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Kultur im Norden Liederabend mit Brahms und Schönberg
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17:10 01.02.2019
Maike Albrecht und Hans-Jürgen Schnorr bei der Probe für das Konzert. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Keine einfache Kost, aber edler Kunstgenuss. Im ersten Remter-Konzert des Jahres boten die Sopranistin Maike Albrecht und Hans-Jürgen Schnoor am Flügel Lieder von Johannes Brahms und Arnold Schönberg. Statt des Remters von St. Annen diente das Foyer der Kunsthalle als Konzertraum, und natürlich wirken sich Stein, Beton und Glas auf die Akustik aus. Das Ohr gewöhnte sich allerdings schnell an die Umgebung.

Brahms und Schönberg: Hans-Jürgen Schnoor stellte in seiner Einführung den Zusammenhang klar. Schönberg habe in einem Aufsatz betont, an Brahms lasse sich „der Fortschritt in der Musik deutlich machen“. Ein Fortschritt ist es natürlich auch, dass sich die Hörer in mehr als hundert Jahren an Klangbilder gewöhnt haben, die anno 1908, dem „Beginn neuer Musik“ (Schnoor) zu Aufruhr führten.

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Aus zwei Werkgruppen von Johannes Brahms hatten Maike Albrecht und ihr Begleiter sieben Lieder gewählt, aus op. 32 und op. 57, alle auf Texte von Georg Friedrich Daumer komponiert, von dem Brahms 50 Gedichte vertonte. Gewissermaßen als Übergang erklangen anschließend Schönbergs zwei Gesänge op. 14, danach die 15 Lieder op. 15, alle nach Texten von Stefan George.

Maike Albrecht, die das anspruchsvolle Programm auswendig sang, spürte den prägnanten Texten und ihrem musikalischen Gewand in jedem Fall akribisch nach. Ruhig, konzentriert, malte sie Stimmungen, von trüber Traurigkeit und Abschied über kalte Wintertage bis zu flammender Leidenschaft. Die vielen vertrackten Intervallsprünge saßen genau; die Stimme zeichnete klar und kraftvoll.

Hans-Jürgen Schnoor setzte in der Klavierbegleitung starke Akzente, sann romantischen Anklängen nach, trumpfte leidenschaftlich auf. Gut, dass er darum gebeten hatte, die Gruppen nicht durch Beifall zu unterbrechen. Der brandete am Schluss stark auf. Als Zugabe dann noch einmal Brahms, sein Abendlied „Eine gute, gute Nacht“ geht ebenfalls auf einen Text von Georg Friedrich Daumer zurück.

Das Interesse an dem Konzert war übrigens groß. Zu Beginn mussten immer wieder zusätzliche Stühle aufgestellt werden.

Konrad Dittrich