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Kultur im Norden An der Musik- und Kunstschule Lübeck wird jetzt Auflegen unterrichtet
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09:51 05.02.2019
Welche Knöpfe, welche Regler? Bei DJ und Dozent Sascha Sauerborn lernt man das Handwerk des Auflegens von Grund auf. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

 „Wir suchen jetzt erstmal eine Basedrum“, sagt Sascha Sauerborn. Der 33-Jährige bindet sich seinen Schal nochmal am Hals zurecht und hält den nötigen „Erkältungsabstand“ zu seinen Schülern – seinen Kurs wegen „krank“ abzusagen, kam für Sauerborn nicht infrage. Dafür ist dem gelernten Schlagzeuglehrer das neue Angebot viel zu wichtig.

Gemeint ist das neue „Baby“ der Musik- und Kunstschule, ein Kurs einmal in der Woche, in dem das Auflegen und Produzieren von Musik gelehrt wird. Ziemlich einmalig in Lübeck, vielleicht sogar auch im Norden. Der Zufall wollte es so.

Sauerborn arbeitet seit seiner Jugend schon an Mischpult und Reglern. Er ist DJ wie auch Produzent im Bereich Housemusik und Techno. Nicht erst seit gestern sondern schon seit vielen Jahren hat er sich in der Szene als „Sischke“ einen Namen gemacht, arbeitet für verschiedene Plattenfirmen, produziert Tracks und legt auch auf großen Festivals auf. Dass man im Norden noch nicht allzu viel von ihm gehört haben mag, liegt daran, dass Sauerborn zuletzt für viele Jahre im Raum Mannheim, Stuttgart und Heidelberg gelebt und gearbeitet hat, und erst vor einem Jahr nach Lübeck gezogen ist.

Schlagzeuglehrer, DJ und Dozent: Sascha Sauerborn Quelle: Lutz Roeßler

Hier hat der junge Familienvater zunächst an der Musik-Kunstschule ganz regulär Schlagzeugunterricht gegeben – und hier kam ihm die Idee, seine Leidenschaft in seinen Beruf als Musikdozent einfließen zu lassen. Seit Juni unterrichtet er nun auch das Fach Djing und Producing – in allen Musikrichtungen zwar, aber am liebsten verortet in der elektronischen Musik.

Songs „bauen“ wie Lego

Das kann man einfach so lernen? Sauerborn schmunzelt. „Die großen DJs machen es nicht anders.“ Dann geht es weiter am Rechner.

Nach der Basedrum kommen die Claps, die Snare und dann die Baseline. Sprich, nach dem Festlegen des Taktes mit der Bass-Trommel kommen die housemusiktypischen Klangelemente, die kleine Trommel und schließlich die Noten und die Melodie. Das alles liegt in „Spuren“ in dem Computerprogramm, das Sauerborn fürs Produzieren braucht. Ziemlich teuer sei die Software und die Ausstattung für den Start, erzählt er – all das aber stellt die Musik- und Kunstschule den Schülern zur Verfügung.

Drei davon sitzen vor dem Rechner und „Bauen“- denn am Ende, sagt Sauerborn, muss man sich das Produzieren eines Songs wie ein Lego-Set vorstellen, das aus vielen Einzelteilen besteht. Hat man eine Ahnung, wie die Programme funktionieren und was man damit anstellen kann, ist das Produzieren eines Songs keine „Zauberkunst“, sagt Sauerborn, fügt aber hinzu: „Trotzdem geht es nicht ohne das richtige Gefühl. Wer ein gewisses Gehör und ein Händchen für Musik hat, der hat unendliche Möglichkeiten.“

