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Kultur im Norden Corinna Harfouch liest Hilbig
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18:37 31.08.2018
Corinna Harfouch liest aus Werken von Wolfgang Hilbig. Quelle: HFR
Lübeck

Wolfgang Hilbig fasziniert die Schauspielerin Corinna Harfouch seit vielen Jahrzehnten: „Mit Hilbig steigt man in Bergwerke des menschlichen Daseins, man erfährt von abgründigen Welten in einer Sprache, die so einzigartig, mächtig und reich ist, wie man ihr selten begegnet“, erklärt die Künstlerin. Wolfgang Hilbig (1941-2007) wurde in die wohl bildungsfernste Familie hineingeboren, die man sich vorstellen kann. Er wuchs im thüringischen Meuselwitz in der geistigen Enge einer Stadt auf, in der nur die Braunkohle im Zentrum stand. Sein Vater war in Stalingrad vermisst, die Mutter arbeitete, so dass die Großeltern die Erziehung übernahmen. Der Großvater konnte nicht lesen und beäugte alles Geschriebene argwöhnisch. Die Mutter war meist abwesend, brachte dem Jungen aber ab und zu Bücher, durch die er seine Liebe zur Literatur entdeckte. Später dann ging er nach Ost-Berlin. Wortgewaltige Texte hat dieser Mann geschaffen, der Zeit seines Lebens aus innerer Bedrängnis heraus schrieb, aber stets in handfesten Berufen tätig war (als Bauarbeiter, im Braunkohleabbau oder als Heizer) und also in zwei Welten zu Hause war.

Corinna Harfouch wird zusammen mit ihrer Schwester Catherine Stoyan Hilbigs Poesie szenisch lesen und spielen. Akkordeonist Felix Kroll bringt die musikalische Ebene mit ins Spiel. Veranstaltet wird der Abend von „Klangrauschen“, der Lübecker Reihe für zeitgenössische Musik und Kunst. Ninon Gloger, die künstlerische Leiterin der Reihe, sagte im LN-Gespräch, dass Wolfgang Hilbig erstaunlich unbekannt sei, obwohl er 2002 sogar den Büchner-Preis erhalten habe. Für die Künstler des Abends sei Hilbig „ein Geschenk“.

Die Ebene der Musik ist für Ninon Gloger zentral. Die 37-Jährige erläutert: „Musik bringt noch eine andere Reflexion mit ins Spiel, transformiert die Texte und ist auch immer Zeitzeuge.“ Zu hören sind klassisch-moderne Werke (von Sofia Gubaidulina oder von Felix Kroll), aber auch Unterhaltendes („Like a Rolling Stone“ von Bob Dylon). Meist ist die Musik mit der Sprache verflochten, wirkt wie ein Kommentar. Manchmal steht sie aber auch für sich allein. Karten (18 €, ermäßigt 8 €) gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.

„Klangrauschen“ gibt es seit 2011. Die Lübecker Konzertreihe für experimentelle und zeitgenössische Musik hat ihren Radius vergrößert und kooperiert nun auch mit dem Theater Kiel. Neben den Gastspielen in Kiel plant „Klangrauschen“ weitere Standorte in Schleswig-Holstein zu bespielen. Denkbar wäre Eutin.

Cornelia Schoof

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