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Kultur im Norden Trauerfeier für Wolfram Eicke – „Danke, Papa“
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15:32 31.07.2019
„Es geht nicht, dass ich bleib – mich ruft mein Stern“: ein Foto erinnerte an Wolfram Eike. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Mit einer bewegenden Feier im Dom haben am Montag (29. Juli) Hunderte Abschied von Wolfram Eicke genommen – die Familie, Freunde, Bekannte, Menschen, die ihn schätzten und denen er viel bedeutet hat. Der in Lübeck geborene Autor und Liedermacher war Anfang Juni gestorben. Es waren warme Tage wie jetzt, und er war in der Nacht noch einmal schwimmen gegangen, in der Ostsee vor Haffkrug, wo er gewohnt hat. Und dann kam er nicht wieder. Er wurde nur 63 Jahre alt.

Kerzen brannten, seine Gitarre stand da, Blumen, ein Foto von ihm. Nicht schwarz-weiß, sondern farbig, das hätte ihm wohl gefallen. Er mochte sich nicht an das Dunkle verlieren, sagten seine Söhne Fabian und Philipp, die vor die dicht besetzten Bankreihen traten und liebevoll an ihren Vater erinnerten.

Wofram Eicke: Er hat Zuversicht gegeben

Er habe nach vorne geschaut und nicht zurück. Er habe sich nicht unterkriegen lassen, sondern einen anderen Blick auf die Dinge gewählt, eine andere Perspektive. Ein neuer Gedanke könne alles verändern, das habe er ihnen schon früh beigebracht. „Unser Vater hat Worte und Melodien geschaffen, die Zuversicht geben“, sagten sie. Er sei wie eine „gepolsterte Armlehne“ gewesen, bei der man sich anlehnen und abstützen konnte. Und wie Huckleberry Finn, voller Neugier. Er sei jedem ohne Vorbehalte begegnet. Er habe nicht gefragt, wer oder was einer sei, sondern immer ein offenes Ohr gehabt, für sie, für ihre Mutter, für jeden. „Er liebte uns bedingungslos.“ Und er habe seine Enkelkinder geliebt, habe ihnen vorgelesen, sei mit ihnen an den Strand gegangen, sei für sie dagewesen. „Das größte im Leben war, Großvater zu werden“, hat er gesagt.

Sie waren schon einmal in Sorge um ihn, um „diesen liebenswerten Chaoten mit dem großen Herzen“. An der Wakenitz war das, schon etwas her, aber es ist alles gut gegangen. „Was hätten wir alles verpasst“, sagten sie. Magische Momente jedenfalls, die auch ihr Vater gesammelt und in seinem Herzen gespeichert habe, „eine Kornkammer mit wunderbaren Wolfram-Eicke-Körnern“.

Musical mit Rolf Zuckowski

Für ihren Vater sei der Tod auch der Beginn von etwas Neuem gewesen, von einem neuen Abenteuer. Und sie seien gespannt, wie er jetzt mit ihnen in Verbindung trete. „Es geht nicht, dass ich bleib – mich ruft mein Stern“, heißt es in „Der kleine Tag“, dem erfolgreichen Musical, das er mit Hans Niehaus und Rolf Zuckowski geschrieben hat. „Die Zeit ging schnell vorbei, mein Ziel ist fern.“ Und dann: „Abschied heißt: Was Neues kommt, denn anderswo gibt’s ein Hallo.“ Und dass es ein Wiedersehen gibt, daran ließ zumindest das letzte Lied des Gottesdienstes keinen Zweifel, ein irischer Reisesegen, in dem es heißt: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“ Nicht wenn, sondern bis wir uns wiedersehen. „Danke, Papa, für deine Liebe und Zuversicht“, sagten seine Söhne.

Pastor Wolf-Matthias Gallien sprach von dem „hellen Licht“, das auch im „Kleinen Tag“ eine Rolle spielt. Die Finsternisse könnten manchmal endlos scheinen, aber sie seien doch „immer nur das Vorletzte, was uns begegnet“. Wolfram Eicke habe sich nicht davor gefürchtet. Seine Schritte seien langsamer geworden, er habe sein Haus bestellt. Er sei nicht alt gewesen, „aber lebenssatt“, sagte er. „Und dann – ein Unglück.“

Nach dem Gottesdienst gingen die Menschen nach vorne, verneigten sich, legten Blumen nieder. Sie standen in einer Schlange, die durch die ganze Kirche reichte.

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Peter Intelmann

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