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Kultur im Norden Besucherrekord bei der 13. Lübecker Theaternacht
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16:28 30.09.2019
Und jetzt alle: Am Ende wurden die Zuschauer im Theater zur Grölgruppe. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Alle Vorstellungen der 32 Ensembles waren sehr gut besucht, heißt es aus dem Kulturbüro der Stadt. „Besonders erfreulich war dabei, dass sich in diesem Jahr so viele neue und junge Akteure an der Theaternacht beteiligten“, sagt Nina Jakubczyk, Leiterin des Kulturbüros. „Alle Newcomer waren darstellerisch überzeugend und von sprühendem Engagement beseelt, das Publikum wurde mitgerissen, was es mit begeistertem Applaus zu würdigen wusste.“

Von Kolumbus über Montezuma zu Geistern

Allein etwa 1000 Tickets wurden im Theater Lübeck verkauft, wo scheinbar in allen Räumen gleichzeitig gespielt wurde. Doch die Logistik klappte, die Wartezeiten waren kurz, für „Horvát im Aufzug“ wurden Zählkarten ausgegeben. Eben entführte die Niederdeutsche Bühne im neuen Probesaal noch mit Petticoats und Röhrenradio in die Fünfziger Jahre, da begann nebenan im Malsaal eine Lesung aus „Vor Sonnenaufgang“ von Ewald Palmetshofer nach dem gleichnamigen Drama von Gerhard Hauptmann. Andreas Hutzel, Jan Byl und Rachel Behringer, die vorher noch als „Räuber“ auf der Bühne stand und den Jürgen-Fehling-Preis erhalten hat, verknüpften die zeitlichen Ebenen der beiden Dramen. Das klang spannend – Premiere ist am 8. November. Großer Andrang herrschte bei den beiden Konzert-Galas – auch die Ränge waren besetzt. Drei Dirigenten teilten sich die Arbeit – der neue GMD Stefan Vladar musste noch eine andere, langfristig geplante Verpflichtung außerhalb Lübecks erfüllen. Das Philharmonische Orchester spielte rasant und beseelt ein Best-of der Musiktheater-Saison – man begegnete „Maria de Buenos Aires“, Kolumbus, Montezuma sowie den Feen und Geistern aus „Rusalka“. Die Zuschauer waren hingerissen, bei so viel Beifall kam der Zeitplan ein wenig durcheinander.

Beliebt waren die kleinen Bühnen

Viele Besucher nahmen die Chance war, vor allem die kleinen Bühnen zu erkunden – und mussten dabei manch Wartezeit hinnehmen. Schon vor den ersten Vorstellungen bildeten sich Warteschlangen vor den Eingängen. Den Auftakt machten Familienprogramme – diverse Spielstätten in der Stadt zeigten tolle Stücke für Kinder schon ab vier Jahren. So gab es im Theater am Tremser Teich Auszüge aus „Der Rattenfänger von Hameln“ mit einem bunten Rahmenprogramm, Kinderschminken, Spielen und Bastelaktionen. Die erste Vorstellung um 16 Uhr war randvoll besucht.

„Musikalische Appetithäppchen“

Auch vor dem kleinen, wunderbar nostalgischen Theaterwagen an der Obertrave hieß es Geduld haben. Die 36 Plätze waren durchgängig belegt, bei der hinreißenden Diven-Show der Gastgeberin Hertha Ottilie van Amsterdam ebenso wie bei den „musikalische Appetithäppchen“ vom Theater Fabelhaft. Die Bühne, sonst in der Schwartauer Landstraße zu finden, zeigte Ausschnitte aus der aktuellen Produktion „Chaos in der Eisdiele“. Das Publikum war hingerissen, die Akteure fühlten sich sichtlich wohl und drehten voll auf.

Die Kleinen waren begeisterte Theatergäste

Das Figurentheater Lübeck, das jetzt im Hansemuseum gastiert, zeigte Auszüge aus seinem aktuellen Stück „Pirat Eberhard und die geheimnisvolle Insel“. Das Musiktheater PiccoBello führte in der Aula des Johanneums aus dem Weihnachtsmärchen „Eine schöne Bescherung“ und auch bei Betten Struve in der Königstraße wurde es winterlich-weihnachtlich: Dort spielte das tribühne Kinder- und Jugendtheater e.V. das Stück „Frau Holle kauft Federkissen“ auf. Ein großer Spaß für die ganze Familie.

Einladung zum Bühnen-Hopping mit Kostproben aus den Stücken der Lübecker Theatersaison.

Keine geringere als Freifrau Dorothea von Rodde-Schlözer eröffnete den Reigen in der Kulturrösterei. Im voll besetzten Raum stellte sich die berühmte Lübeckerin vor, die von 1770 bis 1825 lebte, die erste Doktorin der Philosophie in Deutschland war und einen Salon unterhielt. Unterhaltsam thematisierte das Ensemble MissGefallen Dorotheas Dilemma zwischen Klugheit und Konventionen. Es war eine kleine Kostprobe aus ihrem Programm „Lübecker Ladys“, das die sieben theaterbegeisterten Lübeckerinnen auch noch am 8. und 9. November aufführen.

