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Kultur im Norden Bento in Lübeck: „Mit jedem Stück eine neue Welt erschaffen“
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Bento in Lübeck: „Mit jedem Stück eine neue Welt erschaffen“

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09:00 29.06.2021
Nora-Elisa Kahl (28) und Patrick Huss (29) sind die Keimzelle des Ensembles Bento.
Nora-Elisa Kahl (28) und Patrick Huss (29) sind die Keimzelle des Ensembles Bento. Quelle: SHMF / Hanno Kabel
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Timmendorfer Strand

Moana (17), Johanna (15), Junia (14) und Clara (16) gehen auf Gymnasien in Lübeck und Eutin. Für ihre erste Sommerferienwoche hatten sie sich etwas Besonderes vorgenommen: Sie haben an dem Projekt „Schreibmatrosen“ des Schleswig-Holstein Musik Festivals teilgenommen. Am Sonnabend haben sie zusammen im Maritim Timmendorfer Strand das Konzert des Ensembles Bento gehört. Junia und Johanna interviewten anschließend Nora-Elisa Kahl (28) und Patrick Huss (29), Clara und Moana schrieben jede eine Rezension des Konzerts.

Keimzelle der Band an der Musikhochschule Lübeck

Die Harfenistin Nora-Elisa Kahl und der Percussionist Patrick Huss lernten sich an der Musikhochschule Lübeck kennen und fingen an, zusammen Musik zu machen. Das war die Keimzelle des Oktetts Bento, das am Sonnabend zum ersten Mal bei Jazz Baltica auftrat. Im Interview erklären Kahl und Huss, was die Pandemie für sie bedeutet hat, was imaginäre Folklore ist und wie aus einer Harfenistin eine Jazzmusikerin wird.

Wie fühlt ihr euch damit, dass es jetzt nach Corona wieder los geht?

Nora-Elisa Kahl: Wir haben etliche Livestreams gespielt, um überhaupt zusammen Musik zu machen. Aber wenn da wirklich Menschen sitzen, ist es ein ganz anderes Gefühl.

Die Teilnehmerinnen des Projekts „Schreibmatrosen“ beim Festival Jazz Baltica, v. l.: Junia Fürter (14), Johanna Prochnow (15), Moana Kalettka (17), Clara Maetzel (16). Quelle: SHMF / Hanno Kabel

Was macht euch nervöser: mit Publikum zu spielen oder ohne?

Patrick Huss: Das ist bei mir, glaube ich, egal. Aber es macht einen Unterschied, ob alles gefilmt wird. Wenn alles aufgezeichnet wird und für immer da ist, wird es schwierig, die Leichtigkeit zu behalten, die man hat, wenn man weiß: Das passiert jetzt nur heute.

Musiker in Pandemie-Zeiten: „Immer wieder Tiefpunkte“

Hat sich die Pandemie auf das Musikschreiben ausgewirkt?

Huss: Ich habe ein ganzes neues Programm geschrieben, das sich mit der Situation der Pandemie auseinandersetzt. Egal wie emotional gefestigt man ist, hat man immer wieder Tiefpunkte. Man vergisst, wie das eigentlich ist, ein Konzert vor Leuten zu spielen.

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Woher kommt die Inspiration für eure ungewöhnliche Musik?

Huss: Nora und ich haben uns im Studium in Lübeck kennengelernt. Wir hatten die Idee, zusammen Musik zu machen. Aber dann ist uns aufgefallen, dass es keine Kompositionen für Harfe und Percussion gibt. Wir haben angefangen, Sachen für uns zu arrangieren, und ich habe dann auch angefangen, selbst für diese Besetzung zu schreiben. Später bin ich nach Hamburg gegangen, um Jazz zu studieren. Dort habe ich neue Leute kennengelernt, mit denen ich zusammen Musik machen wollte, und daraus hat sich dieses Projekt entwickelt. Die Einflüsse dazu waren vor allem Jazz und Folklore.

Die Schülerinnen Johanna Prochnow (l.) und Junia Fürter interviewen während des Festivals Jazz Baltica Nora-Elisa Kahl und Patrick Huss, die Gründer der Band Bento. Quelle: SHMF / Hanno Kabel

„Mit jedem Stück eine neue Welt erschaffen“

Auf eurer Website erwähnt ihr den Begriff „Imaginäre Folklore“. Was bedeutet das?

Huss: Der Begriff steht dafür, dass man die Folklore einer erdachten Welt erschafft: Ich versuche, mich nicht auf Vorhandenes zu beschränken. Ich möchte mit jedem Stück eine neue Welt erschaffen.

Welche Rolle spielt die Improvisation in eurer Musik?

Kahl: Patrick bring fertig geschriebene Stücke mit, lässt aber immer noch Raum zum Improvisieren. In den Proben kommen dann von den anderen auch noch Vorschläge.

Huss: Ich versuche, die Persönlichkeiten der anderen einzubinden. Ich mache mir viele Gedanken darüber, wer sich an welcher Stelle gut ausdrücken könnte.

Eine Harfe im Jazz-Ensemble

Nora, wie bist du auf die Harfe gekommen?

Kahl: Ich habe, als ich klein war, ein Konzert mit einer Harfe gesehen und danach zu Hause auf einem Eierschneider rumgezupft. Als ich acht war, haben meine Eltern mir zu Weihnachten meine erste Harfe geschenkt.

Und wie bist du mit der Harfe auf den Jazz gekommen?

Kahl: In erster Linie durch Patrick. Ich habe klassisch Harfe studiert und fand dann im Popgesang meinen Ausgleich. Ich bin die einzige, die nicht Jazz studiert hat. Am Anfang hatte ich Angst, nicht mitzukommen. Als ich zum ersten Mal improvisieren musste, war ich so aufgeregt. . . Aber ich konnte viel von den anderen lernen und finde es schön, mit ihnen wachsen zu können.

Bento: Auftritt in Lübeck

Was ist der nächste Schritt, den ihr als Band gehen wollt?

Huss: Ich habe die Möglichkeit bekommen, mit Hilfe der Possehl-Stiftung ein neues Programm zu schreiben, das wir am 1. Juli in Lübeck im Petrikirchhof präsentieren werde. Im Herbst nehmen wir dann mit diesem Programm unsere zweite CD auf.

Das Konzert am Donnerstag, 1. Juli, im Petrikirchhof in Lübeck beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten („Hutkasse“).

Von Junia Fürter und Johanna Prochnow