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Kultur im Norden Ulrich Lindow zurück in Mölln
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16:48 02.07.2019
Ulrich Lindow inmitten seiner drei Rachegöttinnen im Alten Rathaus Mölln. Quelle: Petra Haase
Mölln

Die Küche war abgeschlossen – von den zehn Kindern hatte immer eines Hunger, und Mutter musste haushalten. Einmal schloss sie auf, um dem kleinen Ulrich etwas zu Essen zu holen – und schwupps waren fünf seiner Geschwister mit in der Küche. Diese Erinnerung hat Ulrich Lindow zu seiner Skulptur „Raben am Tisch“ inspiriert. Sie ist nun mit anderen Arbeiten des Bildhauers, der seit gut 30 Jahren in der Nähe von Husum lebt, im Historischen Rathaus in Mölln zu sehen.

„Ein bisschen Mölln steckt in allen Arbeiten“

„Die Jahre dazwischen“ heißt die Werkschau – gemeint sind die Jahre zwischen einer nicht unkomplizierten Kindheit und einer erfolgreichen Zwischenbilanz zum 70. Geburtstag in diesem Jahr. Die „Raben“-Skulptur ist vielleicht die offensichtlichste Verbindung zu seiner Heimatstadt, „doch ein bisschen Mölln steckt in allen Arbeiten“, sagt der Bildhauer. Aufgewachsen ist er in der Feuergräfenstraße als Sohn eines Gymnasiallehrers. Leistung, Gehorsam, Disziplin waren Kategorien, die in der Familie zählten. Träumen, Kaspertheater spielen, im Wald herumstrolchen, Schnitzen, Malen gehörten nicht dazu. Die Zeit an der Gelehrtenschule Ratzeburg habe er gehasst, und „einen ordentlichen Beruf“, wie vom Vater gewünscht, wollte er nicht ergreifen, erzählt der sympathisch uneitle Künstler.

Ausstellung bis zum 15. September

Die Ausstellung „Die Jahre dazwischen“ mit Werken von Ulrich Lindow ist im Historischen Rathaus Mölln, Am Markt 12, (Eingang über die Tourist-Info) bis zum 15. September zu sehen. Geöffnetmontags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 10 bis 16 Uhr. Tickets: Erwachsene 2,50, Kinder 1 Euro. Sie gelten auch für das Eulenspiegelmuseum.Parkplätze auf dem Mühlenplatz.

Der Kompromiss: Er lernte bei Karstadt in Lübeck Dekorateur. „Das war eine gute Grundlage, eine vielseitige Ausbildung“, sagt Ulrich Lindow. Um die Wehrpflicht zu umgehen, zog er nach Westberlin, baute Kulissen für große TV-Shows, etwa von Peter Frankenfeld, fuhr später zur See. Zusammen mit seiner Frau zog er 1973 nach Kiel und begann endlich seinen Traum zu leben – er studierte Kunst an der Muthesius-Schule bei Jan Kublasa, einem prägenden Bildhauer im Norden.

Zurück in den Norden

Zwei Jahre lang lebte er danach mit seiner Frau und Tochter in Südfrankreich in einer Stiftung für Künstler und hätte dort auch als Leiter bleiben können – wenn seine Frau nicht Nordweh gehabt hätte. Maren Lindow stammt von der Hallig Hooge – die Farben der Provence, die malerische Landschaft waren für sie zu viel des Guten. Ulrich Lindow ging mit ihr zurück in den Norden. In Schobüll an der Nordsee, einem Ortsteil von Husum, richtete Lindow sein Atelier ein, hier sind im Laufe der Jahrzehnte erstaunliche, oft kantige Wesen, Skulpturen, Gefäße aus Holz, Stein und anderem Material entstanden. Auf zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen waren seine Werke zu sehen, er hat an internationalen Bildhauersymposien teilgenommen, Kirchenräume gestaltet. „Ich arbeite ohne Konzept. Es ist eine Mischung aus Genetik und persönlichen Erfahrungen, die eine Form findet. Das ist meine Art, meinem Leben einen Sinn zu geben, an dem andere Menschen teilhaben können.“

Holzskulptur Quelle: Petra Haase

So wie jetzt im Möllner Museum im alten Rathaus. Paare, Fabelwesen, Vögel, Schalen, Gefäße aus allen Epochen seines Schaffens entfalten im lichtdurchfluteten Ausstellungsraum ihre Wirkung. Man erkennt, dass im Laufe der Jahre immer mehr Farbe ins Spiel gekommen ist wie bei den kobaltblauen Rachegöttinnen. Auch wenn Ulrich Lindow keine persönlichen Bindungen mehr zu Mölln hat – „diese Ausstellung ist etwas Besonderes für mich“, bekennt der Künstler.

Petra Haase

Der Argentinier Semino Rossi kam als 23-Jähriger nach Europa, um Musiker zu werden. 20 Jahre lang spielte er auf der Straße und in Hotels. Seit 15 Jahren steht er auf größeren Bühnen. Sein inzwischen zehntes Album erzählt vom Auf und Ab des Lebens.

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