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Kultur im Norden „Ich hätte nie gedacht, dass der Steiffen so groß wird“
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09:26 23.09.2019
Anfangs als Spaßfigur gedacht, ist aus Hardy Schwetters ausgedachtem Charakter Christian Steiffen ein richtiger Schlagerstar geworden. Quelle: Manfred Pollert
Lübeck

In seiner Brust schlagen mindestens zwei Herzen. Das von Hardy Schwetter und das von Christian Steiffen, der Kunstfigur, die Schwetter seit zehn Jahren repräsentiert. Steiffen ist der selbst ernannte „Gott of Schlager“ – ein liebenswürdiger Gutelaunegarant mit Tiefgang. Aber wer ist eigentlich wer und was macht wen aus? Ein Interview:

Mit wem genau sprechen wir jetzt? Mit Hardy Schwetter oder Christian Steiffen?

Das greift ineinander über. Je nachdem, wer durch mich durchspricht.

Christian Steiffen gibt es nun schon seit zehn Jahren. Kann man die Figuren im Kopf auseinander halten oder nehmen sich die Rollen da gegenseitig ein?

Also der Steiffen hat schon mehr Platz in meinem Leben eingenommen, als ich das überhaupt wollte. Anfangs als Spaßfigur ausgedacht, glaubte ich, dass ich das so zwei, drei Jahre mache – aber dass der Steiffen so groß wird, damit hab ich nicht gerechnet! Ich hab mir dann extra für Christian ’nen Schnauzer stehen lassen – und trage ihn bis heute. Ich bringe also auch Opfer als Hardy. Und es war vor zehn Jahren nicht abzusehen, dass der Steiffen so erfolgreich wird.

Erklär’ doch mal den Künstlernamen in jugendfreier Version.

Mir ging es damals nicht so gut als Hardy Schwetter. Ich war arbeitslos und hab viel gefeiert. Und da hab ich jemanden erfunden, der keine Probleme hat und glücklich durchs Leben geht. Ich erzählte einem Kneipenfreund am Tresen davon und der hat mir den Namen vorgeschlagen. Eigentlich im Spaß, und obwohl ich total betrunken war, dachte ich mir, den Namen musst du dir merken. Und so kam der Steiffen in mein Leben. Ein super Typ.

Magst du Schlager denn überhaupt?

Ich mag vor allem die 70er Jahre.

Dein Lied „Ich fühl’ mich Disco“ ist zu einer Hymne auf Schlagerspartys geworden – zusammen mit „Atemlos“ von Helene Fischer oder „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros. Kannst du damit leben?

Auf den Partys bin ich ja nicht da – und wenn das Lied läuft und die Leute sich freuen, hab ich nichts dagegen. Aber nur auf den Schlager würde ich mich nicht festlegen. Mein Publikum kommt aus allen möglichen Ecken.

Steiffen live in der MuK

Hinter der Figur Christian Steiffen steckt Musiker und Schauspieler Hardy Schwetter aus Osnabrück – studiert hat der 48-Jährige an der Lee Strasberg Theatre School in London.

Schwetter spielt den „Gott of Schlager“ seit 2009. Im Oktober 2013 erschien bei Warner Music sein erstes Album „Arbeiter der Liebe“. In dem Kinofilm „Ich fühl mich Disco“, der auf der Berlinale 2014 gezeigt wurde, spielt er sich selbst als angebeteten Schlagersänger. Das gleichnamige Lied ist inzwischen eine Art Hymne. Es folgen die Alben „Ferien vom Rock’n’Roll“ (2015) und „Gott of Schlager“ (2019).

In die Schlagzeilen geriet Schwetter 2013 auch, weil er unter seinem Künstlernamen für das Amt des Oberbürgermeisters von Osnabrückkandidierte – und 3,3 Prozent der Stimmen erhielt.

Angefangen mit kleineren Auftritten im Rider’s Café ist die Nachfrage nach Christian Steiffen inzwischen so groß, dass Inhaber Kay-Uwe Meyer nun einen größeren Veranstaltungsraum organisiert. Am 16. November spielt Steiffen im Rahmen seiner fast ausverkauften Tourin der Rotunde der MuK –der Vorverkauf läuft bereits. Mehr Infos und Termine auf der Homgepage www.christiansteiffen.de

Schreibst du Deine Texte selbst?

Ja.

Was ist Dein Lieblingsthema?

