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Kultur im Norden Grass, Kehlmann und der Barock
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16:51 24.05.2019
Im August im Theater Lübeck: Daniel Kehlmann. Quelle: dpa
Lübeck

Das Günter-Grass-Haus erinnert im Sommer an „Das Treffen in Telgte“, die vor vierzig Jahren erschienene Erzählung des späteren Nobelpreisträgers. Grass hatte damals die Gruppe 47 in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges verlegt. Jene Jahre also, in denen auch Daniel Kehlmanns Tyll aus seinem gleichnamigen Roman unterwegs ist, weshalb er in Lübeck ebenfalls eine Rolle spielt.

Grass, Kehlmann und die Zeit des Barocks“ heißt die Ausstellung, die am 26. August eröffnet wird. In Anwesenheit von Kehlmann, der sich dann im Großen Haus des Theaters den Fragen der Literaturkritikerin Mara Delius stellt. Die Schauspielerin Christiane Paul wird aus dem „Treffen von Telgte“ lesen.

„Absolut großartig“

Kehlmann ist 2008 mit seinem Roman „Die Vermessung der Welt“ zu internationalem Ruhm gelangt. Er wurde in 40 Sprachen übersetzt. Der Thomas-Mann-Preisträger lebt heute in New York, wo er auch „Tyll“ geschrieben hat. Vor zwei Jahren ist das Buch erschienen, ein großer Erfolg bei Kritikern und Publikum gleichermaßen. Er habe auf die Anfrage aus Lübeck sofort zugesagt, berichtet Grass-Haus-Leiter Jörg-Philipp Thomsa, der „Tyll“ in hohen Tönen lobt: „Ein absolut großartiges Buch.“ Die Ausstellung sei ein „Ritt durch die Jahrhunderte“ mit Schwerpunkten 1647, 1947 und heute. Sie richte sich auch an Jüngere.

Kehlmann ist Grass nach eigener Aussage nur einmal persönlich begegnet. Aber da habe der einen Satz gesagt, der beim wenig später anrollenden Ruhm sehr hilfreich gewesen sei. „Jetzt beginnt die Zeit“, habe Grass gemeint, „in der jeder mehr über Sie weiß als Sie selber.“

Weihen für einen SS-Mann?

Günter Grass erfuhr das am eigenen Leib, als er seine Vergangenheit in der Waffen-SS offenbarte. Auch Kehlmann hat sich dazu geäußert. Grass, schrieb er, müsse den Nobelpreis lange im Blick gehabt haben. Aber die höchsten literarischen Weihen für einen ehemaligen SS-Mann? Das habe sich der Dichter nicht vorstellen können. Auch Jorge Luis Borges sei nach einem Besuch beim argentinischen Diktator Augusto Pinochet verbrannt gewesen. Also habe Grass vorerst geschwiegen.

2006 jedoch habe er geredet, womöglich auch, weil Journalisten es ohnehin irgendwann herausgefunden hätten. Dieser „Fleck“ habe ihn als Figur „reicher und interessanter“ gemacht, schrieb Kehlmann. Aber der Blick auf ihn und die Bundesrepublik habe sich verändert. Wenn auch jemand wie Günter Grass die SS-Uniform getragen habe, gebe es dann überhaupt einen Deutschen ohne Schuld, habe jetzt die Frage gelautet.

Info: Die Ausstellung läuft bis zum Februar 2020. Karten für die Eröffnungsveranstaltung kosten 20, ermäßigt 15 Euro. Schüler im Klassenverband zahlen fünf Euro. Die Tickets gibt es im Theater oder unter Telefon 0431 / 399 600.

Peter Intelmann

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