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Kultur im Norden Musik aus dem ewigen Eis
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14:58 21.05.2019
Der norwegische Eismusiker Terje Isungset spielt auf Instrumenten, die aus Gletschereis geschlagen sind. Am 24. Mai ist er damit in der Lübecker Jakobikirche zu hören. Quelle: Emile Holba
Lübeck

Ob er der einzige Eismusiker der Welt sei? Laut „CNN“ und „Financial Times“ treffe dies wohl zu, meint der Norweger zurückhaltend. Auf jeden Fall gab er gerade gemeinsam mit anderen Künstlern das nördlichste Konzert der Welt, präsentiert von Greenpeace International in der Arktis. Die Intention: auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und den Schutz der Ozeane einzufordern. Das ist auch das persönliche Anliegen des bekannten Jazz-Percussionisten: „Eis muss mit Respekt behandelt werden, sonst bricht es. Mit der Natur sollten wir genauso umgehen.“

So klingt die Eismusik

Der 55-Jährige nutzte schon als Kind alles Greifbare, um Rhythmen zu erzeugen und verwendete später als Profi viele natürliche Materialien, immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Im Rahmen der Winterspiele 1994 in Lillehammer trat er in einem gefrorenen Wasserfall auf und entdeckte die Töne des Eises. Worauf er sich dann einließ, das erfordert Mut, denn immerhin sind seine gefrorenen Instrumente wie sein Eisxylofon unberechenbar im Klang. Auch wenn sie vor dem Auftritt ebenso gestimmt werden wie jene aus Metall oder Holz.

Suche nach geeigneten Eisblöcken von Seen und Gletschern

Nach einer Stunde auf der Bühne werde es jedoch kritisch, sagt Isungset, dann beginnen die Instrumente zu schmelzen. Das kalte Material fordert den erfahrenen Musiker in vielerlei Hinsicht heraus. Bevor er es zum Klingen bringt, lernt er das Eis sehr gut kennen: erst auf der Suche nach geeigneten Eisblöcken an Seen und Gletschern. Sie seien selbst in seiner Heimat in manchen Wintern schwer zu finden, denn auch im Norden werde es spürbar wärmer, so der Künstler. Anschließend folgt das tagelange Bearbeiten mit Messer und Wasser. Für den Transport lagern die Eisinstrumente bei Minusgraden in einem Spezialhänger. Bei Konzerten kommen die stets wechselnden Bedingungen vor Ort hinzu.

Der norwegische Jazzmusiker und Komponist Terje Isungset ist Porträtkünstler des Classical Beat Festivals an der Ostseeküste. Quelle: Kaupo Kikkas

All diese Unwägbarkeiten nimmt Terje Isungset in Kauf, denn ihm sei wichtig, das Publikum zu überraschen – sagt er. Doch wer ihm zuhört, bekommt den Eindruck, dass es ihm darum geht, immer wieder selbst überrascht zu werden vom Eis und dieses Erlebnis mit seinem Publikum zu teilen. 2005 gründete er das „Ice Music Festival Norway“ in Geilo, wo sich jährlich Menschen treffen, um mit Eis und Schnee kreativ auf künstlerische Weise Erfahrungen zu machen. In diesem Jahr entstand dabei das neueste Eisinstrument, ein Sax Ice Baloon, von dessen Resonanz Isungset begeistert berichtet.

Künstliches Eis will nicht klingen

In einige seiner Kompositionen hat der norwegische Künstler auch Elemente der Inuit verwoben. Als einmal Hunderte von ihnen zu einem seiner Konzerte erschienen, machte ihn das verlegen: „Sie wissen so viel mehr über das Eis als ich.“ Manches Geheimnis gibt ihm das Eis nicht preis, etwa den Unterschied im Ton, wenn es nur hundert oder viele tausend Jahre alt ist. Da lägen Klangwelten zwischen, so Isungset. Oder warum künstliches Eis wie tot sei und einfach nicht klingen wolle, das habe er bereits mehrfach versucht.

Die Instrumente werden daheim im Norden wieder der Natur übergeben: „Sie sind nur von ihr geliehen, wie alles.“ Dann verstummen das Klirren, Klimpern, Surren, Murmeln, Plätschern, Dröhnen, Rasseln und die klingenden Melodien, das Eis fällt zurück in Schweigen. Ob für weitere Jahrtausende oder auch nur für ein Jahrhundert, scheint fraglich.

Konzert: Am Freitag, 24. Mai, 20 Uhr, ist Terje Isungset im Rahmen des Classical Beat Festivals in St. Jakobi zu erleben, zusammen mit der kristallklaren Stimme von Maria Skranes. Auf die gute Akustik in der Kirche, so der Musiker, freue er sich bereits.

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