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Kultur im Norden Der Macher der Präsidenten-Köpfe
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18:10 22.02.2018
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links), Bertrand Freiesleben und Christian Wulff mit der Büste des Ex-Präsidenten.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (links), Bertrand Freiesleben und Christian Wulff mit der Büste des Ex-Präsidenten. Quelle: Foto: Dpa
Berlin

Bertrand Freiesleben (51) ist gebürtiger Lübecker und lebt mit seiner Familie in Berlin. Bildhauerei hat er nur zwei Jahre lang in Kiel studiert, 1991 ging er nach New York und produzierte Konzeptkunst. Das befriedigte ihn jedoch auf Dauer nicht, er kam zurück nach Deutschland und begann ein Studium von Kunstgeschichte und Philosophie an der FU in Berlin. Die plastische Arbeit hat ihn aber niemals ganz losgelassen, seit Mitte der 1990er Jahre formt er vor allem Köpfe, plastische Porträts von lebenden Menschen.

Es ist eine exklusive Klientel, die Bertrand Freiesleben zunächst in Ton und dann in Gips oder Bronze verewigt hat. 2005 war Walter Scheel der erste ehemalige Bundespräsident, der sich von dem Künstler porträtieren ließ. Dazu kamen dann noch Roman Herzog, Richard von Weizsäcker, Horst Köhler und jetzt Christian Wulff. „Christian Wulff wollte als freundlicher Präsident in Erinnerung bleiben“, erzählt Bertrand Freiesleben. „So wirkt sein Porträt dann auch – aber nicht, weil er es so wollte, sondern weil ich ihn in vielen Gesprächen so erlebt habe.“ Der direkte Kontakt zum Modell ist dem Künstler wichtig, zu Walter Scheel entstand sogar eine Freundschaft. Das hindert Freiesleben allerdings nicht daran, Porträts historischer Personen zu fertigen. Es gibt Freiesleben-Porträts unter anderem von Richard Wagner, Thomas Mann und Karl Schiller. Vor allem in Politikerkreisen sind Freieslebens Werke beliebt, Egon Bahr gab ein Porträt in Auftrag, ebenso Kurt Biedenkopf und eine ganze Reihe ehemaliger Hamburger Bürgermeister. Diese Serie sieht der Künstler als Bekenntnis zur Demokratie in diesem Land.

Meistens aber wendet sich Bertrand Freiesleben an Personen, die ihn interessieren, so kam auch der Kontakt mit Walter Scheel zustande. Es sind aber nicht nur Politiker, die er aus jeweils rund 15 Kilogramm Ton geformt hat. Sein Porträt des verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado steht in der Berliner Philharmonie, auch dem Sternekoch Eckart Witzigmann, dem Schauspieler Dieter Hallervorden und Johannes Heesters hat Freiesleben tönerne Denkmäler gesetzt, um nur einige zu nennen.

„Was ich mit meinen Köpfen versuche, ist das Aufzeigen von Kontexten“, sagt er. „Kunst ist nie kontextfrei, und deshalb sind es Darstellungen von Harald Juhnke oder dem Herrscher-Paar von Liechtenstein auch nicht.“

Freiesleben ist sich als studierter Kunsthistoriker bewusst, in welch langer Traditionsreihe er mit seinen Porträtbüsten steht. Auf den ersten Blick wirken seine Arbeiten dann auch eher traditionell.

Erst beim näheren Hinsehen erkennt man die Details, die die Schlüssel zur Persönlichkeit des Porträtierten darstellen. Und erst dann erkennt man, wie vielfältig und differenziert die Kunst des Bildhauers Bertrand Freiesleben ist. Vielfältig wie das Leben selbst.

Neues Amtsgebäude

Das Bundespräsidialamt befindet sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Nachdem sich der Bundestag 1991 für den Umzug des Parlaments nach Berlin entschieden hatte, verlegte Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1994 den ersten Amtssitz des Staatsoberhauptes nach Berlin und sprach sich für einen Neubau des Bundespräsidialamtes aus. Das von den Architekten Martin Gruber und Helmut Kleine-Kraneburg entworfene Gebäude war nach zwei Jahren Bauzeit am 23. November 1998 offiziell bezugsfertig.

Jürgen Feldhoff