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Kultur im Norden Bewegender Abend mit Mario Adorf
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17:56 31.05.2019
„Danke, danke, danke“: Zum Abschied gab Mario Adorf (88) Einblick in sein Leben und seine Seele. Quelle: Foto: 54° / Felix Koenig
Lübeck

Einer der größten deutschen Schauspieler nimmt Abschied von der Bühne. Mario Adorf, zur Zeit auf seiner letzten großen Tournee, präsentierte am Donnerstag Abend in der MuK sein Programm „Zugabe“. Es war ein bewegender Abschied mit Geschichten, Rollen und Liedern.

Er beginnt mit einem wehmütigen Song von Georg Kreisler – „Alpenglühn“ erzählt von Dingen, die zum letzten Mal geschehen. Ein Thema, das Mario Adorf bewegt. Denn er, ein Mann von 88 Jahren, denkt viel darüber nach. „Das hat nichts Trauriges und nichts Deprimierendes“, versichert er. Vielmehr gebe es jedem Anlass etwas Besonderes. Der Abend solle aberkeine traurige Abschiedsfeier werden, sagt der Schauspieler. 60 Jahre Berufsleben lässt er Revue passieren. Schwarzweißfotos werden präsentiert, Adorf als kleiner Junge in kurzen Hosen und mit messerscharf geschnittenem dunklem Pony, Szenen aus einigen seiner über 200 Filme.

Erste große Rolle: ein Massenmörder

Wie er Schauspieler geworden ist, berichtet Mario Adorf in der gut besuchten Halle. Und von seiner ersten großen Filmrolle. 1957 spielte er in „Nachts, wenn der Teufel kam“ von US-Regisseur Robert Siodmak den Massenmörder Bruno Lüdke. Heute sieht Adorf seine Rolle, für die er den Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsschauspieler erhielt, mit kritischer Distanz. Lüdke, der während der NS-Zeit mit dem Tod bestraft wurde – obwohl er, wie sich später erwiesen habe – keinen der ihm zur Last gelegten Morde begangen habe, müsse rehabilitiert werden: am besten durch einen neuen Film, „der die Geschichte wahr erzählt“.

Knapp dem Tod entgangen

Schon wieder eine traurige Sache. Aber Adorf hat auch Anekdoten und witzige Geschichten zu bieten. Über Schauspieler und Alkohol zum Beispiel, über Situationen, „schwarze Löcher“, in denen der Text weg ist, oder über die 1000 Tode, die er im Film gestorben ist: erschossen, vergiftet oder erstochen. Adorf erzählt von Menschen, die eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt haben. Fritz Kortner und Hans Albers gehören dazu. Und von Ereignissen, die ihn geprägt haben. Als 14-Jähriger entging er in den letzten Kriegstagen nur knapp dem Tod, als er mit Panzergranaten nahende amerikanische Panzer aufhalten sollte. Die Todesangst während des Krieges, den Hunger in den Nachkriegsjahren wird er nie vergessen. Brot zu haben, sei nicht selbstverständlich, sagt er unter starkem Applaus. Es folgt ein Bekenntnis gegen Rechtspopulismus und zum vereinten Europa.

Danke, danke, danke

Still und leise verlässt Adorf die Bühne. Aber das Publikum klatscht ihn wieder herbei. Zwei Zugaben gibt es noch. Den Song „Sag zum Abschied leise Servus“ und dann einen sehr kleinen Textbeitrag „Danke, danke, danke“. Ein großartiger und bewegender Abend ist zu Ende, eine Begegnung mit einem herausragenden Schauspieler und Menschen, lebenserfahren, klug und bescheiden auftretend, in dessen Seele man zwei wundervolle Stunden lang blicken durfte.

Mario Adorf – eine Filmlegende

Liliane Jolitz

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