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Kultur im Norden Besucherrekord bei Jazz Baltica
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18:21 24.06.2019
Ein Wirbelwind an den Drums: Die dänische „Königin des Jazz“ Marilyn Mazur (r.) mit schamanischen Klängen und Tänzen. Quelle: 54° / Felix Koenig
Timmendorfer Strand

Satte Bigband-Sounds, experimentelle Lautmalereien, verträumte Saxofonsoli, knackige Bläsersätze, gute Laune machender Swing oder auch mal verschwebt-melancholische Arrangements psychedelischer Machart: Über 17 000 Besucher freuten sich bei der 29. Auflage der Jazz Baltica über eine beeindruckende musikalische Vielfalt in entspannter Atmosphäre. „Der Jazz traut sich einiges, das mag ich. Und dass die Instrumente alle ihre Gleichberechtigung haben“, findet Miklas Staigert. Gemeinsam mit seiner Frau Johanna und den Kindern Marisa (6) und Elia ( 3) genießt er beim Picknick im Kurpark das Fluidum des Jazz in all seinen Schattierungen. Tickets für die kostenpflichtigen Veranstaltungen im Hotel Maritim hat die junge Familie aus der Nähe von Eckernförde zwar nicht. Angesichts von 31 Gratisveranstaltungen bei 47 Programmpunkten trübt dieser Umstand jedoch keineswegs die Freude an der Musik. Auch im Freien, außerhalb der geschlossenen Konzertsäle, sind jazzige Klangtexturen jeglicher Couleur allgegenwärtig.

Besucherrekord

19 000 Besucher feierten vom 20. bis zum 23. Juni die 29. Ausgabe von JazzBaltica in Timmendorfer Strand – 2000 mehr als im vergangenen Jahr. Sämtliche Konzerte auf der MainStage im Festsaal des Maritim Seehotel Timmendorfer Strand waren ausverkauft. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gab es zehn zusätzliche kostenlose Veranstaltungen auf der OpenAir-Bühne im Strandpark, im angrenzenden JazzCafé und auf der Bühne @the beach direkt am Meer. Die insgesamt 31 Konzerte, Talks und Filmvorführungen stießen auf großes Interesse und lockten viele Passanten spontan auf das Festivalgelände.

„Für den Freejazz hab ich keine Kenntnisse, das ist für mich immer die Kategorie ‚ Ist das Kunst oder kann das weg?’“, sagt Claus Hoop. Gemeinsam mit seiner Frau Annika genießt der Neumünsteraner im ‚Jazzurlaub’ vor allem sämtliche unter freiem Himmel stattfindenden Auftritte. Für die Konzerte im Hotel Maritim haben wir leider keine Karten mehr bekommen“. Als Nils Landgren und seine Marching Band am Freitag an der Seebrücke andockten, den Kurpark enterten und die Fans wie Rattenfänger hinter sich herzogen, habe sie Gänsehaut bekommen, sagt seine Frau Andrea. Beide schwärmen insbesondere von Landgrens Arrangements diverser Titel von Abba.

Extra aus Thüringen angereist

Ludger Ferneding, seine Frau Claudia und Sohn Conrad gehören dem Jazzclub Erfurt an. In ihren dunklen Clubshirts ist die Jazzdelegation aus Thüringen gut zu erkennen. „Man hört schon anders hin, wenn man selbst Musik macht, zum Beispiel gerade dieses wunderbare grunzende Rrrrr bei der Trompete“, findet Ludger Ferneding mit Blick auf den Auftritt von Landgrens Marching Band. Trotz seiner 51 Jahre darf er in der Schüler Big Band der Stadt Erfurt mitspielen.

Per Trick ins Jazz-Café

Im Handumdrehen sind die Plätze im Jazz-Café besetzt, so etwa beim Auftritt des schwedischen Emil Brandqvist Trios, deren Musiker im Anschluss beim Jazztalk dem interessierten Publikum Rede und Antwort stehen. Wer sich nicht das Gesicht draußen an den Scheiben plattdrücken mag, greift zu einem kleinen Trick. „Mein Mann ist schon drinnen und hält mir gerade den Platz frei“, ist nach Insiderinformationen eine aussichtsreiche Volte verzweifelt dreinblickender Damen, um sich doch noch an der Security vorbei in den Saal zu schmuggeln.

Weißwein ist der Renner

Am Getränkestand im Maritim, erzählt ein Barkeeper, gibt das Publikum vor und nach den Konzerten auf der Main Stage dem Weißwein klar den Vorrang vor der schnöden Hopfenkaltschale. An den Merchandisingständen sind neben CDs und Bildbänden auch Vinylschallplatten sehr gefragt. Das gerade 50 Jahre alt gewordene Jazzlabel ECM ( Edition of Contemporary Music) ist mit einer vielfältigen Produktpalette vor Ort. Fast unbemerkt, schiebt sich der norwegische Multiinstrumentalist Matthias Eick nach seinem umjubelten Konzert hinter ein Pult und gibt Autogramme. Gepflegte Tuchfühlung mit den Fans ist für die bescheiden auftretenden Musiker kein Fremdwort.

Salzige Nüsse vom Meer

Für strahlende Gesichter auf den Bänken vor der Bühne und auf den Picknickdecken im Kurpark sorgten auch Salt Peanuts. Die nach dem Klassiker von Dizzy Gillespie benannte Bigband der Lübecker Hochschulen wird seit einem Jahr von Sven Klammer geleitet. Mit einem Mash-Up aus dem Kinderschlaflied „Abendstille überall“ und dem Standard „A Nightingale sang in Berkeley Square“ mit Hanna Prinz an den Vocals beweist die spielfreudige Bigband ihre Virtuosität- und stellt die von vielen Besuchern gepriesene genresprengende Vielfalt des Jazz einmal mehr unter Beweis. Da gefällt das Couplet „Alles für die Kunst“ ebenso wie der bandinterne Favorit „Salzige Nüsse vom Meer“, den Klammers Vorgänger Jan Christoph Mohr eigens für die Salt Peanuts komponiert hatte.

Klangvolle Reise zum Ur-Ich

Bevor Jazz-Superstar Nils Wülker am späten Sonnabend Abend die Bühne des Maritim entert, werden die Gäste Zeuge des beeindruckenden Klangspektakels von ‚Marilyn Mazurs Shamania’. Die „Königin des dänischen Jazz“ und ihr neunköpfiges Frauenensemble inszenieren eine sinnesfreudige Kombination aus Ausdruckstanz, gurrenden Lauten und percussiven Spielereien. Optisch eine wohltuende Abwechslung angesichts der überwiegend statisch agierenden Protagonisten eines Jazzfestivals. Da wird gegurrt, keuchend im Rhythmus geatmet und gezwitschert, werden zum Klang von Windspielen und einem wildem Percussiongewitter unheilvolle Fantasielaute ins Mikrofon gebelfert, das Ganze garniert mit Ausdruckstänzen voll übersteigerter Mimik irgendwo zwischen Ballett, Kampfkunst und Gaga-Dance. Im Mittelpunkt der rituellen, organisch agierenden Frauengemeinschaft steht das sogenannte Primordial, das „Ur-Ich“ in Rhythmus, Energie und Bewegung. Die dänisch-amerikanische Musikerin, die regelmäßig mit Jan Garbarek tourt, entlockt derweil ihrer beeindruckenden Ansammlung percussiver Instrumente verblüffende lautmalerische Klänge.

Alexander Bösch

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