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Kultur im Norden Caligula und wie er die Welt sah
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17:01 29.01.2019
„Caligula“ war Albert Camus’ (1913-1960) erstes abendfüllendes Stück. Er hat es 1938 fertiggestellt und selbst zweimal inszeniert. Die Uraufführung fand 1945 in Paris statt. Quelle: dpa
Lübeck

Caligula war ein römischer Kaiser. Er war 24, als er im Jahr 37 nach Christus an die Macht kam. Und er war 28, als man ihn ermordete. Es gibt bizarre Geschichten über den Urenkel von Kaiser Augustus. So soll er versprochen haben, sein Lieblingspferd zum Konsul zu machen. Der britische Historiker Robin Lane Fox lässt offen, ob Legenden wie diese stimmen. Aber er beschreibt ihn als „bösartig, unsäglich, egozentrisch und närrisch“. Seine Regentschaft war einer der grausamen und grotesken Tiefpunkte in der an Tiefpunkten nicht armen römischen Geschichte. „Triff ihn so, dass er das Sterben fühlt“, soll er dem Henker bei Hinrichtungen gesagt haben. Wir müssen uns Caligula wohl als einen wahnhaften Menschen vorstellen.

Albert Camus hat daraus ein Bühnenstück gemacht. 1936 hatte er damit begonnen, 1938 war es fertig. Es war eine Zeit, in der andere bösartige und unsägliche Herrscher an der Macht waren. Uraufgeführt wurde das Stück aber erst 1945, nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Zerschlagung des Nationalsozialismus. Am Freitag, 1. Februar, hat es in den Kammerspielen in der Regie von Mirja Biel Premiere.

Die gebürtige Kielerin hat in Lübeck Theatermalerin gelernt und zeichnet auch für das Bühnenbild verantwortlich. Sie hat schon öfter hier inszeniert, zuletzt „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen im Herbst 2017. Caligula sei der „Prototyp des Tyrannen“, sagte sie am Montag bei der öffentlichen Probe. Camus habe mit der Figur etwas über seine Zeit erzählen wollen, über Macht und Ohnmacht und was das mit Menschen anstellt.

In dem Stück brechen bei dem jungen Kaiser mit dem Tod der geliebten Schwester alle Dämme. Er ist von der Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz überzeugt und sieht keine Grenzen mehr, keinen Halt. „Ich habe beschlossen, logisch zu sein“, sagt er. Aber diese Logik ist gnadenlos. Er baut sich eine Philosophie zurecht, in der es um das Unmögliche geht und die in die radikale Vernichtung mündet, von sich und von anderen.

Camus wirft mit seinem Stück existenzielle Fragen auf. Es geht um die Verführbarkeit und die Verantwortung des Einzelnen, um seine Freiheit und die Linien, an denen sie gegenüber dem Anderen endet. Caligula ist die Fantasie von der eigenen Allmacht und die völlige Entgrenzung. Er verhöhnt und terrorisiert den Senat, macht seine eigenen Regeln und hat als gottgleich Verehrter die Macht, sie durchzusetzen. Und er wirft die Frage auf, warum der Mord an ihm erst so spät geschieht. „The horror“, sagt der wahnsinnig gewordene Colonel Kurtz, der in Francis Ford Coppolas Film „Apocalypse now“ im Dschungel von Kambodscha ein Schreckensregime errichtet hat, „the horror.“

Info: „Caligula“ von Albert Camus, Kammerspiele des Theaters Lübeck, Premiere am Freitag, 1. Februar, 20 Uhr. Weitere Termine: 8. und 12. Februar (jeweils 20 Uhr).

Peter Intelmann

„Spielt Ihr das nochmal?“ Diese Frage haben die Combinale-Macher in den vergangenen Jahren immer wieder gehört und nun tatsächlich zum Programm gemacht: Den Auftakt macht ab Freitag „Kohlhaas“.

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