Neugier wecken mit kleinen Einblicken

Was in der Aufführung nur ein fließender Moment ist, wenige Wimpernschläge, in denen uns das Theater so vieles spiegelt, ist das Ergebnis harter körperlicher und mentaler Arbeit. Das zeigte einprägsam die Kulturdornse; Stephan Joachim gab den Theaternachtbesuchern einen Einblick in die Probe zu zwei Szenen aus dem aktuellen Stück „Proserpina“. Carla Geskiewicz, die kurz vor ihrer Schauspielausbildung steht, setzt das Monodrama von Goethe ausdrucksstark tänzerisch um und wird doch immer feiner und präziser unter der Analyse Joachims. Etwa beim Einstieg in die Szene, in der die entführte Göttin entsetzt und von wirklich allen verlassen, in der Unterwelt aufwacht. Stark, mutig, macht neugierig auf das Stück.

Gute Stimmung auch im Johanneum

Wegen Bauarbeiten im Theater Geisler musste die Spielstätte in den Jugendstilsaal des Johanneums verlegt werden – das tat der Stimmung keinen Abbruch. Das Ensemble der Sommeroperette begeisterte mit seinem Jubiläums-Operettenprogramm, Chansons und der dadaistischen Ursonate von Kurt Schwitters.

Auch PST Entertainment hatte die Besucher im Johanneum mit dem Broadway-Erfolg „Die Todesfalle“ am Haken. Michael Knoller gab den erfolglosen Autor Sydney Bruhl, der seiner Frau Myra (Kerstin Poetting) auf der Tasche liegt. Bis ein äußerst aussichtsreiches Manuskript seines Schülers ihn auf Gedanken bringt, die Myra zusehends beunruhigen. Das Schreibtalent wird eingeladen, samt Originalmanuskript, versteht sich. Der Herbstkrimi steht bis 20. Oktober auf denn Programm.

Studierende wagten sich an Dürrenmatt

Das junge Ensemble vom Campus hatte in die Diele eingeladen und die war rappelvoll, als das Studierendentheater in Dürrenmatts „Die Physiker“ hineinschauen ließ. Der Weltformel-Entdecker Möbius sieht sich gerade mit den konkurrierenden Geheimagenten Newton und Einstein konfrontiert. Während die ihre Waffen aufeinander richten, erklärt er, dass das Irrenhaus sein Fluchtort bleiben müsse – um die Menschheit vor den Folgen seines Werks zu schützen. Wie weit darf Wissenschaft gehen? Gefragt mit Spielfreude pur, die richtig Spaß machte.

Rockmusik im „Sofa“

Im Kulturcafé Sofa in der St. Annen-Straße war eine Kurzfassung des Jugend-Rockmusicals „Spring Awakening – Frühlings Erwachen“ zu erleben. Ende März wurde das Projekt von rund 50 jungen Akteuren am Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium aufgeführt, zur Theaternacht trat ein kleiner Trupp rund um Initiator Finn Pelikan unter viel Applaus noch einmal mit einem kleinen Medley auf. Vor allem der leidenschaftliche Einsatz der jungen Sängerinnen und Sänger begeisterte, auch wenn nicht jeder Ton saß.

Schafe und Engel im Combinale

„Wer Mäh sagt, darf reinkommen“: So begrüßte Regisseur und Schauspieler L.-Christian Glockzin die Besucher im Theater Combinale zur Preview des neuen Weihnachtsstücks „Die Herde“. Protagonisten sind ein Schaf, ein Hütehund, ein Wolf und ein Engel, der etwas zu verkündigen hat – und das geht in der von Ulli Haussmann geschriebenen Geschichte natürlich nicht ohne komische Komplikationen über die Bühne. Das Publikum amüsierte sich köstlich, wie auch bei der Vorschau zur Fortsetzung der Combinale-Reihe „Der gelebte und gelesene Trivialroman“. Im Seitenflügel-Wohnzimmer wurde derweil Improtheater vom Feinsten geboten, und auch die legendäre Grölgruppe durfte nicht fehlen: Mit Reinhard Meys „Gute Nacht, Freunde…“ kam für rund 100 singende Menschen die Theaternacht in der Hüxstraße zu einem glücklich-beschwingten Ende.

Jürgen-Fehling-Preis für Rachel Behringer

Eben hat sie nochals gekränkter Franz in Schillers „Räuber“ geglänzt, da wurde Rachel Behringer noch einmal auf die Bühne gerufen. Überglücklich nahm sie den mit 2000 Euro dotierten „Jürgen-Fehling-Förderpreis“ von Anne-Dore Brütt-Schwertfeger, Vorsitzende der Gesellschaft der Theaterfreunde Lübeck, entgegen.

Die Gesellschaftvergibt den Preis alle zwei Jahre alternierend an ein Mitglied des Opern- und ein Mitglied des Schauspielensembles. Rachel Behringer, geboren 1989 in Freiburg im Breisgau, hat an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Theaterwissenschaft und in Hannover an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Schauspiel studiert und gehört seit der Spielzeit 2016/17 zum festen Schauspielensemble in Lübeck. Sie verzaubere die Zuschauer – egal ob in klassischen Rollen wie in Tschechows „Drei Schwestern“ oder in ihrem experimentellen Monolog „Ich distanziere mich von allem (und jetzt gut’ Nacht), sagte Schauspieldirektor Pit Holzwarth. Sie sei eine akribische Arbeiterin, finde ihren eigenen Weg und sei eine große Bereicherung für das Ensemble.

Von Sabine Spatzek, Margita True, Schabnam Tafazoli und Petra Haase

Fast 40 000 Besucher kamen an Deck in der vergangenen Spielzeit, auch im aktuellen Programm setzt die Crew auf den bewährten Mix von Bewährtem und Neuem, um junge Gäste an Bord zu locken.

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