Hardy beschäftigt sich gern mit Religion und der Vergänglichkeit, Christian natürlich mit Beziehung und Liebe.

Was hast du für eine Beziehung zur Vergänglichkeit, also zum Tod?

Ein großes Thema. Vor allem, wenn es um komplexe Dinge wie den Klimawandel geht, weil da geht es ja nicht um das eigene Sterben sondern um das langsame Aussterben von ganzen Systemen, Tieren und letztlich auch Menschen. Damit kann ich persönlich besser leben als mit der eigenen Sterblichkeit. Weil . . . wenn alle sterben, brauche ich ja nicht mehr allein weiter leben. Auch Jesus Christus als Person fasziniert mich. Es gibt Theorien, die besagen, dass er nach seiner Kreuzigung nach Indien gegangen ist, das finde ich ziemlich interessant.

Und wenn er wirklich übers Wasser laufen konnte, wäre der Weg von Nazareth nach Indien ja auch ganz angenehm gewesen. . .

Haha, ja stimmt. Mit diesen existenziellen Fragen setze ich mich tatsächlich auseinander.

Wie wichtig ist dir Humor?

Also mir wird Humor gern vorgeworfen. Meine Frau zum Beispiel lacht sehr oft über mich, obwohl es gar nicht meine Absicht ist. Aber generell ist Humor eine gute Überlebensstrategie. Das weiß ich schon aus Schulzeiten. Ich komme aus der Familie der Klassenclowns.

Wenn man deine Heimatstadt Osnabrück googelt kommt derzeit eine Geschichte über Osnabrücker Fußballfans, die die Zufahrt des Spielbusses vom RB Leipzig blockiert haben.

Ich bin totaler Fan vom VFL Osnabrück, wir sind ja auch gerade aufgestiegen. Ich freu mich und ich feiere mit der Mannschaft, aber mit irgendwelchen Ultra-Aktionen – egal in welche Richtung sie abzielen – hab ich nichts am Hut. Fußball ist für mich unpolitisch.

Außerdem kommt eine Nachricht über einen Fisch-Rückruf von einem Großhandel wegen Lebensgefahr. Was hat Osnabrück auch schon mit Fisch zu tun?

Mensch, hier ist ja was los!

Was macht man denn da den ganzen Tag so zwischen Bremen und Münster?

Ich sitze hier und warte auf neue Lieder, spiele Gitarre und treibe Sport. Ich hab viel Zeit.

Offenbar kommt man auch auf politische Gedanken, wie man an deiner Bürgermeisterkandidatur 2013 sieht.

Ich habe damals langfristig gedacht und wusste, dass ich es nicht auf Anhieb schaffe. Aber ich wollte auf mich aufmerksam machen und hab 3,3 Prozent geholt. Und die nächste Wahl kommt!

Es ist Dir also Ernst damit.

Ja. Ich habe großen Respekt vor der Kommunalpolitik, vor allem, wenn man parteilos ist – und konnte damals viele Menschen animieren können, überhaupt wählen zu gehen. Ich werde weiter machen.

Thema Klimawandel – wie leistest du deinen eigenen Beitrag dazu?

Damit beschäftige ich mich gerade sehr. Eigentlich müssten wir alle mit ganz Vielem sofort aufhören. Man müsste das Autofahren drastisch reduzieren. Man müsste so viele Rechner runterfahren, um den Treibhauseffekt zu stoppen. Man müsste sich weniger zu Konsum und Verbrauch hinreißen lassen. Ich versuche bewusst zu leben und fahre viel Fahrrad – aber ich glaube nicht, dass der Mensch intelligent genug ist, sich von seiner Bequemlichkeit und den Systemen zu lösen, um eine Klimakatastrophe zu verhindern.

Wer sucht deine Outfits aus?

Ich selbst, ich war schon immer Rüschenhemd-Fan.

Wie läufst du privat in Osnabrück rum?

Ganz entspannt. Im Moment hab ich schnauzerfrei – aber zu Touren und Auftritten schneide ich den Schnauzer und die Koteletten rechtzeitig aus dem Bart.

Bleibt es beim Steiffen oder kommt da noch wer?

Ich habe vor, einige Lieder als Hardy Schwetter herauszubringen. Aber im Moment sind sich die Beiden noch uneinig. Vielleicht schafft Christian es doch, sich wieder in den Vordergrund zu drängen.

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