwischen von zwei Milliarden auf fast sieben Milliarden Euro gestiegen.

Von Nadine Pensold

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