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Kultur im Norden Wassermusik in St. Jakobi
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19:57 25.05.2019
Der Eismusiker Terje Isungset begeisterte beim Classical Beat Festival mit seinen Instrumenten aus norwegischem Gletschereis in der Jakobikirche. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Es waren irritierend ungewohnte Töne, die Terje Isungset seinen eiskalten Instrumenten entlockte: Zusammen mit der norwegischen Sängerin Maria Skranes und begleitet vom Classical Beat Festival Ensemble präsentierte er am Freitagabend in der Jakobikirche eine „Ice Suite for Lübeck“: ein besonderes Klangerlebnis und zweifellos einer der Höhepunkte des Festivals – und das Highlight dieses Konzertabends.

Direkt aus einem Kühlcontainer werden die Instrumente auf die Bühne getragen, und unmittelbar nach dem Auftritt werden sie wieder darin verschwinden. Zwar stammen sie aus dem ewigen Eis, geschlagen aus norwegischen Gletschern, aber auch sie fangen langsam an zu schmelzen unter den Temperaturen eines Maiabends in Lübeck. Aber sie atmen auch eine eisige Kälte aus – Terje Isungset, der sie spielt, und Maria Skranes treten in dicken Norwegerpullovern mit Kapuze und Fellkragen auf.

Rhythmen aus dem Eismörser

Dann erzeugt der Musiker mit zwei Stößeln, die er in einen großen Eismörser mit Crushed-Eis schlägt, einen Rhythmus, es ist ein Rascheln, Schaben und Stampfen, über das Maria Skranes die kristallklaren Töne ihrer elegischen Stimme legt. Auf ein Kopfnicken hin fällt das Ensemble ein – auch für die Musiker unter der Leitung von Bernd Ruf sind das völlig neue Töne. Man habe zwar vorher gemeinsam geprobt, sagt der künstlerische Leiter des Festivals, allerdings nicht mit den Eisinstrumenten, die Terje Isungset kreiert hat und hütet. Sie erklingen tatsächlich nur beim Konzert.

Ein Hauch von Ewigkeit

Es ist ein einzigartig eisiger Sound von faszinierender Schönheit, den der Norweger damit hervorbringt. Das ist das laute und urzeitliche Tröten des Eishorns; das Rauschen und Raunen und tiefe Gurgeln der Eistrompete klingt, als befände man sich tief in einer Gletscherhöhle. Mit Staunen hört man den warmen Klang des „Iceophons“. Darüber legt Maria Skranes ihren gesampelten Gesang und das Flüstern einer fernen Erzählung und erzeugt eine märchenhaft urzeitliche Stimmung – mit einem Hauch von Ewigkeit. Das Publikum ist hingerissen von dieser Musik aus dem ewigen Eis.

Wasser – in allen Aggregatzuständen – steht an diesem Konzertabend im Fokus, den Bernd Ruf mit seinem „Quellgeflüster“ auf der Klarinette eröffnet. Es geht über in einen Part aus Händels „Wassermusik“, gefolgt von Klängen der „Moldau“, die der Percussionist Doug Perry dem Vibraphon entlockt.

Spiderman gegen Wasserwesen

Dass Wasser nicht nur lieblich tröpfeln, sprudeln und plätschern muss, zeigen dann das Sirius String Quartet und ICE, das Instant Composing Ensemble der Musikhochschule Lübeck, mit ihrer gemeinsamen Improvisation. Unter dem Titel „Eisschmelze“ machen sie die Folgen des Klimawandels akustisch erfahrbar – ein eindrucksvolles Hörerlebnis in Dissonanzen. Dankbar erfreuen sich die Zuhörer im Anschluss über das Sirius Spring Quartet, das mit „Spidey Falls!“ (von Fung Chern Hwei) Spidermans Kampf gegen ein tödliches Wasserwesen zu Gehör bringt. Es ist ein Kampf, den Spiderman verliert. Gewonnen haben an diesem Abend die großartigen Wassermusiker.

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