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Kultur im Norden Bodo Wartkes Wundertüte
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18:10 22.02.2018
„Der Vorort meiner Heimatstadt“: Bodo Wartke in der fast ausverkauften Lübecker MuK.
„Der Vorort meiner Heimatstadt“: Bodo Wartke in der fast ausverkauften Lübecker MuK. Quelle: Foto: Olaf Malzahn
Lübeck

Bodo Wartke ist ein schlanker, großer Mann. Blauer Anzug, weißes Hemd, vor sich ein schwarzer Flügel. Er kommt aus Bad Schwartau und muss im Süden Deutschlands immer sagen: Ja, gibt es wirklich, ist nur in einer Marmeladenfabrik untergebracht. Bad Schwartau also, da groß geworden, Ende der 1990er im Lübecker Werkhof den ersten Auftritt gehabt, zum Musikstudium nach Berlin gegangen und seither unterwegs in den Hallen und Sälen der Republik.

Was macht Herr Wartke? Er spielt Klavier, sehr versiert. Und er singt dazu, auch sehr versiert. Und er erzählt zwischendurch sehr locker, charmant und manchmal ziemlich irre von diesem und jenem.

„Klaviersdelikte“ hieß das Programm, eine schon ältere bunte Wundertüte.

Es beginnt mit einem verträumten Pianostück, wechselt in ein Boogie-Woogie-BluesDing über Probleme, die er früher nicht hatte, und schon landet man bei moderner Architektur, die zumindest Architekten ganz schön finden, aber es ist ja nicht jeder Architekt. Der Mann aus Bad Schwartau stöbert im Alltag und stößt auf Dinge, die betrachtet werden wollen. Das kann Großes sein, aber auch Kleines, das einem trotzdem sehr zu schaffen macht. Die „WG des Herrn“ zum Beispiel, die die beiden Mitbewohner im Handumdrehen in ein für Biologen und Kammerjäger hochinteressantes Forschungsfeld verwandeln. Aber dann ziehen zwei Frauen ein mit all ihren Schuhen und Biojoghurts, und man sehnt sich bald wieder nach den beiden Erregerjungs.

Meist sitzt Wartke am Klavier. Er hat aber auch eine Ukulele dabei, die allerdings verstimmt ist, weswegen doch wieder das Klavier zum Einsatz kommt. Er klopft einen famosen Rap auf der Cajón, spielt Piano mit Boxhandschuhen, lädt Textkaskaden ab. Und er braucht nur eine Mundharmonika, um Mozarts Vogelhändler-Arie in ein Vogelmedley eskalieren zu lassen, das zwar nicht ganz so wahnsinnig ist wie Helge Schneiders „Meisenmann“, aber am Ende sind trotzdem alle Vögel tot.

Manchmal wird es auch ganz leise im Konzert, etwa bei „Christine“, einem Lied über seine Schwester, die früh starb und die er nie kennengelernt hat. Oder bei „Nicht in meinem Namen“, einem Lied über Religion. Es war die zweite von drei heftig erklatschten Zugaben. int

Gestern stand in der Muk ein zweites, ebenfalls sehr gut besuchtes Konzert von Bodo Wartke auf dem Programm. Im April feiert sein Theaterstück „Antigone“ in Hamburg Premiere. Die vier Abende sind ausverkauft.

LN