Und diese Möglichkeiten können Interessierte nun ganz offiziell lernen. Stefan Otte, Leiter der Musik- und Kunstschule, ist begeistert von dem neuen Angebot. Was zunächst als einmaliger Workshop begann, ist nun fest integriert in seinem Kurs-Angebot und wird sehr gut angenommen. „Das ist innovativ und modern“, freut er sich. Und – davon sind Otte wie auch Sauerborn überzeugt – das ist die Zukunft des Musikmachens: Dass Musikgenres einander greifen und elektronisch aufgepeppt werden. Wie zum Beispiel bei den Nordischen Filmtagen, als ein Stummfilm mit Musik von einem Schüler Sauerkorns unterlegt wurde. Niklas heißt er, ist 16 Jahre alt, und sitzt an diesem Nachmittag auch im Proberaum. Angefangen hat der Junge Zuhause mit Youtube-Videos. Perfektioniert hat er sein Wissen bei Sascha Sauerborn.

Die Nachwuchstalente aus dem Kurs von Sascha Sauerborn: Timo (19), Enzo (18) und Niklas (16, v.l.) Quelle: Lutz Roeßler

Talentschmiede und Wegweiser

„Das ist schon super, dass man hier sowohl die Theorie wie Harmonielehre und Gehörbildung als auch die Praxis lernt – und auch vom Netzwerk der Schule profitieren kann“, sagt er. Dem Netzwerk ist es zu verdanken, dass sich Niklas wie auch die anderen Schüler an besonderen Events, Wettbewerben oder Festivals wie die Nordischen Filmtage einbringen können, wenn es eine Gelegenheit dazu gibt.

Das Wichtigste ist aber: Sie können sich vor allem in ihrer eigenen Musik spezialisieren und ihren eigenen Weg einschlagen, so wie Niklas, der sich nun voll und ganz auf Filmmusik konzentriert. Oder Enzo, der den Kurs als Chance nutzt, sein Wissen zu vertiefen, weil er nach dem Abitur nach Amsterdam, dem Mekka der elektronischen Musik, gehen möchte, um dort zu studieren.

Enzo mag vor allem Goa und Trance, Timo, der neben ihm sitzt, mag Techno auflegen. Produzieren ist nicht so seins. „Muss es auch nicht“, sagt Sauerborn. „Wir arbeiten hier zusammen die Stärken der Schüler aus – und wenn jemand lieber am DJ-Pult steht, dann muss das nicht mit eigenen produzierten Songs sein, sondern es gibt ja auch eine unermesslich große riesige Datenbank an Musik, die legal zur Verfügung steht. Auch absolute Anfänger sind willkommen. „Hier macht nicht jeder dasselbe sondern jeder seins“, sagt Sauerborn. Allein schon deswegen bestehen seine Gruppen aus nicht mehr als zwei, drei Schülern, weil alle auf ihre Kosten kommen und von Sounddesign über Arrangements bis hin zu Mixing und Mastering alles lernen sollen, was sie möchten.

Auch das Einsingen von Songs ist in diesem Kurs möglich. Quelle: Lutz Roeßler

Viele Projekte und Pläne

Und wer zuvor gedacht hatte, elektronische Musik sei nicht integrierbar in Konzerte „klassischer Art“, der wird hier eines Besseren belehrt. „Das ist genau das Thema“, sagt Schulleiter Otte. „Eine Symbiose von elektronischer und klassischer Musik hat Zukunft.“ Es ist eben nicht mehr undenkbar, dass ein großes Orchester auf der Bühne zusammen mit einem DJ spielt, der seine Musik mit reinmischt. Das Classical Beat Festival ist zwar noch sehr jung, hat aber genau diese Symbiose zu seinem Thema gemacht.

Und auch hier sind Sauerborn und Otte im Gespräch mit den Veranstaltern. Außerdem überlegen sie, an „Jugend musiziert“ teilzunehmen. Es ist ja noch alles sehr neu. Der Kurs, das Angebot, die Möglichkeiten.

Aber: Man wird im wahrsten Sinne des Wortes noch einiges hören von Sauerborn und seinen Talenten – vielleicht sogar mit Hitpotential.

Mehr Informationen gibt es telefonisch unter Tel. 0451 / 29632-0 oder online bei der Musik- und Kunstschule Lübeck.

Schabnam Tafazoli

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