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Kultur im Norden „Ich habe immer daran geglaubt“
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06:00 30.06.2019
Ben Zucker: „Visionen und Träume sind mein Überlebenselixir.“ Quelle: GVM
Berlin

Er singt wirklich sehr schön markant und rauchig, zugleich sind die Songs auf seinem ersten Album „Na und?!“ sowie auf der neuen Platte „Wer sagt das?!“ so positiv, allgemeingültig und trivial, dass sich alle, die mögen, darin wiederfinden. Ein Gespräch über Geld, Groupies, Grundvertrauen.

Ben, du singst im Titellied die Zeile „Wer sagt, dass es falsch ist, auf sein Glück zu vertrauen?“ Deine Erkenntnis aus den vergangenen zwei Jahren?

Ja, das kann man eindeutig so sagen. Wobei ich denke, dass dieser Satz nicht nur für mich gilt, sondern für uns alle.

Wie meinst du das?

Wenn ich bei uns das Tagesgeschehen oder irgendwelche Diskussionen wahrnehme, dann fällt mir immer wieder auf, dass wir Deutschen zu so einem „Das geht nicht“, „Die anderen haben gesagt, das darf man nicht“ oder diesem „Wir schaffen das doch sowieso nicht“ neigen. Ich wundere mich wirklich, warum wir immer so negativ sind. Man kann doch sehr wohl Dinge erreichen und Sachen schaffen.Vielleicht bin ich irgendwo naiv und blauäugig, aber ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, dieser negativen Einstellung meinen Optimismus entgegenzuhalten. Visionen und Träume sind mein, sind unser, Überlebenselixir. Und ich habe mir ganz bestimmt von niemandem meine Träume verbieten lassen.

„Ich bin jetzt 30, da muss langsam mal was kommen“

20 Jahre lang hast du vergeblich versucht, als Musiker Fuß zu fassen. Du hast in Rockclubs unter anderem als Toilettenputzer gearbeitet. Hast du nie die Geduld mit dir selbst und deiner Situation verloren?

Diesen Gedanken „Ich bin jetzt 30, da muss langsam mal was kommen“, den hatte ich schon. Gleichzeitig hatte ich so viel Energie und Zeit und Herzblut in meine Musik gesteckt, dass ich nicht einfach zurückrudern oder gar aufgeben konnte. Ich wollte mir nicht mit 50 den Vorwurf machen müssen, nicht alles versucht zu haben. Ich wollte es wirklich bis zum letzten probieren und nicht wie ein frustrierter alter Sack enden, der allen anderen die Schuld an seinem Scheitern gibt. Und ja, ich habe immer daran geglaubt, dass sich für mich noch was Geiles ergeben wird.

Dein erstes Album hat sich eine halbe Million mal verkauft. Was machst du mit dem Geld, das du plötzlich verdienst?

Früher hatte ich immer Angst, dass aus dem Bankautomaten nichts mehr rauskommt. Diese Angst muss ich heute nicht mehr haben. Ich bin bescheiden geblieben, Kohle zu verprassen, das passt auch nicht zu mir. Dieser bodenständige, erdige Typ, der ist ja nicht gespielt, das bin ich wirklich. Hier und da habe ich mir vielleicht ein bisschen was gegönnt, unter anderem eine größere Wohnung. In Berlin-Mitte, dort, wo ich aufgewachsen bin.

Zuhause in Berlin Mitte

Den meisten ist Mitte zu voll und zu touristisch.

Ich weiß. Viele sagen „Da kann doch keiner wohnen.“ Aber ich kann zwischen den ganzen Touristen und Abgeordneten ganz gut unsichtbar sein, ich falle in Mitte nicht groß auf. Und es ist tatsächlich meine Heimat, mein Zuhause. Ich bin in einem Plattenbau ganz in der Nähe vom Hotel Adlon aufgewachsen, meine Grundschule war am Brandenburger Tor.

Der Song „Mein Berlin“ klingt entfernt nach Pop-Techno, was ungewöhnlich ist für dich.

Mit elektronischer Musik kann man Berlin sehr gut beschreiben. Der Song sollte eine gewisse Power und Dynamik haben. Inhaltlich ist da jetzt kein sinnloser Tiefgang drin. Sondern: Berlin war mal kaputt und geteilt, heute ist es eins und geil.

Kennst du dich denn aus in den Berghains und KitKatClubs der Stadt?

Nein. In keinem der beiden Läden bin ich bisher gewesen. Ich habe auch noch nie Drogen genommen. Mit diesem Clubleben, Freitagabends rein und Montagmorgens wieder raus, kann ich gar nichts anfangen. Mein Ding waren mit 17, 18 eher die Grungerock-Schuppen, damals hatte ich auch noch lange Haare. Heute gehe ich lieber mit meinen Jungs in die Bar. Oder bleibe zuhause und mache Computerspiele – dabei kann ich am besten entspannen.

Hast du viele Freunde?

Ich habe meinen Freundeskreis immer gepflegt. Viele meiner Jungs kenne ich schon sehr lange. Und mit jedem einzelnen verbinde ich tolle Geschichten. Genau wie meine Eltern, versuche ich meine Freunde so oft es geht zu sehen.

Und Mama hat geweint

„Wären alle so wie du“ hast du deiner Mutter gewidmet. Du sagst im Text, sie mache sich heute noch Sorgen um dich.

Machen sich nicht alle Mütter Sorgen um ihre Kinder? Meine Mama ist Krankenschwester, die ist immer besorgt (lacht). Sie guckt, dass ich gesund bleibe, dass die Stimme intakt ist, dass ich nicht abhebe. Sie kennt mich ja und weiß, dass ich trotz des Erfolgs nicht durchdrehe. Eigentlich bin ich heute mehr auf dem Boden als je zuvor. Der Zuspruch für meine Musik hat so eine große Ruhe in mir ausgelöst, ich bin richtig entspannt.

Du hast ohne große Pause durchgearbeitet, oder?

Mein Manager achtet darauf, dass ich auch mal frei mache. Aber ich habe tatsächlich schon während der letzten Tournee erste neue Songs geschrieben und herausgearbeitet. Eine Nummer, „Du warst immer dabei“ habe ich dann aber wirklich auf den allerletzten Drücker aufgenommen. Ich war über Ostern an der Küste, in Ueckermünde, also dort, wo ich zur Welt kam, als mich mein Produzent bat, noch schnell eine letzte Strophe aufzunehmen. Also bin ich nach dem Essen schnell hoch in mein Pensionszimmer und habe, leicht angeheitert, das Stück fertiggesungen.

Bist du noch oft in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern?

Hin und wieder ja. Ich fühle mich sehr wohl an der Küste. Bis ich 17, 18 war, haben wir sämtliche Oster- und Sommerferien dort verbracht.

Und was hält deine Mutter von „Wären alle so wie du“?

Sie ist schwer gerührt. Sie hat geweint, als ich ihr das Lied vorgespielt habe.

Im Herbst tourst du zum ersten Mal allein durch die großen Hallen des Landes. Ist das noch mal ein Schritt?

Ein riesiger. Ich habe in den Arenen bisher mit anderen tollen Künstlerinnen wie Helene Fischer gespielt. Nun zu erleben, dass die Leute wegen mir kommen, das ist fantastisch.

Mit Helene Fischer bist du letzten Sommer auch auf Stadiontour gewesen. Wie nah kommt man sich bei solchen Riesenkonzerten eigentlich?

Wir sind gute Kumpels, Helene und ich. Wir telefonieren immer mal wieder oder schreiben uns.

Helene und Florian Silbereisen haben sich für Außenstehende überraschend getrennt. Warst du mit Rat, Tat oder Trost zur Stelle?

Da halte ich mich komplett raus. Mit Florian bin ich noch enger, wir sind Freunde, mit ihm habe ich natürlich darüber gesprochen. Ich kann beiden nur das Beste wünschen. Beide sind erwachsen, ich bin keine moralische Instanz. Beiden geht es gut, beide sind wohlauf. Wo die Liebe hinfällt.

„Ich kann einer Partnerin mein Leben gerade nicht antun“

Auf deinem neuen Album ist ein Song über ein getrenntes Paar, das sich wieder annähert. „Wir lieben uns wieder“ heißt der. Ist das Lied von einer konkreten Beziehung inspiriert?

Nicht nur von einer. Man erlebt das ja immer wieder, dass man denkt „Warum haben wir uns jetzt eigentlich getrennt? Es war doch alles super. Was für ein Mist“. Aktuell stecke ich in einer solchen Situation aber nicht.

Letztes Jahr hast du erzählt, Single zu sein. Ist das noch so?

Ja. Ich bin offen, was Frauen angeht, aber nicht fest gebunden. Vielleicht lerne ich mal ein Mädel kennen, aber ich bin da ganz entspannt. Ich kann einer Partnerin mein Leben gerade nicht antun. Bei mir ist alles schön und lustig und es passiert total viel, aber es wäre einer Frau gegenüber unfair, weil ich zeitlich und emotional einfach nicht so richtig zur Stelle sein könnte.

Gibt es noch die klassischen Groupies?

Ja, die gibt es noch. Gerade im Schlagerbereich triffst du gelegentlich auf Frauen, die sehr energisch sind. Als Straßenbengel, der gut mit Menschen umgehen kann und nicht überheblich ist, löse ich solche Situationen, in denen mir Fans etwas zu nah kommen, aber meist sehr gut auf. Ich bleibe cool, und die Frauen merken dann, dass ich ein ganz normaler Typ bin, und nicht Superman.

Die Hochzeitsballade „Ja, ich will“ hat also mit deinem persönlichen Leben gerade nichts zu tun.

Nein, vom Heiraten bin ich weit entfernt. Der Song ist eher als Trittbrett für die Sorte Männer gedacht, die sich ein bisschen schwer damit tut, über ihre Gefühle zu reden. Aus eigener Anschauung würde ich sagen, das ist der überwiegende Teil.

Du selbst gehörst vermutlich nicht zur eher verschlossenen Art von Mann?

Nein, ich fresse nichts in mich hinein und rede sehr offen mit Freunden, auch Frauen, speziell meiner Mutter. Ich weiß aber auch, wann ich besser meine Schnauze halte.

Beim Thema Politik zum Beispiel? Auf dem Album ist jedenfalls kein politisches Statement zu entdecken. Passt das nicht in die Ben-Zucker-Welt des positiv-zwischenmenschlichen Grundgefühls?

Die Politik halte ich raus. Auch, weil ich das ewige Gemecker und Genörgel über dieses und jenes in Deutschland überhaupt nicht verstehen kann. Uns geht es gut, wir haben 68 Marmeladensorten im Supermarkt, es gibt nur wenige Länder, in denen die Menschen so satt, so wohlhabend und doch so genervt von allem sind. Ich kann mich auch einfach nicht über die Politik aufregen. Ich habe noch nie den Eindruck gehabt, dass die Politiker etwas entscheiden, das mir wirklich schadet. Du kannst in Deutschland wirklich super entspannt leben.

On Tour

Energie und Emotionen gibt’s auch auf Ben Zuckers zweitem Album „Wer sagt das?“, das Anfang Juni mit 13 neuen Songs erschienen ist (Airforce 1 Records).

Am 4. Juli ist er um 20 Uhr auf dem Gelände der Kulturwerft Gollan in Lübeck live mit Band zu erleben. Am 5. Juli gastiert er beim Bassum Openair nahe Bremen, am 6. Juli in Husum am Schloss.

Karten gibt es für alle Auftritte im LN-Ticketshop unter https://tickets.ln-online.de/

Du bist also zufrieden mit den Verhältnissen?

Ja. Wenn du dich an ein paar Spielregeln hältst, ist alles cool. Sicher kann man sagen „Oh je, die Mieten in Berlin sind zu hoch“. Aber das waren sie zum Beispiel in Stuttgart, Hamburger oder München schon immer. Nur mal zum Vergleich: Ich habe mein letztes Video in Südafrika gedreht, ein wunderschönes Land, ganz tolle Strände, wir wohnten in einem herrlichen Haus mit Pool. Aber alles wird bewacht, überall Sicherheitsleute, Stacheldraht und Hunde. Ich finde diesen Kontrast, der ja letztlich den Kontrast zwischen sehr reich und sehr arm widerspiegelt, völlig absurd und viel zu extrem.

Was für Leute kommen eigentlich zu einem Ben-Zucker-Konzert?

Das kann wirklich jeder sein. Von 8 bis 88, vom Arzt bis zum Bauarbeiter, total querbeet und gemischt. Es sind alles Menschen, die ehrliche, erdige Musik mit echten Emotionen lieben.

Steffen Rüth

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